31.03.2021 | Presseinfo Nr. 30

Ein Jahr Corona: Spuren der Pandemie trotz sinkender Arbeitslosenzahl deutlich sichtbar

Auch ein Jahr nach Beginn des ersten Corona-bedingten Lockdowns vom 16. März 2021, wird die Situation auf dem Frankfurter Arbeitsmarkt maßgeblich durch das Pandemiegeschehen beeinflusst. Dennoch ging die Arbeitslosigkeit im März weiter zurück. Auf dem Ausbildungsmarkt sind nach dem ersten Halbjahr weniger Ausbildungsinteressierte und Ausbildungsstellen gemeldet als vor einem Jahr.
 

Im März 2021 ist die Zahl der von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen weiter zurückgegangen und wieder unter die 30.000er Marke gefallen. Insgesamt waren 29.668 Menschen in Frankfurt am Main arbeitslos gemeldet, 869 weniger als im Februar. Das entspricht einem Rückgang um 2,8 Prozent. Die Arbeitslosenquote senkte sich um 0,2 auf 7,1 Prozent.  
Die bisherige Entwicklung im Überblick: Nachdem die Arbeitslosigkeit nach Pandemiebeginn zunächst fünf Monate in Folge angestiegen war, ging sie von September bis einschließlich Dezember 2020 erstmals wieder etwas zurück. Im Januar 2021 stieg sie dann - dem typischen saisonalen Verlauf folgend - erneut an. Es folgte eine leichte Entspannung im Februar sowie aktuell eine weitere im März. 
Nach wie vor liegt die Arbeitslosenzahl deutlich über dem Niveau des Vorjahres. Gegenüber März 2020 waren 8.120 Menschen mehr von Arbeitslosigkeit betroffen. Das entspricht einem Zuwachs von 37,7 Prozent.  Die Arbeitslosenquote erhöhte sich um 1,9 Prozent. Im März 2020 hatte sie noch bei 5,2 Prozent gelegen.

„Das Pandemiegeschehen sorgt mit seiner dritten Welle für eine anhaltend angespannte Situation“, bestätigt Stephanie Krömer, Leiterin der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main. „Weiterhin unterliegen viele Wirtschaftszweige und Bereiche des öffentlichen Lebens den Einschränkungen des Ausnahmezustands. Ein gutes Signal ist, dass der aktuelle Stellenzugang in Frankfurt das Vorjahresniveau wieder erreichen konnte. Die ansässigen Unternehmen meldeten den zweiten Monat in Folge sogar etwas mehr neue Stellen als vor einem Jahr. Auch die im Vergleich zum Vorjahr noch immer deutlich höhere Arbeitslosigkeit ist im März weiter zurückgegangen. Dennoch stoßen aus den besonders betroffenen Branchen immer mehr Menschen auf Hürden, die sie längere Zeit in der Arbeitslosigkeit festhalten. Das gilt besonders für Geringqualifizierte, aber im Rahmen des Pandemiegeschehens zunehmend auch für Akademiker und Fachkräfte. Binnen eines Jahres ist die Zahl derjenigen, die ein Jahr und länger arbeitslos sind, um 75,5 Prozent angestiegen. Diesen Teufelskreis gilt es zu durchbrechen, indem wir berufliche Alternativen aufzeigen, Qualifizierungsangebote verstärken und dafür sorgen, dass junge Menschen, die am Übergang in das Berufsleben stehen, chancenreiche Angebote vorfinden. Deshalb appelliere ich an alle Unternehmen, denen es möglich ist, offen zu sein und sich weiterhin für Qualifizierung und Ausbildung einzusetzen:“ 

Der Rückgang der Arbeitslosigkeit gegenüber Februar zeigte sich bei allen Personengruppen mit Ausnahme der Menschen, die bereits ein Jahr und länger von Arbeitslosigkeit betroffenen sind. Hier gab es einen Anstieg um 233 Personen (+2,5 Prozent). Dass die Arbeitslosenzahl weiterhin deutlich höher ist als vor Beginn der Pandemie vor einem Jahr, betrifft ausnahmslos alle Personengruppen. Die größten prozentualen Erhöhungen um 44,7 und um 75,5 Prozent gab es hier bei den jungen unter 25-Jährigen und den von Langzeitarbeitslosigkeit Betroffenen.

In den beiden Rechtskreisen verlief die Entwicklung seit Februar unterschiedlich: Während die Arbeitslosigkeit in der Arbeitslosenversicherung (SGB III), die in der Zuständigkeit der Agentur für Arbeit Frankfurt liegt, zurückging, erhöhte sich die Zahl der Personen in der Grundsicherung (SGB II), für die das Jobcenter Frankfurt am Main verantwortlich ist, leicht.

Im Rechtskreis SGB III waren im März 12.477 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 1.044 Personen weniger (-7,7 Prozent) als im Februar, aber 4.530 mehr (+57,0 Prozent) als vor einem Jahr.

Im Rechtskreis SGB II waren 17.191 Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen, 175 Menschen mehr (+1,0 Prozent) als im Vormonat und 3.590 mehr (+26,4 Prozent) als im März 2020. Auch die Zahl der Bedarfsgemeinschaften, also der Haushalte und Familien, die auf finanzielle Leistungen des Jobcenters angewiesen sind, stieg um 180 (+0,5 Prozent) auf fast 37.100 an.

„Auch nach einem Jahr sind die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie für die Menschen in der Grundsicherung deutlich sichtbar“, fasst Claudia Czernohorsky-Grüneberg, Geschäftsführerin des Jobcenters Frankfurt am Main, zusammen. „Besonders Menschen, die bereits seit längerer Zeit von Arbeitslosigkeit betroffen sind, leiden unter den Rahmenbedingungen. Gleiches gilt für Familien und Haushalte mit geringem Einkommen. Fast 37.100 sogenannte Bedarfsgemeinschaften benötigten im März Leistungen aus der Grundsicherung, 10 Prozent mehr als vor einem Jahr.“

Mehr Stellenzugänge als vor einem Jahr 

Im März meldeten die Unternehmen 1.687 offene Stellen bei der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main und damit etwas weniger neue Stellen als im Februar (-3,5 Prozent oder -62 Stellen). Dennoch waren es 112 Stellen mehr als vor einem Jahr (+7,1 Prozent), als COVID-19 gerade erst begann, Einfluss auf den Frankfurter Stellenmarkt zu nehmen.

Mit einem Bestand von insgesamt 5.690 waren mehr Stellen bei der Agentur für Arbeit gemeldet als im Vormonat (+5,6 Prozent oder +301 Stellen), aber weiterhin deutlich weniger als vor einem Jahr (-3.382 oder -37,3 Prozent).

Die meisten offenen Stellen (Bestand) gab es für Berufe des Objekt-, Werte- und Personenschutzes, Berufe in der Informatik, Berufe in der Lagerwirtschaft, für Büro- und Sekretariatskräfte, für Berufe in der Kinderbetreuung und-erziehung sowie für medizinische Fachangestellte.

Erstmals seit 2010 weniger sozialversicherungspflichtige Beschäftigte im Vorjahresvergleich

Nachdem die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Frankfurt am Main in den letzten Jahren kontinuierlich und zuletzt auf Rekordzahlen angestiegen war, ist erstmals ein durch den Ausbruch der Pandemie bedingter Rückgang sichtbar geworden. Zum Stichtag 30. September 2020 gingen insgesamt 606.617 Menschen in Frankfurt einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nach. Das waren 4.854 weniger als im September 2019. Dies entspricht einem Minus von 0,8 Prozent. Damit hat sich die Beschäftigungsentwicklung in Frankfurt erstmals seit September 2010, damals im Zuge der Finanzkrise, in einem Vorjahresvergleich nicht nach oben entwickelt. Bereits in den zuvor für Juni 2020 erhobenen Daten zeigte sich, dass die Corona-Pandemie auch die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung gebremst hatte. Nachdem die Beschäftigung im jeweiligen Vorjahresvergleich zuvor kontinuierlich angestiegen war, verharrte sie mit einem leichten Minus auf dem Niveau des Vorjahres.     

Frankfurter Ausbildungsmarkt: Weniger Ausbildungsinteressierte, weniger Ausbildungsstellen

Von Oktober 2020 bis März 2021 haben sich bei der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main 2.598 Bewerberinnen und Bewerber um eine Ausbildungsstelle gemeldet. Das waren 373 junge Menschen weniger (-12,6 Prozent) als im Vorjahreszeitraum. Im gleichen Zeitraum meldeten die Frankfurter Unternehmen 3.053 offene Ausbildungsstellen. Auch das waren bislang etwas weniger als vor einem Jahr (-206 Ausbildungsstellen oder -6,3 Prozent).
Zum aktuellen Zeitpunkt - nach Ablauf des ersten Halbjahres - sind davon 1.701 Ausbildungsinteressierte noch auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle, 144 weniger (-7,8 Prozent) als im März 2020. Dem gegenüber stehen aktuell 1.642 noch offene Ausbildungsstellen. Das sind 570 weniger (-25,8 Prozent) als im Vorjahr. Somit stehen rein rechnerisch aktuell 1,18 Berufsausbildungsstellen je Bewerberin und Bewerber zur Verfügung.

„Schon in den letzten zwei Ausbildungsjahren konnten wir zu diesem Zeitpunkt beobachten, dass sich weniger junge Menschen meldeten, die sich für eine Ausbildung interessieren“, erklärt Stephanie Krömer. „Und auch von Seiten der Unternehmen wurden tendenziell weniger Ausbildungsstellen gemeldet. Das ist und war zu einem großen Teil dem anhaltenden Trend hin zu weiterführender Schule und Studium geschuldet. Seit letztem Jahr ist es aber der Faktor Corona, der zusätzlich für anhaltende Verunsicherung sorgt und sich auf das erste Halbjahr des laufenden Ausbildungsjahres niedergeschlagen hat. Deshalb möchte ich nochmals betonen, welchen hohen Stellenwert die duale Ausbildung für uns als Wirtschaftsstandort einnimmt und welche Chancen sie jungen Menschen eröffnet.“

Aktueller Stand zum Thema Kurzarbeit in Frankfurt am Main 

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie halten viele Betriebe ihre Belegschaft mit Hilfe des Kurzarbeitergeldes. Nach vierstelligen Spitzenwerten von Mitte März bis Mai 2020 ging die Anzahl der Unternehmen, die neu Kurzarbeit anzeigten, sichtbar zurück. Durch den im November 2020 beginnenden zweiten Lockdown stiegen die Anzeigen der Unternehmen, die neu oder erneut Kurzarbeit anmeldeten, bis einschließlich Januar erneut an. Nachdem die Unternehmensanzeigen im Februar dann wieder zurückgingen, hat sich diese Entwicklung nun im März weiter fortgesetzt. Nach vorläufigen Erhebungen zeigten im März 177 Betriebe neu oder erneut Kurzarbeit an. Das waren etwa halb so viele wie zuletzt im Februar (362).

Die Agentur für Arbeit Frankfurt am Main prüfte von Mitte März 2020 bis März 2021 insgesamt 13.377 Unternehmensanzeigen mit möglicher Kurzarbeit für 231.342 Personen.  

Wie viele Betriebe tatsächlich kurzgearbeitet haben, kann rückwirkend nach drei Monaten ausgewiesen werden, da die Betriebe innerhalb dieses Zeitfensters ihre Abrechnungslisten einreichen können. Aktuelle Hochrechnung für tatsächlich realisierte Kurzarbeit liegen nun für die Monate März bis November vor.

Die Entwicklung der letzten drei Monate:

Demnach waren im September 3.917 Betriebe mit 87.771 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, im Oktober 3.724 Betriebe mit 84.410 Beschäftigten und im November 4.493 Betriebe mit 86.734 Beschäftigten betroffen.

In welchen Wirtschaftsbereichen Kurzarbeit realisiert wurde, kann jetzt für den Monat September 2020 ausgewiesen werden. Gemessen an der Anzahl der Betriebe waren die Anteile realisierter Kurzarbeit in folgenden Branchen exemplarisch am größten:

  • Gastronomie - 643 Betriebe für 6.761 Beschäftigte
  • Einzelhandel - 325 Betriebe für 2.088 Beschäftigte
  • Verkehr und Lagerei - 452 Betriebe für 45.109 Beschäftigte
  • Immobilien, freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen - 582 Unternehmen für 6.620 Beschäftigte.