Kein Trendwechsel auf dem Ausbildungsmarkt

Die Arbeitslosenzahl in Frankfurt am Main ist zu Beginn des vierten Jahresquartals etwas angestiegen. Auf dem Ausbildungsmarkt setzte sich der Trend der letzten Jahre weiter fort: Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen und der ausbildungsinteressierten Jugendlichen ging weiter zurück.  

 

02.11.2023 | Presseinfo Nr. 72

Im Oktober waren etwas mehr Menschen in Frankfurt am Main von Arbeitslosigkeit betroffen. Insgesamt waren 25.834 Menschen arbeitslos gemeldet, 105 mehr als im September (+0,4 Prozent) und 797 mehr (+3,2 Prozent) als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich um 0,1 Prozentpunkte auf 6,0 Prozent. 

Das statistische Ausbildungsjahr 2022/2023 endet jeweils am 30. September eines Jahres. Nach aktuellen Erhebungen meldeten sich zwischen 1. Oktober 2022 und 30. September 2023 insgesamt 3.322 Bewerberinnen und Bewerber bei der Agentur für Arbeit Frankfurt. Das waren 192 junge Menschen weniger (-5,5 Prozent) als vor einem Jahr. Im gleichen Zeitraum meldeten die Unternehmen 3.108 Berufsausbildungsstellen. Das waren 465 weniger (-13,0 Prozent) als im Ausbildungsjahr 2021/2022.

388 ausbildungsinteressierte junge Menschen waren zu diesem Zeitpunkt noch auf der Suche, 56 mehr als vor einem Jahr. Gleichzeitig waren 214 Ausbildungsstellenangebote noch nicht besetzt, 79 mehr als Ende September 2021.

„Die Auswirkungen immer neuer internationaler Krisen und Konflikte überschatten zunehmend die wirtschaftliche Stimmung“, erklärt Björn Krienke, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main. „Trotz eines leichten Anstiegs der Arbeitslosigkeit und eines leichten Rückgangs bei den Stellenmeldungen hat der Frankfurter Arbeitsmarkt sich im Oktober als weitgehend stabil erwiesen. Wie sich schon im Jahresverlauf abgezeichnet hat, ist auf dem Ausbildungsmarkt leider kein Trendwechsel eingetreten. Die aktuelle Bilanz zeigt, dass sich wieder weniger ausbildungsinteressierte Jugendliche bei der Agentur für Arbeit gemeldet haben. Noch immer entscheiden sich viele junge Menschen zunächst für den Besuch einer weiterführenden Schule und weniger für eine duale Ausbildung. Diese Entwicklung hatte sich durch die Corona-Pandemie noch weiter verstärkt. Obwohl der Bedarf an Personal und Nachwuchskräften groß ist, haben sich die Betriebe zuletzt ebenfalls bei der Meldung ihrer Ausbildungsangebote zurückgehalten. Ergebnis ist ein leider sehr beunruhigendes Minus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr! Dies zeigt uns, dass unsere gemeinsame Initiative mit den lokalen Netzwerkpartnern HWK Frankfurt-Rhein-Main, IHK Frankfurt am Main und dem Jobcenter nötiger ist denn je: Junge Menschen auf das attraktive Angebot dualer Ausbildungsberufe und Studiengänge aufmerksam zu machen, Betriebe weiter zur Bereitstellung von Ausbildungs- und Studienangeboten zu ermutigen und so aktiv zur Fachkräftesicherung unserer Region beizutragen.“

Als statistischer Beginn des neuen Ausbildungsjahres 2023/2024 stehe der Oktober klar im Zeichen der beruflichen Bildung, ergänzt Krienke: „Ausbildung und duales Studium sind der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit und entscheidende Faktoren für die Zukunftssicherung des Wirtschaftsstandortes Rhein-Main. Berufsberatung und Ausbildungsstellenvermittlung arbeiten nahtlos weiter und vermitteln für das alte wie für das neue Ausbildungsjahr. Wenn erforderlich, unterstützen wir Nachwuchskräfte bis zu ihrem Berufsabschluss und darüber hinaus.“

Der leichte Anstieg der Arbeitslosigkeit seit September ist bei nahezu allen Personengruppen sichtbar. Lediglich bei den jungen unter 25-Jährigen gab es einen Rückgang von 56 Personen (-2,9 Prozent).   
Wie bereits im Vormonat zeigt sich bei den Männern und den ab 50-Jährigen im Vorjahresvergleich ein Anstieg, während die Arbeitslosenzahl bei allen anderen Personengruppen inklusive der von Langzeitarbeitslosigkeit Betroffenen unter den Vorjahreswerten liegt.

7.874 Menschen hatten im Oktober bereits ein Jahr oder länger keine Arbeit. Das waren 31 Personen mehr als im September (+0,4 Prozent) und 477 Menschen weniger als vor einem Jahr (-5,7 Prozent). Ihr Anteil an der Gesamtzahl aller Arbeitslosen lag analog zu September bei 30,5 Prozent. 

Insgesamt gehörten 33,9 Prozent aller arbeitslos gemeldeten Menschen in Frankfurt am Main (8.745 Personen) dem Rechtskreis SGB III (Arbeitslosenversicherung) an, für den die Agentur für Arbeit verantwortlich ist. 66,1 Prozent (17.089 Personen) zählten zum Rechtskreis SGB II (Bürgergeld) und werden durch das Jobcenter Frankfurt am Main betreut.
Seit Juni 2022 betreut das Jobcenter auch ukrainische Geflüchtete - überwiegend Frauen ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Nach vorläufigen Erhebungen waren im Oktober 2023 insgesamt 1.112 ukrainische Staatsangehörige in Frankfurt am Main arbeitslos gemeldet.

Während die Arbeitslosenzahl im Rechtskreis SGB III höher war als im Vorjahresmonat (+1.383 Menschen oder +18,8 Prozent), ist sie im Rechtskreis SGB II im Vorjahresvergleich zurückgegangen (-586 Menschen oder -3,3 Prozent). Die Anzahl der sogenannten Bedarfsgemeinschaften, also Haushalten und Lebensgemeinschaften, die zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes auf finanzielle Leistungen des Jobcenters angewiesen sind, ist ebenfalls zurückgegangen (seit September -237 oder -0,7 Prozent, im Vorjahresvergleich um -1.617 oder -4,8 Prozent). Nach vorläufigen Berechnungen wurden in Frankfurt am Main zuletzt 32.360 Bedarfsgemeinschaften gezählt. 

„Insgesamt sind aktuell weniger Menschen auf finanzielle Leistungen des Bürgergeldes angewiesen als vor einem Jahr. Dies gilt sowohl für von Arbeitslosigkeit Betroffene, als auch für sogenannte Bedarfsgemeinschaften“, sagt Ulli Dvořák, Geschäftsführer des Jobcenters Frankfurt am Main. „Ob in Ausbildung oder in Arbeit, alle Potenziale sind wichtig, um dem bestehenden Arbeits- und Fachkräftebedarf zu begegnen. Besonders vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung müssen wir junge Menschen motivieren und in das Berufsleben integrieren. Des Weiteren werden wir stärker an der beruflichen Integration der Geflüchteten aus der Ukraine und anderen Ländern arbeiten, die ihre Sprachförderung jetzt beenden und nun auch beruflich in Deutschland ankommen möchten.“

Stellenbestand und Zugang etwas zurückgegangen

Mit 9.997 offenen, bei der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main gemeldeten Stellen spricht der aktuelle Stellenbestand weiterhin für einen hohen Personalbedarf der Unternehmen. Während im Oktober weniger neue Stellen gemeldet wurden als im September (-294 oder -12,6 Prozent), waren es etwa genauso viele wie vor einem Jahr (-5 oder -0,2 Prozent).   Die größten Stellenbestände im Oktober gibt es für Berufe in der Informatik, Berufe im Objekt-, Werte- und Personenschutz und Berufe im Verkauf.

Die meisten Stellenzugänge im Oktober kamen aus Berufen der kaufm. techn. Betriebswirtschaft, der Informatik und Berufen in der Lagerwirtschaft.