05.01.2021 | Presseinfo Nr. 1

Arbeitsmarktlage im Kreis Pinneberg - Dezember 2020:

Arbeitsmarkt 2020 stabilisiert sich nach heftigen Turbulenzen

  • Leichter Rückgang der Arbeitslosenzahl im Dezember
  • Kurzarbeit verhindert einen höeren Anstieg der krisenbedingten Arbeitslosigkeit
  • Fachkräftebedarf und Qualifizierung – diese Herausforderungen bleiben auch in einer Zeit nach Corona
     
Dezember 2020 November 2020 Dezember 2019
Arbeitslose 9.694 9.752 7.853
Arbeitslosenquote 5,5 5,5 4,5

Die aktuelle Entwicklung im Dezember

Im Kreis Pinneberg waren im Dezember 9.694 Menschen arbeitslos. Damit ist die Arbeitslosenzahl um 58 Personen oder 0,6 Prozent zum Vormonat gesunken. Gegenüber dem Vorjahr liegt die Zahl um 1.841 Personen oder 23,4 Prozent höher.

Die Arbeitslosenquote liegt unverändert zum Vormonat bei 5,5 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie 4,5 Prozent betragen.

„Mit dem Dezember verzeichnen wir im fünften Monat nacheinander einen Rückgang bei den Arbeitslosenzahlen - auch wenn dieser nur leicht ausfällt. Saisonal üblich wäre ein spürbarer Anstieg gewesen, denn in diesem Monat melden sich viele Arbeitnehmer aus witterungsabhängigen Branchen, Saisonaushilfen und Angestellte mit auslaufenden Arbeitsverträgen", sagt Thomas Kenntemich, Leiter der Agentur für Arbeit Elmshorn.

Die von den Vorjahren abweichende Entwicklung lässt sich erklären: „Viele Branchen und Betriebe sind von dem zweiten Lockdown im November nicht betroffen gewesen, befanden sich in einer Aufschwungbewegung und waren gut ausgelastet. Dies überlagerte die typische Saisonentwicklung. Im Januar dürften der Winter und der verschärfte Lockdown jedoch die Arbeitslosenzahl ansteigen lassen."

Die Nachfrage der Unternehmen nach Personal ist im Dezember zum Vormonat leicht angestiegen. Die Unternehmen gaben dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Elmshorn und des Jobcenters Kreis Pinneberg insgesamt 399 sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen neu zur Besetzung auf. Dies waren elf mehr als im November.
 

Jahreswerte 2020 / Rückblick / Ausblick

Um die Entwicklung des Arbeitsmarktes im vergangenen Jahr umfassend einzuschätzen zu können, ist es sinnvoll nicht nur die Dezemberwerte, sondern auch die Jahresdurchschnittswerte – und damit längerfristige Trends - zu betrachten.

„Wir haben ein noch nie erlebtes Jahr hinter uns. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt sind mit keiner Wirtschaftskrise zuvor vergleichbar. Die Zahl der Arbeitslosen ist binnen Tagen und Wochen drastisch gestiegen. Durch den massiven Einsatz von Kurzarbeit in einem noch nie dagewesenen Ausmaß konnte Schlimmeres verhindert werden. Vor allem während des ersten Lockdowns im Frühjahr waren flächendeckend viele Branchen gleichzeitig betroffen. Nicht nur Geschäfte mussten schließen, auch Lieferketten waren unterbrochen, Produktionsbereiche standen still und Unsicherheit machte sich breit," beschreibt Thomas Kenntemich die Situation.

„Es gab keine Blaupause für den Umgang mit einer solchen Situation. Arbeitsagentur und Jobcenter mussten von einem Tag auf den anderen den persönlichen Kundenkontakt einstellen - alles lief ab sofort online oder per Telefon. Die Arbeitsagentur betreute über 50 Prozent mehr arbeitslose Menschen. Gleichzeitig waren bis zu 40 Prozent des Agenturpersonals in der raschen Bearbeitung des Kurzarbeitergeldes eingesetzt – freiwillig, flexibel und hochmotiviert. Die rasche Bearbeitung und Auszahlung der finanziellen Unterstützungen war sicher. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisteten dabei Außergewöhnliches!"

Die Arbeitslosigkeit im Kreis Pinneberg ist 2020 zum Vorjahr deutlich angestiegen. Im Jahresdurchschnitt waren 9.486 Menschen arbeitslos gemeldet. Dies sind 1.543 Personen oder 19,4 Prozent mehr als im Jahr 2019.

Die Arbeitslosenquote betrug im Jahresdurchschnitt 5,4 Prozent und liegt damit um 0,9 Prozentpunkte höher als im Vorjahr.

Die Menschen, die während der Coronakrise entlassen wurden, hatten meist einen Anspruch auf Arbeitslosengeld 1) und meldeten sich daher überwiegend bei der Arbeitsagentur, weniger im Jobcenter.

Von den jahresdurchschnittlich 9.486 Arbeitslosen betreute die Agentur für Arbeit (Arbeitslosenversicherung) 4.522. Dies bedeutet einen Anstieg ihrer Kundenzahl um 41,0 Prozent zum Vorjahr! Beim Jobcenter (Grundsicherung) waren 4.964 Arbeitslose registriert. Dies sind 4,8 Prozent mehr als im Vorjahr.

Zu den durchschnittlich 9.486 Arbeitslosen kamen im vergangenen Jahr 2.885 weitere Menschen, die ohne Arbeit waren – z. B. weil sie sich qualifizierten oder vorübergehend arbeitsunfähig waren. Insgesamt 12.371 Personen befanden sich damit im Kreis Pinneberg in Unterbeschäftigung1). Die Unterbeschäftigung ist zum Vorjahr um 1.243 Personen oder 11,2 Prozent gestiegen.

Die Unterbeschäftigung ist weniger stark gestiegen als die Arbeitslosenzahl. Das liegt auch daran, dass im Jahreslauf weniger Qualifizierungen stattfinden konnten. Vor allem während des ersten Lockdowns konnten viele Qualifizierungen nicht wie geplant starten, weil die Bildungsträger sich zunächst auf neue Lernbedingungen (Hygienevorschriften, digitale Lernmöglichkeiten) einstellen mussten. Ab Spätsommer waren die meisten Weiterbildungsmöglichkeiten wieder zugänglich und die Zahl der geförderten Teilnehmer/innen steigt allmählich auf Vorjahresniveau.

Die Arbeitsagentur und Jobcenter fördern weiterhin notwendige berufliche Bildungsmaßnahmen – die erforderlichen Haushaltsmittel sind dafür vorhanden.

„Eine der größten Herausforderungen vor der Krise war die Sicherung des Fachkräftebedarfs. Das wird nach der Krise wieder so sein! Insbesondere die Digitalisierung führt zu einem Wandel der Arbeitswelt und der Berufe. Und durch die Pandemie hat gerade die Digitalisierung einen Extra-Schub bekommen! Bei der Personalplanung sollten Unternehmen weiter langfristig denken, Qualifizierungen für Beschäftigte anbieten und unsere Beratungs- und Förderangebote nutzen", rät Thomas Kenntemich.

„Als wirksames Mittel gegen eine krisenbedingte Massenarbeitslosigkeit hat sich auch in unserer Region das Kurzarbeitergeld erneut bewährt. Vielen Menschen blieben dadurch ihre Arbeitsplätze und den Betrieben ihr eingearbeitetes Personal erhalten. Ein schnelles Hochfahren der Geschäftsaktivitäten nach dem Lockdown war so möglich", so Thomas Kenntemich.

Die Kurzarbeit erreichte im letzten Jahr ein nie dagewesenes Niveau. Aus dem Kreis Pinneberg erreichten die Arbeitsagentur innerhalb des letzten Dreivierteljahres 3.538 Anzeigen auf Kurzarbeit für 42.694 Personen.

Nicht jede vorab angezeigte Kurzarbeit wurde auch tatsächlich umgesetzt. Die Spitze der Kurzarbeit lag im April. In diesem Monat gab es im Kreis Pinneberg 14.912 Kurzarbeitende in 2.125 Betrieben. Die Kurzarbeiterquote betrug 15,8 Prozent - das bedeutet, fast jeder sechste sozialversicherungspflichtig Beschäftigte befand sich in Kurzarbeit.

Im Gegensatz zur Finanzkrise 2009 waren nicht nur der industrielle Bereich, sondern sehr viel mehr Branchen betroffen. Unterbrochene Lieferketten und Exporteinbruch machten den Produktionsbetrieben zu schaffen, die Lockdowns trafen Hotels und Gastronomie, Tourismusbranche, Messe- und Veranstaltungswesen sowie den Einzelhandel (ohne Lebensmittel) besonders hart. Einige Branchen kamen schneller wieder in Fahrt, während andere weiterhin sehr unter der Corona-Krise leiden. Viele Unternehmen im Lebensmitteleinzelhandel, im IT-Bereich, in der Herstellung von Medizinprodukten und der Logistik konnten ihre Geschäfte hingegen sogar ausbauen.

Erfreulicherweise gelangen auch im vergangenen Jahr trotz der erschwerten Umstände einer überraschend hohen Zahl von Arbeitssuchenden der Sprung in eine neue Beschäftigung. So nahmen im Jahresverlauf 7.113 Arbeitslose eine neue sozialversicherungspflichtige Arbeit auf. Dies waren im Vergleich zum Vorjahr nur 282 weniger. Dies kann Mut machen: eine erfolgreiche Arbeitssuche ist auch in Pandemiezeiten möglich!

Der Bestand an offenen Arbeitsstellen im Kreis ist in den letzten Monaten zurückgegangen. Jahresdurchschnittlich waren 1.932 offene Stellen in der Jobbörse unter www.arbeitsagentur.de gemeldet. Das sind 564 weniger als im Vorjahr.

Insgesamt wurden im Jahresverlauf 4.859 sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen neu aufgegeben, 1.534 oder 24,0 Prozent weniger als im Vorjahr.

Im Kreis Pinneberg gab es Ende Juni 93.256 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Durch die Coronakrise war ihre Zahl im zweiten Quartal um 1.007 Beschäftigte zurückgegangen. Dennoch arbeiteten zur Jahresmitte 0,6 Prozent mehr Menschen im Kreis als vor einem Jahr.

Dabei gab es in den Branchen sehr unterschiedliche Entwicklungen. Weniger Beschäftigte gab es insbesondere im Gastgewerbe, in Betrieben der Metall- und Elektroproduktion und bei Zeitarbeitsunternehmen. Zuwächse verzeichneten hingegen die öffentliche Verwaltung, das Gesundheitswesen und das Baugewerbe.

„Viele sind von der Pandemie stark betroffen, einige konnten auch profitieren. Der Wandel der Wirtschaftsstruktur und des Arbeitsmarktes wird sich beschleunigen. Digitale Technik, Globalisierung, Umweltschutz und Wertewandel werden zu den Treibern unserer zukünftigen Arbeitswelt," sagt Thomas Kenntemich und erläutert: „Homeoffice ist für viele jetzt vorstellbar geworden, stationärer Handel ohne Onlineunterstützung zukünftig wohl immer weniger. Einige Entwicklungen werden sich nach der Krise fortsetzen. Manche Jobs werden reduziert, andere entstehen dafür neu. Die erfolgreiche Eindämmung der Pandemie könnte rasch zu einem positiven Trend in Wirtschaft und am Arbeitsmarkt führen. Ein kompletter Erholungsprozess dürfte sich aber auch ohne neue Lockdowns längere Zeit hinziehen."

Am Ausbildungsmarkt war das Frühjahr 2020 von Unsicherheiten bei Ausbildungssuchenden und Betrieben bestimmt. Corona erschwerte und verzögerte viele Prozesse am Ausbildungsmarkt.

Die Berufsberatung konnte ihre Kontaktwege nicht wie gewohnt nutzen, Präsenzzeiten in den Schulen entfielen und alle Ausbildungsmessen in der Region wurden abgesagt. Mehr Eigenini-tiative war bei der Nutzung der Online-Angebote gefragt. Der bekannte, langjährige Trend, dass mehr Jugendliche weiter zur Schule gehen und einen höheren Schulabschluss anstreben, hielt an. So war die Zahl der Bewerber/innen um betriebliche Ausbildungsstellen weiter rückläufig.

„Beim Blick in die Zukunft, sollten Unternehmen die Nachwuchskräfte im Fokus behal-ten. Eine hohe Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen in unserer Region ist zu erken-nen. Melden Sie uns weiterhin Ihre freien Ausbildungsplätze!", bittet Ute Beckmann, Ge-schäftsführerin Operativ.

Die Berufsberatung der jungen Menschen ist durch bessere technische Voraussetzungen (Online-Angebote, Videokommunikation) und angepasste Zusammenarbeit mit den Schulen opti-miert worden.

„Auch im Lockdown bieten wir unser umfangreiches Beratungsangebot und unsere Aus-bildungsstellenvermittlung an. Wer in diesem Jahr die Schule verlässt, sollte baldmög-lichst den Kontakt mit der Berufsberatung suchen. Wir beraten zu Ausbildung und Stu-dium – trotz Pandemie stehen den Bewerbern viele Möglichkeiten offen!", sagt Ute Beck-mann, Geschäftsführerin Operativ.


 

1) Die Zahl der Unterbeschäftigten erfasst neben den Arbeitslosen beispielsweise auch Personen in Qualifizie-rungsmaßnahmen und Arbeitsgelegenheiten (1-Euro-Jobs), Krankgeschriebene, geförderte Existenzgründer und Arbeitsuchende mit Vorruhestandsregelungen. Die aktuellen Werte sind vorläufig und hochgerechnet. End-gültige Werte zur Unterbeschäftigung stehen erst nach einer Wartezeit von drei Monaten fest.