So fördert die Arbeitsagentur Weiterbildungen

Qualifizierungschancengesetz

Seit Januar gilt ein neues Gesetz zur Weiterbildung von Beschäftigten. Was genau hat sich verändert und welche Möglichkeiten gibt es nun für Unternehmen und Beschäftigte, Weiterbildungen zu absolvieren? Dazu ein Interview mit Beatrice Ströhl, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Erfurt.

Das Qualifizierungschancengesetz ist zum Januar in Kraft getreten. Was genau hat sich verändert?

Mit dem Qualifizierungschancengesetz hat die Politik viele Möglichkeiten der Weiterbildungsförderung eröffnet, die bis dahin nur einem eingeschränkten Personenkreis zur Verfügung standen. Nun können wir mehr Unternehmen finanziell flexibler bei der Weiterbildung ihrer Beschäftigten unterstützen.

Was heißt das konkret?

Wir können wie bisher auch die Weiterbildungskosten von Geringqualifizierten und älteren Menschen übernehmen. Neu ist, dass auch Weiterbildungen für alle Beschäftigten bezahlt werden können, deren berufliche Tätigkeiten durch Technologien ersetzt oder vom Strukturwandel bedroht werden. Unabhängig vom Alter oder von anderen Faktoren.

Also der Kfz-Mechaniker, der nun auch Elektroautos repariert?

Ja, oder der Handwerker, der Smart-Home-Geräte installiert.

Welche Kosten werden übernommen?

Das Gesetz unterteilt die Betriebe in verschiedene Größenordnungen von bis 10, bis 250, bis 2.500 und ab 2500 Beschäftigte. Dabei wird der Zuschuss immer geringer je größer das Unternehmen ist. Neu ist, dass selbst Unternehmen mit über 2.500 Beschäftigten zukünftig Weiterbildungsförderung bekommen können.

Was heißt das beispielsweise für ein kleines Unternehmen?

Die größte Förderung gibt es für Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten. So kann die Arbeitsagentur die kompletten Weiterbildungskosten übernehmen und zusätzlich einen Zuschuss zum Arbeitsentgelt in Höhe von bis zu 75 Prozent für die Zeiten zahlen, in denen der Mitarbeiter an der Qualifizierungsmaßnahme teilgenommen und nicht gearbeitet hat. Kleine und mittlere Unternehmen mit 10 bis 249 Beschäftigten erhalten Zuschüsse zu den Lehrgangskosten in Höhe von bis zu 50 Prozent. Zusätzlich kann die Arbeitsagentur einen Zuschuss zum Arbeitsentgelt in Höhe von bis zu 50 Prozent übernehmen, für die Zeiten, in denen der Mitarbeiter aufgrund der Weiterbildungsteilnahme nicht gearbeitet hat.

Was sollten Unternehmen nun tun?

Als erstes sollten Unternehmen gemeinsam mit ihren Beschäftigten die Qualifizierungsbedarfe analysieren und dann auf ihren persönlichen Ansprechpartner im Arbeitgeberservice zu gehen oder die Hotline 0800 4 5555 20 kontaktieren. Es ist wichtig, dass das Unternehmen rechtzeitig auf uns zukommt. Dann prüfen wir die individuellen Voraussetzungen und geben einen Bildungsgutschein aus. Dieser wird direkt beim Bildungsträger eingelöst. Zusätzlich können wir noch den Lohnausfall erstatten.

Was muss beachtet werden?

Wichtig ist, dass die Weiterbildungsmaßnahme und der Bildungsträger zertifiziert sind und die Weiterbildung mehr als 160 Stunden umfasst.