14.01.2021 | Presseinfo Nr. 3

Jahresrückblick 2020

Nichts hat uns in diesem Jahr so beschäftigt wie die Corona-Krise. Persönliche Kontakte mussten eingeschränkt werden und die andere Kommunikationswege wie Online und Telefonie rückten in den Vordergrund. Wir alle mussten uns umstellen.

Arbeitslosigkeit

Mit einem durchschnittlichen Gesamtbestand von 8.293 ist die Anzahl arbeitsloser Menschen um 8,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. 2019 belief sich die Zahl auf 7.632 Personen.
Die Arbeitslosenquote beträgt 2020 durchschnittlich 5,2 Prozent, im letzten Jahr belief sie sich auf 4,8 Prozent.
In der Betrachtung der letzten 10 Jahre hat sich der Arbeitslosenbestand um ein Vielfaches reduziert. Vor zehn Jahren - im Jahr 2010 - lag die Arbeitslosenzahl bei 18.567. Das waren 10.274 Personen mehr als im Jahr 2020. Das entspricht einem Rückgang von über 55 Prozent. Durch die Corona-Krise ist der mittelsächsische Arbeitsmarkt auf das Jahr 2018 zurückversetzt wurden.

„Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben sich spürbar auf dem mittelsächsischen Arbeitsmarkt ausgewirkt. Die Anzahl der arbeitslos gemeldeten Frauen und Männer ist angestiegen und die Zahl der offenen Stellen ist zurückgegangen. Deshalb ist es gut, dass mittelsächsischen Unternehmen Kurzarbeit nutzen um viele Arbeitsplätze zu sichern. An dieser Stelle möchte ich mich bei den Unternehmen für die Ausdauer bedanken und gleichzeitig appellieren, auch bevorstehende Herausforderungen zu bewältigen. Im März und April erreichten die Kurzarbeiterzahlen einen neuen historischen Höchststand. Bis November meldeten über 4.300 mittelsächsische Betriebe für über 47.000 Menschen Kurzarbeit an. Wir werden auch weiterhin alles tun, dass Unternehmen schnell das Kurzarbeitergeld ausgezahlt bekommen. Die Leistung muss stehen! Das war im Frühjahr wichtig und ist es heute noch immer. Dazu nutzen wir die Potentiale unserer Beschäftigten, indem wir sie stärkenorientiert zum Beispiel bei der Telefonie, der Antragsbearbeitung oder Beratung der Arbeitslosen sowie Unternehmen einsetzen“, konstatiert Susan Heine, Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Freiberg.

Personengruppen

Betrachtet man die Arbeitslosigkeit bei den verschiedenen Personengruppen, ist festzustellen, dass sich die Arbeitslosigkeit unterschiedlich darstellt.

Im Jahr 2020 waren in Mittelsachsen 740 Jugendliche unter 25 Jahren ohne Beschäftigung. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Anstieg um 22,3 Prozent.

Der Großteil der arbeitslos gemeldeten Personen ist über 50 Jahre alt. Insgesamt liegt der Anteil der über 50-Jährigen am Gesamtbestand bei 44 Prozent (3.646 Personen). Bei dieser Altersgruppe liegt im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg von 135 bzw. 3,8 Prozent vor.

Ebenso gibt es mehr arbeitslos gemeldete Frauen. 3.570 Frauen waren im vergangenen Jahr in Mittelsachsen arbeitslos gemeldet, 198 bzw. 5,9 Prozent mehr als im Jahr 2019. Das Verhältnis zwischen Männern und Frauen liegt bei 56,9 zu 43,1 Prozent.

Eine positive Entwicklung ist bei den Langzeitarbeitslosen zu verzeichnen. Im Jahresdurchschnitt waren 3.052 Frauen und Männer länger als ein Jahr arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr verringerte sich die Zahl um 38 bzw. um 1,2 Prozent.

Auch bei den Schwerbehinderten Menschen ist ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Im Vergleich zum Vorjahr verringerte sich die Zahl um 3 auf 566 Frauen und Männer.

Rechtskreise

58,1 Prozent oder 4.818 arbeitslos gemeldete Personen wurden 2020 im Rechtskreis SGB II durch den Träger der Grundsicherung (Jobcenter Mittelsachsen) und 41,9 Prozent oder 3.475 Personen im Rechtskreis SGB III von der Agentur für Arbeit Freiberg betreut.

Liegenschaften

In allen Geschäftsstellen in der Region stieg im Jahr 2020 die Arbeitslosigkeit an. Den stärksten Anstieg mit 0,7 Prozent verzeichnet Döbeln, gefolgt von Rochlitz mit einem Anstieg von 0,6 Prozent.

Die niedrigste Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt verzeichnet die Geschäftsstelle Flöha mit 4,3 Prozent. Gleich danach folgt Rochlitz mit 4,4 Prozent. Hainichen liegt bei 4,9 Prozent, Freiberg bei 5,2 Prozent und Döbeln bei 6,8 Prozent.

Arbeitskräftenachfrage

Im Jahr 2020 wurden der Agentur für Arbeit insgesamt 5.201 Arbeitsstellen gemeldet, das sind 3.499 weniger als 2019. Der Bestand an gemeldeten Stellen belief sich am Ende des Jahres auf 1.815. Gegenüber dem Vorjahr sind das 37,4 Prozent weniger und zeigt deutlich die Auswirkungen der Corona Pandemie und den damit verbundenen Unsicherheiten bei den Unternehmen.

Unterbeschäftigung und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen

In der Unterbeschäftigung werden zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen erfasst, die nicht als arbeitslos im Sinne des Sozialgesetzbuches gelten, weil sie beispielsweise Teilnehmer an einer Maßnahme der Arbeitsförderung sind.

Die Unterbeschäftigungsquote betrug 2020 hoch gerechnet durchschnittlich 6,6 Prozent, im Vorjahr lag sie bei 6,2 Prozent.
Zum Ende des Jahres nahmen 3.270 Personen an einer Maßnahme der Arbeitsmarktpolitik teil (vorläufige Zahl).

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung

Ende Juni 2020 (letzter Stichtag) belief sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Mittelsachsen auf 108.451 Personen, das sind 1.472 weniger als im Vorjahresmonat.

Die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund im Kontext Flucht/Asyl in Beschäftigung und Ausbildung

Im Jahresdurchschnitt 2020 waren 646 arbeitslose Ausländer im Agenturbezirk Freiberg gemeldet, das sind 120 Personen oder 22,8 Prozent mehr als im Jahr 2019.

„Im Wettbewerb um Fachkräfte und Auszubildende dürfen wir die Potenziale von geflüchteten Menschen nicht vernachlässigen. Auch wenn die Berufsabschlüsse formal nicht immer unseren Vorstellungen entsprechen, bringen sie berufliche Kompetenzen und Erfahrungen mit“, erklärt Susan Heine. Nach der Teilnahme an Sprach- bzw. Integrationskursen steht für uns eine zügige Integration in Ausbildung oder Arbeit an erster Stelle. Dafür stehen wir mit unseren Experten sowohl den Flüchtlingen bei der Jobsuche als auch den Arbeitgebern bei Fragen rund um die Beschäftigung eines Asylbewerbers zur Seite.“

Ausblick 2021

„Mittelfristig werden die vor der Krise dominierenden Themen rund um das Thema Fachkräftesicherung wieder in den Vordergrund rücken. Fachkräftesicherung war und ist eines der wichtigsten Themen auf dem Arbeitsmarkt. Um die Herausforderungen zu bewältigen, halten wir passende Angebote für Unternehmen und Beschäftigte vor. Wir müssen die Fähigkeiten und Kompetenzen der Arbeitslosen mehr denn je mit den Anforderungen der Arbeitgeber in Einklang bringen. Digitalisierung und Energiewende - die Arbeitswelt befindet sich nicht nur durch Corona im Wandel. Deshalb setzen wir auch in diesem Jahr wieder auf zielgerichtete Qualifizierungen und Weiterbildungen, um Menschen und Arbeit zusammenzubringen.

Arbeitgeber können durch das „Arbeit-von-morgen-Gesetz“ ab Januar 2021 mit einem Sammelantrag gebündelt und damit leichter den Antrag für berufliche Weiterbildungen von mehreren Beschäftigten stellen. Die Förderleistungen werden dann als eine Gesamtleistung bewilligt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, Menschen, die es schwerer haben ins Berufsleben einzusteigen oder zurückzukommen, den Weg zu erleichtern. Ich denke hier zum Beispiel an Menschen ohne Berufsabschluss oder nach einer beruflichen Auszeit, aber auch an die über 55-Jährigen oder schwerbehinderte Menschen. Gerade den Gedanken der Inklusion behinderter Menschen werden wir auch 2021 unserem Handeln voranstellen. Wir werden alle Chancen nutzen, um Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt zu integrieren und einer größtmöglichen Anzahl an Jugendlichen mit Handicap die Teilhabe an betrieblichen Ausbildungen als Beitrag zur Fachkräftesicherung für die Unternehmen in Mittelsachsen zu ermöglichen.

Für die künftige Fachkräftesicherung in Mittelsachsen ist es wichtig, dass die Betriebe auch weiter auf Ausbildung setzen und wenn möglich, stärker als bisher in unsere zukünftigen Fachkräfte investieren. Corona wird an dem Bedarf gut ausgebildeter Fachkräfte in unserer Region nichts ändern. Das Programm „Ausbildungsplätze sichern“ deckt dabei viele Konstellationen ab und wurde insbesondere für Unternehmen, die in besonderem Maße von Kurzarbeit wegen Corona betroffen waren und sind, beschlossen. Mit Blick auf den Ausbildungsstart 2021 empfehle ich jedem Jugendlichen sich über die Jugendberufsagentur Mittelsachsen mit den Berufsberatern in Verbindung zu setzen um gemeinsam eine passende Ausbildung zu finden. Darüber hinaus unterstützen moderne Online-Angebote die Berufsorientierung und helfen bei der Suche nach dem Wunschberuf.

Die Arbeitsvermittlungsfachkräfte, die Berufsberatung und der gemeinsame Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Freiberg und dem Jobcenter Mittelsachsen berät interessierte gern. Kontaktieren Sie uns telefonisch oder online“, empfiehlt Susan Heine.

„Für eine Prognose zur Entwicklung des Arbeitsmarktes ist es zu früh, aktuell können wir nur den Moment betrachten. Mit der ersten Welle und im ersten Lockdown haben wir viel gelernt. Nun nutzen wir dieses Wissen, um weiter für die Menschen und Unternehmen ein verlässlicher Partner zu sein. Wir setzen unser Personal dort ein, wo es gebraucht wird. Dadurch bleiben wir in der Lage, die Geldleistungen schnell auszuzahlen und die Vermittlung und Beratung sicherzustellen. Hierbei setzen wir weiter auf telefonische und falls erforderlich persönliche Kontakte, ergänzt durch moderne Online-Services“, so Susan Heine abschließend.

Telefonische Erreichbarkeit

Die Servicecenter sind Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr erreichbar.
  • Service-Hotline für Arbeitnehmer: 0800 4 5555 00
  • Service-Hotline für Arbeitgeber: 0800 4 5555 20
  • Service-Hotline für Selbständige: 0800 4 5555 21
Zusätzlich hat die Arbeitsagentur Freiberg eine regionale Servicerufnummer eingerichtet, um auch bei einem erhöhten Anrufaufkommen die Erreichbarkeit sicherzustellen:
  • Agentur für Arbeit Freiberg: 03731 489 100

https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/freiberg/startseite