Steigende Arbeitslosigkeit in den Sommerferien

Die Arbeitslosenzahl in Frankfurt am Main ist im August während der Ferienzeit angestiegen. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich auf 6,1 Prozent. Der Arbeits- und Fachkräftebedarf ist mit rund 10.340 gemeldeten Stellen weiterhin hoch. 

31.08.2023 | Presseinfo Nr. 56

Die Arbeitslosigkeit in Frankfurt am Main ist im August angestiegen. Insgesamt waren 26.461 Menschen gemeldet, 1.182 mehr als im Juli. Das ist ein Anstieg von 4,7 Prozent.  Die Arbeitslosenquote stieg um 0,3 Prozentpunkte auf 6,1 Prozent und entspricht damit dem Wert von August 2022. Zuvor hatte sie drei Monat in Folge - von Mai bis Juli 2023 - bei 5,8 Prozent gelegen. 


„Der Sommerferien-Effekt auf dem Arbeitsmarkt ist in diesem Jahr aufgrund der späten Ferien in Hessen besonders stark zu spüren, “ erklärt Andrea Sichart, Geschäftsführerin Operativ der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main. „Gründe dafür sind unter anderem, dass Unternehmen in der Ferienzeit in der Regel weniger Neueinstellungen tätigen, junge Menschen, die nach bestandener Ausbildung nicht von Ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen werden, häufig erst nach den Sommerferien in einem neuen Betrieb beginnen, Jugendliche sich nach der Schulzeit vor Eintritt in ihre Ausbildung oder ihr Studium zunächst arbeitslos melden und Weiterbildungsmaßnahmen auslaufen. Obwohl sich die Unternehmen bei ihren Einstellungsaktivitäten zurückhaltender zeigen, hat dies nichts an dem anhaltend großen Bedarf an Arbeits-, Fach- und Nachwuchskräften in der Region geändert. Über 10.300 bei der Agentur für Arbeit gemeldete Arbeitsstellen warten noch auf eine Neubesetzung, rund 1.140 Ausbildungsstellen auf motivierte Berufseinsteigerinnen und -einsteiger. Leider passen Angebot und Nachfrage in vielen Fällen nicht zusammen. Deshalb gilt es, Ausbildungs- und Arbeitsuchenden verstärkt die Entwicklungsmöglichkeiten in den verschiedenen Branchen und Berufen nahezubringen und die Qualifizierungsbereitschaft bei Bewerbenden und Unternehmen weiter zu erhöhen.“ 

Der Anstieg der Arbeitslosenzahl im August zeigt sich bei allen Personengruppen, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Die größte prozentuale Erhöhung gab es bei den unter 25-Jährigen (+14,6 Prozent oder +268 junge Menschen). Der höchste Anstieg an Personen ist bei den Frauen sichtbar (+683 Frauen oder +5,9 Prozent). 

Im Vorjahresvergleich gibt es bei den Männern und den über 50-Jährigen ein Plus, während die Arbeitslosenzahl bei allen anderen Personengruppen inklusive der von Langzeitarbeitslosigkeit betroffenen Menschen unter den Vorjahreswerten liegt. Im August 2023 waren 7.955 Menschen bereits ein Jahr und länger ohne Arbeit, 662 weniger (-7,7 Prozent) als im August 2022. Ihr Anteil an der Gesamtzahl aller Arbeitslosen lag bei 30,1 Prozent. 

Insgesamt fielen 34,1 Prozent der arbeitslos gemeldeten Menschen in der Stadt (9.013 Personen) in den Rechtskreis SGB III (Arbeitslosenversicherung), für den die Agentur für Arbeit verantwortlich ist. 65,9 Prozent, das sind 17.448 Personen, zählten zum Rechtskreis SGB II (Bürgergeld) und werden vom Jobcenter Frankfurt am Main betreut.
Seit Juni 2022 ist das Jobcenter auch für die Betreuung ukrainischer Geflüchteter - überwiegend Frauen ohne deutsche Staatsangehörigkeit - zuständig. Nach vorläufigen Erhebungen waren im August insgesamt 1.136 ukrainische Staatsangehörige in Frankfurt am Main arbeitslos gemeldet. 

Die Zahl der Haushalte und Lebensgemeinschaften, die zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes auf finanzielle Leistungen des Jobcenters angewiesen sind, ist im August leicht, um 0,1 Prozent, angestiegen. Insgesamt wurden nach vorläufigen Berechnungen 33.078 sogenannte Bedarfsgemeinschaften gezählt, 2,0 Prozent weniger (-685 Haushalte) als vor einem Jahr.

 „Auch in der Grundsicherung ist die Arbeitslosenzahl innerhalb der Ferienzeit angestiegen“, sagt Ulli Dvořák, Geschäftsführer des Jobcenters Frankfurt am Main. „Darunter sind Geflüchtete, die ihre Integrationskurse beendet haben und jetzt zunächst wieder als arbeitslos gezählt werden. Je nach Zielberuf werden die bislang erworbenen Sprachkenntnisse nicht immer ausreichen und müssen noch ausgebaut werden, damit eine Vermittlung in den Arbeitsmarkt erfolgen kann. Auch die Zahl der von Langzeitarbeitslosigkeit Betroffenen ist etwas höher als im Juli, bleibt aber weiterhin deutlich niedriger als vor einem Jahr.“

Weiterhin viele freie Stellen

Im August 2023 meldeten Unternehmen 2.562 neue offene Stellen bei der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main. Das waren 16,6 Prozent mehr als im Juli und 15,8 Prozent mehr als im August 2022. Der Stellenzugang seit Jahresbeginn war mit 17.887 höher (+3,9 Prozent) als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Insgesamt waren am aktuellen Stichtag 10.344 offene Stellen bei der Agentur für Arbeit in Frankfurt erfasst.

Die größten Stellenbestände gibt es für Berufe in der Informatik, Berufe der kaufm. techn. Betriebswirtschaft und Berufe im Objekt-, Werte- und Personenschutz.

Die meisten Stellenzugänge kamen im August aus der Informatik, aus Berufen der kaufm. techn. Betriebswirtschaft, für Büro- und Sekretariatskräfte und Berufen im Verkauf.      

Aktuelle Situation auf dem Ausbildungsmarkt

Von Oktober 2022 bis August 2023 haben sich 3.205 ausbildungsinteressierte junge Menschen bei der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main gemeldet. Das waren 217 weniger (-6,3 Prozent) als vor einem Jahr. Im gleichen Zeitraum meldeten Betriebe 2.947 Ausbildungsstellen. Auch das sind bislang weniger (-497 oder -14,4 Prozent) als im August 2022. 

814 Bewerberinnen und Bewerber sind aktuell noch auf der Suche nach einer Ausbildung, 100 weniger (-10,9 Prozent) als vor einem Jahr. Dem gegenüber stehen im August noch 1.139 Ausbildungsstellen, die noch nicht besetzt sind (-227 oder -16,6 Prozent).

Rein rechnerisch kommen auf 100 noch nicht besetzte Berufsausbildungsstellen 71 gemeldete junge Menschen, die noch keine Ausbildungsstelle gefunden haben.