31.08.2022 | Presseinfo Nr. 59

Üblicher Rückgang der Arbeitslosigkeit im August bleibt aus

Die Arbeitslosenzahl in Frankfurt am Main ist im August weiter angestiegen. Zuletzt hatte es im Jahr 2020 einen durch die Corona-Pandemie bedingten Anstieg in einem August gegeben. Hintergrund der aktuellen Erhöhung ist die Aufnahme ukrainischer Geflüchteter in die Grundsicherung. Zugleich verstärkt sich die Nachfrage nach Arbeits- und Fachkräften weiter: Mehr als 10.000 offene Stellen sind aktuell bei der Arbeitsagentur Frankfurt gemeldet.
 

Die Arbeitslosenzahl in Frankfurt am Main ist den dritten Monat in Folge angestiegen. Insgesamt waren im August 26.135 Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen. Das waren 921 mehr (+3,7 Prozent) als im Juli aber auch deutlich weniger als vor einem Jahr (-2.284 Menschen oder -8,0 Prozent).
Die Arbeitslosenquote erhöhte sich im August um 0,2 Prozentpunkte auf 6,1 Prozent und hat somit erstmals seit sechs Monaten (zuletzt im Januar 2022) wieder die 6-Prozent-Marke überschritten. Vor einem Jahr hatte sie bei 6,6 Prozent gelegen.
Die kriegsbedingte Fluchtmigration aus der Ukraine bildet sich seit dem Rechtskreiswechsel in die Grundsicherung (SGB II) zum 1. Juni 2022 auch in der Arbeitsmarktstatistik ab. Nach vorläufigen Erhebungen waren im August 1.628 Menschen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit als arbeitslos registriert. Im August 2021 waren es noch weniger als 100 Menschen.

„Der erneute Anstieg der Arbeitslosenzahl ist für uns keine Überraschung“, erklärt Stephanie Krömer, Leiterin der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main. „Im Wesentlichen sind hier zwei Faktoren zu nennen, die sich auch bei der Betrachtung der einzelnen Personengruppen zeigen. Da ist in erster Linie die verstärkte Präsenz ukrainischer Geflüchteter in der Arbeitslosenstatistik, die sich auch in der aktuellen Arbeitslosenzahl der Frauen und der Menschen ohne deutschen Pass wiederfindet. Zum anderen haben wir junge Menschen, die nach Beendigung einer betrieblichen oder schulischen Ausbildung noch auf der Suche nach einer neuen Beschäftigung sind. Dennoch - und diese Entwicklung steht nur in scheinbarem Widerspruch zur Aufwärtsbewegung der Arbeitslosenzahl - spitzt sich der regionale Fach- und Arbeitskräftebedarf immer weiter zu. Aktuell sind mehr als 10.000 offene Stellen gemeldet. Passende Arbeitskräfte sind aber knapp. Dieser Trend bestätigt, dass mit entsprechenden Qualifizierungs- und Ausbildungsangeboten Abhilfe geschaffen werden kann. Fördermöglichkeiten gibt es - auch dank des Qualifizierungschancen-Gesetztes - viele. Das ist aber noch nicht bei allen Unternehmen und Beschäftigten angekommen beziehungsweise muss viel stärker zum Einsatz kommen. Trotz des mit der Corona-Pandemie beginnenden und durch den Ausbruch des Ukraine-Krieges weiter fortbestehenden Ausnahmezustandes ist der Arbeitsmarkt aufnahmefähig wie schon lange nicht mehr. Und Qualifizierung ist einer der wichtigsten Schlüssel, diesen Motor am Laufen zu halten. Ich werde nicht müde, das immer wieder zur Sprache zu bringen.“

Bei der Gesamtzahl aller im August von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen zählten genau 30,0 Prozent zum Rechtskreis SGB III (Arbeitslosenversicherung: insgesamt 7.848), der in die Zuständigkeit der Agentur für Arbeit Frankfurt fällt. 70,0 Prozent zählten zum Rechtskreis SGB II (Grundsicherung: insgesamt 18.287), für den das Jobcenter Frankfurt am Main verantwortlich ist.
In beiden Rechtskreisen waren im August mehr Menschen arbeitslos gemeldet, als im Vormonat. Allerdings war der Anstieg aus genannten Gründen in der Grundsicherung mit einem Plus von 4,5 Prozent stärker ausgeprägt, als in der Arbeitslosenversicherung (+1,7 Prozent).
Gegenüber dem Vorjahr waren es in beiden Rechtskreisen weniger (SGB III: -21,6 Prozent/ SGB II: -0,7 Prozent).   

Die Zahl der von Langzeitarbeitslosigkeit betroffenen Menschen blieb mit einem leichten Plus von 0,3 Prozent (29 Personen) in etwa auf dem Niveau des Vormonats. Insgesamt waren 33,0 Prozent aller arbeitslos Gemeldeten (8.617 Menschen) im August 2022 ein Jahr und länger ohne Arbeit. Das waren 1.970 Menschen weniger (-18,6 Prozent) als im August 2021.

Bei den Bedarfsgemeinschaften, d.h. Haushalten und Familien, die zur Sicherung ihres Lebensunterhalts auf finanzielle Leistungen des Jobcenters angewiesen sind, gab es seit Juli einen Anstieg um 3,5 Prozent (+1.149). Insgesamt wurden im August 34.194 Bedarfsgemeinschaften in Frankfurt am Main gezählt. Das waren 1.421 weniger (-4,0 Prozent) als im Vergleichsmonat des Vorjahres.    

„Die Übernahme ukrainischer Geflüchteter in die Grundsicherung, die Sicherung ihres finanziellen Auskommens und die Erstberatung hat gut funktioniert“, resümiert Claudia Czernohorsky-Grüneberg, Geschäftsführerin des Jobcenters Frankfurt am Main. „Jetzt stehen wir vor der Herausforderung, zunehmend passgenaue Sprachförderungen und qualifikationsgerechte Vermittlungen in Arbeit und Ausbildung umzusetzen. Im Rahmen einer gemeinsam mit der DEHOGA ausgerichteten Messe für das Hotel- und Gaststättengewerbe Anfang August sind zum Beispiel erste Kontakte zwischen den ukrainischen Personen und Unternehmen entstanden. Eine ähnliche Messe ist Mitte Oktober geplant.“

Aktuelle Entwicklungen auf dem Ausbildungsmarkt
Von Oktober 2021 bis August 2022 meldeten sich bei der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main insgesamt 3.422 Bewerberinnen und Bewerber für einen Ausbildungsplatz. Das waren 128 junge Menschen weniger (-3,6 Prozent) als im August 2021. Im gleichen Zeitraum meldeten die Unternehmen 3.444 Ausbildungsstellen, ebenfalls weniger ( -281 Ausbildungsstellen oder -7,5 Prozent) als vor einem Jahr.   
Zurzeit sind noch 914 junge Menschen auf Ausbildungssuche, 238 weniger (-20,7 Prozent) als vor einem Jahr. Dem gegenüber stehen noch 1.366 offene, gemeldete Ausbildungsstellen, 299 mehr (+28,0 Prozent) als im Ausbildungsjahr 2020/21.
Aktuell kommen rein rechnerisch 67 noch nicht versorgte Ausbildungssuchende auf 100 noch nicht besetzte Ausbildungsstellen.

Stellenbestand im fünfstelligen Bereich
Die Arbeits- und Fachkräftenachfrage bewegt sich weiterhin auf einem hohen Niveau. Insgesamt meldeten die Unternehmen im August 2.212 offene Stellen bei der Arbeitsagentur. Das waren in etwa so viele wie im Vormonat (+0,1 Prozent). Insgesamt zogen die Stellenmeldungen im laufenden Jahr sichtbar an: Mit 17.223 Stellenzugängen seit Januar 2022 waren es 31,7 Prozent mehr (oder +4.145 Stellen) als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Auch der aktuelle Bestand offener Stellen ist deutlich höher als vor einem Jahr und liegt mit 10.278 gemeldeten Stellen 42,1 Prozent über dem Bestand des Vorjahres (+3.045 Stellen).Die meisten neuen Stellenzugänge kamen im August aus der Informatik, der kaufm. techn. Betriebswirtschaft, Berufen im Verkauf sowie dem Büro- und Sekretariatsbereich.