30.10.2020 | Presseinfo Nr. 49

Ausbildungsmarkt in Essen: Da geht noch was!

Chancen müssen auf beiden Seiten genutzt werden  

Gemeinsam zogen die Partner am Ausbildungsmarkt die Agentur für Arbeit, das JobCenter, die IHK zu Essen, die Kreishandwerkerschaft Essen und der DGB eine erste Zwischenbilanz und läuteten den Endspurt „das 5. Quartal“ ein. Das Ende des diesjährigen Ausbildungsmarktes ist der 31. Januar 2021.

Die Corona-Pandemie hat die Situation auf dem Ausbildungsmarkt verändert. Voraussichtlich wird eine deutlich größere Zahl Jugendlicher zu einem späteren Zeitpunkt als sonst üblich eine duale Ausbildung beginnen. Insbesondere in diesem Jahr gibt es für diese Jugendlichen die Möglichkeit zu einem späteren Ausbildungsbeginn.

In den vergangenen Monaten hatte sich das Ausbildungsgeschehen aufgrund der Corona-Pandemie deutlich verzögert. Die zeitlichen Abläufe haben sich um drei Monate nach hinten verschoben. Das lag daran, dass Schulen zunächst geschlossen waren, Abschlussprüfungen später stattfanden, neue Formate für Bewerbungsverfahren entwickelt werden mussten und Unternehmen teilweise andere Prioritäten setzten und Entscheidungen zur Besetzung freier Ausbildungsstellen erst einmal verschoben hatten.

Alle Partner in Essen haben sich frühzeitig auf die veränderte Situation eingestellt und ihr Handeln im Ausbildungskonsens eng abgestimmt. Die notwendigen Rahmenbedingungen für einen Ausbildungsstart auch noch im Herbst oder Winter wurden geschaffen. Alle haben sich auf einen späteren Ausbildungsstart eingestellt, Abläufe und Lerninhalte wurden vor diesem Hintergrund entsprechend angepasst. Unterschiedliche Lernstände der Schülerinnen und Schüler durch zeitlich versetzte Ausbildungsaufnahme sollen durch erweiterte Möglichkeiten des Stützunterrichtes berücksichtigt werden, damit Jugendliche, die später mit einer Ausbildung starten, den Anschluss finden.

Mit zusätzlichen, gemeinsamen und auch virtuellen Beratungs- und Unterstützungsangeboten begegneten die Partner im Ausbildungskonsens dieser Entwicklung. Verstärkter digitaler Einsatz, Online Speed-Datings und Präsenz der Akteure vor Ort, u.a. in Shopping-Centern oder draußen unter freiem Himmel, ergänzten in diesem Jahr das bereits etablierte Serviceangebot. Auf diese Weise ist es im Sommer bereits vielfach gelungen, Bewerber und Bewerberinnen und Betriebe zusammenzuführen und auf dem regionalen Ausbildungsmarkt einen rasanten Aufholprozess zu starten. Diese Angebote für Jugendliche und Betriebe laufen weiter.

Mit dem Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ hat das Bundeskabinett ein Paket mit verschiedenen Hebeln verabschiedet. Gefördert werden kleine und mittelständische Unternehmen, die trotz erheblichen Arbeitsausfalls bestehende Ausbildungsverträge ohne Einschränkung weiterführen oder ihre Ausbildungsleistungen erhöhen, Auszubildende von insolventen anderen Betrieben übernehmen oder auch Auszubildende übernehmen, deren Betrieb für einen gewissen Zeitraum die Ausbildung unterbrechen muss.

Die Kennzahlen zum Ausbildungsmarkt im Einzelnen:

Der Agentur für Arbeit wurden in diesem Jahr erfreulicherweise mehr Ausbildungsstellen durch die Betriebe gemeldet.  Insgesamt lag die Anzahl der angebotenen Ausbildungsplätze bei 3.391 und stieg damit gegenüber dem Vorjahr um 19 Stellen. Gleichzeitig meldeten sich in diesem Jahr bisher 3.826 Jugendliche und junge Erwachsene bei der Jugendberufsagentur, um bei der Suche nach dem passenden Ausbildungsplatz unterstützt zu werden. Gegenüber dem vergangenen Ausbildungsjahr bedeutet das einen Rückgang von 97 Bewerbern. Damit kam rein rechnerisch nicht mehr auf jeden gemeldeten Bewerber ein freier Ausbildungsplatz. Da wir davon ausgehen, in diesem Jahr nicht alle ausbildungsstellensuchenden Bewerberinnen und Bewerber durch Angebote der Jugendberufsagentur erreicht zu haben, zeigt dies, dass das Angebot an Ausbildungsplätzen trotz einer erfreulichen Steigerung nicht ausreichend ist.  Zum jetzigen Zeitpunkt sind 373 Bewerber noch unversorgt, 109 Bewerber mehr als im Jahr davor. Gleichzeitig spricht vieles dafür, dass mehr Jugendliche aufgrund der vorhandenen Probleme am Ausbildungsmarkt eher Ihre Variante B gewählt haben, nämlich den Besuch einer weiterführenden Schule und das obwohl der Plan A die Suche nach einem Ausbildungsplatz war und ist.

Gleichzeitig sind aber auch 552 Ausbildungsstellen aktuell unbesetzt und die Betriebe halten an diesen Angeboten weiter fest. Da gibt es also noch viele Möglichkeiten auch für die Jugendlichen, die zu Ihrem Plan A zurückkehren möchten. Aktuell sind mehr Ausbildungsplätze unbesetzt als Bewerber unversorgt. Das Passungsproblem auf dem Ausbildungsmarkt hat sich somit im Vergleich zum Vorjahr weiter verstärkt. Das unterstreicht wie schon im Vorjahr die Notwendigkeit, dass Betriebe auch vermeintlich schwächeren Bewerbern eine Chance im Rennen um einen Ausbildungsplatz geben und Unternehmen und Ausbildungssuchende vorhandene Unterstützungsangebote zum Kennenlernen und Ausprobieren nutzen.

Um das alte Passungsproblem und neue Versorgungsproblem zukünftig effektiv anzugehen, gilt es ganzheitliche Lösungsansätze zu finden. Vor diesem Hintergrund stellt sich vor allem die Frage: wer bildet eigentlich noch aus? Insgesamt verzeichnet Essen seit Jahren einen Rückgang der Ausbildungsbetriebsquote. Aktuell liegt sie in Essen bei 18,9 Prozent und sank damit im Vergleich zum Vorjahr um 0,7 Prozentpunkte; im Vergleich zu vor fünf Jahren sogar um 1,9 Prozentpunkte. Von 13.196 ausbildungsberechtigten Betrieben vor Ort bilden aktuell 2.495 Betriebe aus. Dass immer weniger Essener Betriebe ausbilden, ist vor allem auf Verluste im kleinstbetrieblichen Bereich zurückzuführen. Ursache für den Rückgang ist unter anderem der zunehmende Wettbewerb um junge Nachwuchskräfte.

Andrea Demler, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Essen

„Gerade auch in der Pandemie braucht es Ausbildung.  Der demographische Wandel lässt sich durch Corona nicht aufhalten. Aktuell und auch zukünftig wird das Erwerbspersonenpotential und das Bewerberpotential um Ausbildung weiter sinken, der Fachkräftemangel wird schnell wieder drängendes Thema. “, resümiert Andrea Demler, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Essen. „Die bereits im Sommer kommunizierte Kernbotschaft: „Es gibt noch Chancen auf dem Ausbildungsmarkt!“ bleibt im 5.Quartal bestehen. Alle Jugendliche, die Ihren Plan A noch nicht verwirklichen konnten und bislang noch nicht Kontakt zur Jugendberufsagentur aufgenommen haben, ermuntere ich ausdrücklich das jetzt zu tun. In Essen stehen noch zahlreiche offene Ausbildungsstellen zur Verfügung.“

Dietmar Gutschmidt, Fachbereichsleiter des JobCenter Essen

Dietmar Gutschmidt, Fachbereichsleiter des JobCenters Essen führt aus: „Die Corona-Krise darf nicht dazu führen, dass das Thema Ausbildung vernachlässigt wird, denn die duale Berufsausbildung war und ist ein Wettbewerbsvorteil für die deutsche Wirtschaft. Sie sichert den schnellen Einstieg in die Praxis, sie ist ein Garant gegen den Fachkräftemangel. Auch die Jugendlichen selbst sollten sich durch die Gesundheitskrise nicht verunsichern lassen. Eine Ausbildung bietet viele Chancen zur weiteren beruflichen Entwicklung und die Ausbildungsvergütung ermöglicht früh den Start in das eigene Leben. Das JobCenter Essen unterstützt die jungen Menschen mit zahlreichen Angeboten, sei es, wenn es um die Bewerbung geht, sei es mit ausbildungsbegleitenden Hilfen.“

Franz Roggemann, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung der IHK zu Essen

Ein leichter Anstieg angebotener Ausbildungsplätze macht deutlich: Die Wirtschaft steht zur Ausbildung - den schwierigen Rahmenbedingungen zum Trotz. Leider gelingt es immer weniger, die angebotenen Plätze auch zu besetzen. Das sehe ich mit großer Sorge. Das ist leider ein genereller Trend, der durch den corona-bedingten Ausfall der Berufsorientierung noch verschärft wurde. Über 500 unbesetzte Ausbildungsplätze in Essen sind über 500 verpasste Chancen für einen beruflichen Einstieg und für betriebliche Fachkräftesicherung. Wir benötigen mehr gesellschaftliche Anerkennung für die berufliche Bildung, um diesen Trend zu stoppen.

Wolfgang Dapprich, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Essen

Als einigermaßen zufriedenstellend bezeichnet Wolfgang Dapprich, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Essen, die Lehrlingszahlen zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Mit einem Minus von weniger als 10% Rückgang der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge scheint das Essener Handwerk nochmal mit einem „blauen Auge“ davon gekommen zu sein. Gleichwohl steht die Kreishandwerkerschaft allen Lehrstellensuchenden gerne zur Verfügung, um vielleicht doch noch einen Lehrvertrag abschließen zu können. Allerdings fällt auf, dass kein einziges Handwerk in diesem Jahr über 100 abgeschlossene Lehrverträge verbuchen kann. Lag der Spitzenreiter im Vorjahr noch bei 110 Verträgen, ist das Kfz-Handwerk im Jahr 2020 stark eingebrochen mit 87 Neuabschlüssen. Auch Elektro ist mit 108 Verträgen auf 94 rückläufig. Überraschend ist indes, dass die Tischler und Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik – wenn auch gering, jedoch immerhin – mehr Verträge abgeschlossen haben als im letzten Jahr.

Dieter Hillebrand, Regionsgeschäftsführer des DGB

„Unsere große Sorge als DGB ist in diesem Jahr, dass in der Bilanz am Ende des Ausbildungsjahres ein großer Teil von jungen Menschen, nicht mit einem betrieblichen Ausbildungsplatz versorgt wurde“, so Dieter Hillebrand, Regionsgeschäftsführer des DGB. „Es muss alles darangesetzt werden, dass wir nicht eine Generation der Ausbildungsverlierer bekommen. Ich appelliere daher eindringlich an die Beteiligten im Rahmen der Berufsausbildung. An die Unternehmen, weiterhin für genügend betriebliche Ausbildungsplätze zu sorgen und alles daran setzen diese zu besetzen und an die jungen Menschen, nicht nachzulassen in ihren Bemühungen einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Sie sollten dazu auch alle digitalen Möglichkeiten, die angeboten werden nutzen und offensiv auf die Betriebe zugehen.“

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