30.09.2020 | Presseinfo Nr. 60

Arbeitsmarktlage im Kreis Pinneberg - September 2020:

Arbeitsmarkt bekommt saisonalen Aufwind

  • Die Arbeitslosenzahl sinkt im September weiter.
  • Eine Jobsuche kann auch in der Krise erfolgreich sein!
  • Der Stellenmarkt zeigt sich stabil, aber deutlich unter Vorjahresniveau.
  • Kurzarbeitergeld sichert weiterhin viele Existenzen in der Region.
  September 2020 August 2020 September 2019
Arbeitslose 9.931 10.314 7.553
Arbeitslosenquote 5,6 5,8 4,3

Kreis Pinneberg sinkt die Arbeitslosenzahl um 383 Personen oder 3,7 Prozent gegenüber dem Vormonat. Damit waren im September 9.931 Menschen arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sind dies 2.378 Personen oder 31,5 Prozent mehr.

Die Arbeitslosenquote ist von 5,8 im Vormonat auf 5,6 Prozent zurückgegangen. Vor einem Jahr hatte sie 4,3 Prozent betragen.

„Im zweiten Monat in Folge sinkt die Zahl der Arbeitslosen in unserer Region. Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung. Euphorie ist jedoch nicht angebracht, handelt es sich doch um eine jahreszeitlich übliche Bewegung. Weiterhin befinden wir uns am Arbeitsmarkt auf einem völlig anderen Niveau als vor einem Jahr. Es wird viele Monate dauern, den Zuwachs wieder abzubauen. Die Arbeitsmarktaufhellung setzt ein Zeichen für eine Umkehr des Trends. Jetzt gilt es, sich in der Pandemie weiterhin umsichtig und verantwortungsvoll zu verhalten, um weitere wirtschaftliche Einschnitte zu vermeiden", erklärt Thomas Kenntemich, Leiter der Agentur für Arbeit Elmshorn.

Zu einer Entlastung auf dem Arbeitsmarkt trug auch der Ausbildungsbeginn im September bei. Mit 666 Arbeitslosen begannen mehr eine Ausbildung oder Qualifizierung (August: 607). Die Zahl der Menschen, die sich in eine Beschäftigung abmeldeten, blieb mit 760 ähnlich hoch wie im Vormonat.

„In diesem Jahr ist es schon mehr als 5.200 Menschen im Kreis Pinneberg gelungen, eine neue Arbeitsstelle zu finden und ihre Arbeitslosigkeit zu beenden. Trotz Corona eröffnet der Arbeitsmarkt viele Chancen - manche Branchen und Berufe bieten mehr als andere. Es lohnt sich, die persönlichen Möglichkeiten auszuloten, berufliche Alternativen einzubeziehen und notwendige Qualifizierungen anzugehen", so Thomas Kenntemich.

Von Januar bis September konnten 5.237 Arbeitslose eine beitragspflichtige Beschäftigung aufnehmen. Dies sind rund zehn Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, die Zahl zeigt jedoch auch, dass viele Arbeitssuchen in der Corona-Zeit erfolgreich sind.

Die Arbeitsagentur hat als Folge der Corona-Pandemie einen enormen Anstieg ihrer Kunden um über 60 Prozent zum Vorjahr zu bewältigen. Von den insgesamt 9.931 Arbeitslosen betreute die Agentur für Arbeit (Arbeitslosenversicherung) im September 4.940 Personen. Damit ist die Zahl um 251 gegenüber dem Vormonat gesunken. Es sind 1.922 Personen (+63,7 Prozent) mehr als vor einem Jahr bei der Arbeitsagentur gemeldet.

Beim Jobcenter (Grundsicherung) waren 4.991 Arbeitslose registriert. Dies sind 132 Personen weniger als im August. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Zahl um 456 Personen oder 10,1 Prozent gestiegen.

Zu den 9.931 Arbeitslosen kamen im September 2.757 weitere Menschen, die ohne Arbeit waren – z. B. weil sie sich derzeit qualifizieren oder vorübergehend arbeitsunfähig sind.

Insgesamt 12.688 Personen befanden sich damit im Kreis Pinneberg in Unterbeschäftigung 1). Die Unterbeschäftigung ist in den letzten zwölf Monaten um 1.901 Personen gestiegen. Damit liegt sie um 17,6 Prozent höher als im September 2019.

Zum Kreis der Unterbeschäftigten gehören auch die Arbeitsuchenden, die ihre Kenntnisse erweitern, wichtige berufliche Zertifikate erwerben und dadurch ihre Chancen bei der Jobsuche erhöhen. Die Bildungsträger haben sich den besonderen Erfordernissen angepasst und bieten mehr Lerninhalte auch mit digitaler Unterstützung an. Während die längerfristigen Weiterbildun-gen schon fast wieder auf Vorjahresniveau stattfinden, liegt die Teilnehmerzahl bei Kurzseminaren und Betriebspraktika rund 20 Prozent unter dem Vorjahr.

Im Kreis Pinneberg besuchten im September 650 Menschen eine berufliche Weiterbildung, die durch die Arbeitsagentur oder das Jobcenter gefördert wurde. Weitere 592 nahmen an Kurzqualifizierungen oder betrieblichen Praktika teil.

„Die Personalnachfrage hat im September spürbar angezogen. Das Niveau des Vorjahres werden die Stellenmeldungen jedoch nicht mehr erreichen. Arbeitskräfte sind derzeit im Erziehungs- und Gesundheitswesen, Lager, Lebensmittelverkauf und Baugewerbe besonders gefragt. Qualifizierte Fachkräfte bleiben auch in diesen Zeiten in vielen Branchen gesucht", sagt Thomas Kenntemich.

Die Unternehmen gaben dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Elmshorn und des Jobcenters Kreis Pinneberg 453 sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen neu zur Besetzung auf - 115 mehr als im Vormonat. Insgesamt wurden seit Jahresbeginn 3.708 freie Stellen gemeldet, dies sind 27,5 Prozent weniger als in den ersten neun Monaten des Vorjahres.

Im September zeigten 16 Betriebe aus dem Kreis Pinneberg für 315 Beschäftigte Kurzarbeit neu an. Der Höhepunkt der Anzeigen lag zum Beginn der Corona-Pandemie. In den Monaten März und April hatten 2.506 Unternehmen für 29.579 Arbeitnehmer/innen Kurzarbeit angezeigt.

Teilweise wurde Kurzarbeit vorsorglich angezeigt oder ehemals Kurzarbeitende konnten rasch wieder voll arbeiten. Die tatsächliche Inanspruchnahme der vorab angezeigten Kurzarbeit, lässt sich wegen des speziellen Abrechnungsverfahrens erst mit einem Zeitverzug von mehreren Monaten ermitteln. Die Aprildaten liegen jetzt für die Kreise vor.

Demnach haben im Monat April 2.128 Unternehmen des Kreises Pinneberg das Kurzarbeitergeld auch tatsächlich in Anspruch genommen. Dies sind 85 Prozent der anzeigenden Unternehmen. Nur 50 Prozent der gemeldeten Beschäftigten musste im April tatsächlich in die Kurzarbeit gehen. Dennoch bleibt die Zahl von 14.852 abgerechneten Kurzarbeitenden im April von noch nie dagewesener Höhe.

„Nach wie vor bearbeitet eine große Zahl an Mitarbeitenden aus fachfremden Aufgaben mit viel Elan die große Flut an monatlichen Abrechnungen. Das Kurzarbeitergeld wird für uns noch über Monate eine wichtige Großaufgabe bleiben. Vielen Menschen sichern wir weiterhin durch Kurzarbeit ihre Existenzen und den Unternehmen ihre eingearbeiteten Arbeitskräfte," erläutert Thomas Kenntemich.


Ausbildungsmarkt

Die Jahresbilanz zum Ausbildungsmarkt 2020 wird bundesweit Ende Oktober veröffentlicht. Mit einer gesonderten Pressemitteilung informiert die Agentur für Arbeit Elmshorn zeitnah zu den Daten und Entwicklungen im Kreis Pinneberg.


1) Die Zahl der Unterbeschäftigten erfasst neben den Arbeitslosen beispielsweise auch Personen in Qualifizierungs-maßnahmen und Arbeitsgelegenheiten (1-Euro-Jobs), Krankgeschriebene, geförderte Existenzgründer und Arbeit-suchende mit Vorruhestandsregelungen. Die aktuellen Werte sind vorläufig und hochgerechnet. Endgültige Werte zur Unterbeschäftigung stehen erst nach einer Wartezeit von drei Monaten fest.