14.01.2021 | Presseinfo Nr. 2

Der Arbeitsmarkt 2020 in Gelsenkirchen

In Folge der Corona-Virus-Pandemie stieg 2020 in Gelsenkirchen die Zahl arbeitslos gemeldeter Menschen stark an. Doch trotz der negativen Auswirkungen der Pandemie für Arbeitsuchende wurden am Arbeitsmarkt keine neuen Negativrekordwerte erreicht.

In Folge der Corona-Virus-Pandemie stieg 2020 in Gelsenkirchen die Zahl arbeitslos gemeldeter Menschen stark an. Doch trotz der negativen Auswirkungen der Pandemie für Arbeitsuchende wurden am Arbeitsmarkt keine neuen Negativrekordwerte erreicht. Kurzarbeit und umfangreiche Wirtschaftshilfen stabilisierten den Arbeitsmarkt. Das Niveau sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung konnte gehalten werden. Auswirkungen hatte die Pandemie auf die Nachfrage nach Arbeitskräften. Gesucht werden Menschen mit Qualifikationen; für Menschen ohne ausreichende Ausbildung verschärft sich durch die Pandemie die schwierige Situation am Arbeitsmarkt.

Ein starker Anstieg der Arbeitslosigkeit, ein historischer Höchstwert bei der Kurzarbeit – das waren die beiden offensichtlichsten Auswirkungen der Eindämmungsmaßnahmen des öffentlichen und des wirtschaftlichen Lebens, die durch die Ausbreitung der Corona-Virus-Pandemie in Gelsenkirchen notwendig geworden waren. Im Frühjahr, mit Beginn des ersten sogenannten harten Lockdown, stieg die Arbeitslosigkeit an. Im April, einen Monat nach dem Beginn der Einschränkungen, waren 18.381 Menschen arbeitslos gemeldet – 1.419 Personen oder 8,4 Prozent mehr als zum Stichtag einen Monat zuvor, dem 12. März.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Verlauf des Pandemie-Jahres

Die Auswirkungen der Pandemie auf den Arbeitsmarkt lassen sich am einfachsten ermitteln, wenn man die monatlichen Eckwerte des Arbeitsmarktes mit den jeweiligen Monaten im Vorjahr vergleicht. So war der größte Unterschied in der Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen im Oktober erreicht. Mit Herbstbeginn waren in Gelsenkirchen 4.067 Menschen mehr arbeitslos gemeldet als zwölf Monate zuvor. Die Arbeitslosenquote stieg auf 15,6 Prozent und lag damit 3,1 Prozentpunkte über dem Vorjahr.

Mit der für die Jahreszeit üblichen Herbstbelebung kam es zu einer schrittweisen, leichten Erholung am Arbeitsmarkt. Doch trotz des Rückgangs fiel auch im Dezember die Zahl arbeitslos gemeldeter Menschen mit einem Plus von 19 Prozent weiterhin deutlich höher aus als zwölf Monate zuvor.

2020 wurde in Gelsenkirchen kein Negativrekord in der Arbeitslosigkeit erreicht. So waren im Jahresdurchschnitt mit durchschnittlich 19.357 arbeitslosen Personen 2.741 Personen oder 16,5 Prozent mehr arbeitslos gemeldet als 2019. Doch lag die Arbeitslosigkeit damit noch unter dem Wert von 2009, dem Jahr der Finanzkrise. Telefon: 0201 181 4400 www.arbeitsagentur.de Agentur für Arbeit Essen - Regionalpressestelle Ruhr Berliner Platz 10, 45127 Essen

Beschäftigung stabil, doch Frühjahresbelebung blieb aus

Maßgeblich für den Anstieg der Arbeitslosigkeit war 2020 das Ausbleiben der Frühjahresbelebung. In den Monaten von März bis einschließlich Juni nehmen in der Regel mehr Menschen eine Arbeit auf als arbeitslos werden. 2020 war das anders. Viele Unternehmen, zumal wenn sie in Kurzarbeit waren, stellten nicht mehr ein. Das Angebot an offenen Stellen sank deutlich; in einigen Bereichen kam die Nachfrage nach neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nahezu zum Erliegen. Im April meldeten Unternehmen in Gelsenkirchen nur 208 offene Stellen. Damit hatte sich die Nachfrage nach Arbeitskräften im Vergleich zum Vorjahr um fast zwei Drittel reduziert – um 61,8 Prozent oder 337 Stellenangebote.

Die Zahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer blieb hingegen relativ stabil. Zum aktuellen Stichtag Ende Juni 20201 waren am Arbeitsort Gelsenkirchen insgesamt 81.887 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das waren 307 mehr als im Vorjah-resquartal (+0,4 %), aber 719 Personen und damit 0,9 % weniger als im Vorquartal (März 2020).

1 Die Beschäftigungsstatistik wird aus den Arbeitgebermeldungen zur Sozialversicherung gewonnen. Die statis-tische Berichterstattung erfolgt monatlich mit einer Wartezeit von 6 Monaten. Aufgrund der Abgabefristen und des Meldeflusses sind stabile Ergebnisse aus der Beschäftigungsstatistik erst nach dieser Wartezeit zu erzielen.

Kurzarbeit sichert 2020 in Gelsenkirchen Arbeitsplätze

Kurzarbeit sichert Arbeitsplätze und verhindert Arbeitslosigkeit. Schon im März hatte die Politik die Bedingungen für die Inanspruchnahme von Kurzarbeit für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Unternehmen vereinfacht. Das - sowie die Wirtschaftshilfen des Bundes und der Länder - sicherte die Liquidität in den Unternehmen und verhinderte einen stärkeren Anstieg der Arbeitslosigkeit.

Im April war der Höhepunkt der Kurzarbeit erreicht. Rund 15.910 Arbeitsplätze konnten in dem Monat durch Kurzarbeit gesichert werden. Im Februar betrug die Zahl der aus konjunkturellen Gründen ver-kürzt arbeitenden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer noch 214 Personen. Im April stieg sie schlag-artig auf 15.910 Personen. Einen solchen Anstieg der Kurzarbeit hatte es weder in so kurzer Zeit noch in dieser Höhe bisher gegeben. Ein Blick auf die Seite der Unternehmen zeigt, dass im Februar neun Betriebe konjunkturelle Kurzarbeit hatten; im April stieg diese Zahl auf 1.298 Unternehmen an.

Kurzarbeit ist ein zweistufiges arbeitsmarktpolitisches Instrument, das es Unternehmen erlaubt, trotz konjunktureller Engpässe Beschäftigte im Unternehmen zu halten. Die Unternehmen zeigen geplante verkürzte Arbeit an und gehen mit der Auszahlung des Lohnersatzes, des Kurzarbeitergeldes, in Vorleistung. Frühestens nach Ablauf des Monats rechnen Unternehmen und Betriebe das Kurzarbeitergeld mit den Agenturen für Arbeit ab. Die Zahl dieser Abrechnungen wird als realisierte Kurzarbeit wiedergegeben.

Mit dem Beginn des weichen Lockdown im November stieg die Zahl der neuen Anzeigen auf Kurzarbeit wieder stärker. Während im November bei der Agentur für Arbeit Gelsenkirchen noch 2.139 Anzeigen für 31.418 Beschäftigte eingegangen waren, stieg diese Zahl im Dezember auf 2.226 Betriebe mit 36.913 Beschäftigten an. Damit hat das arbeitsmarktpolitische Instrument tausende Arbeitsplätze gesichert und Arbeitslosigkeit in der selben Höhe verhindert.

Nachfrage nach Arbeitskräften ging stark zurück Telefon: 0201 181 4400 www.arbeitsagentur.de Agentur für Arbeit Essen - Regionalpressestelle Ruhr Berliner Platz 10, 45127 Essen

Im Frühjahr brach mit dem Beginn der Eindämmungsmaßnahmen die Arbeitskräftenachfrage deutlich ein. Im April 2020 wurde in Gelsenkirchen mit lediglich 208 Arbeitsstellen der geringste Wert an Neu-meldungen offener Stellen im Jahr 2020 erreicht. In den folgenden Monaten stabilisierte sich die Nachfrage auf 355 Stellen im Dezember.

Im Jahresverlauf 2020 wurden in der Summe 4.780 Arbeitsstellen gemeldet. Dies entspricht gegenüber der Jahressumme 2019 einem Rückgang um 1.138 Stellen oder 19,2 Prozent. Im Jahresdurchschnitt waren 1.604 freie Arbeitsstellen gemeldet. Dies entspricht gegenüber dem Jahresdurchschnitt 2019 einem Rückgang von 527 Stellen oder 24,7 Prozent.

Doch trotz dieses Rückgangs aufgrund der Pandemie-Auswirkungen blieb der Stellenbestand auch 2020 im langjährigen Vergleich weiterhin hoch. Bis zum Jahr 2015 lag die durchschnittliche Stellenanzahl noch unter 1.600.

Qualifikation entscheidet häufig über Entlassung

Weiter gesunken sind die Arbeitsmarktchancen für Menschen ohne ausreichende Qualifikationen. Während der Arbeitsmarkt für Fachkräfte relativ stabil geblieben ist, stieg die Zahl der Menschen ohne berufliche Ausbildung, die sich auf eine Stelle bewarben. Mehr als 50 Arbeitslose kamen 2020 auf eine gemeldete Stelle auf Helferniveau, bei Fachkräften sind es gerade mal 5,4 Personen. Im Falle wirtschaftlicher Schwierigkeiten eines Unternehmens werden Menschen ohne Berufsabschluss häufiger entlassen, während die Wirtschaftsbetriebe eher versuchen, ihre Fachkräfte zu halten.

Unterbeschäftigung stieg geringer als Arbeitslosigkeit

Die Corona-Virus-Pandemie wirkte sich stärker im Bereich der Arbeitslosenversicherung aus - im Bereich des Sozialgesetzbuches III (SGB III), bei den Kundinnen und Kunden der Agenturen für Arbeit. Grund ist, dass Menschen die sich neu arbeitslos melden, häufig durch ihre langjährige Beschäftigung einen Anspruch auf Arbeitslosengeld erworben haben. In der Spitze im Oktober 2020 lag die Arbeitslosigkeit im SGB III um 63,3 Prozent über dem Vorjahreswert. Im Bereich der Grundsicherung – also im Rechtskreis des Sozialgesetzbuches II (SGB II), bei den Kundinnen und Kunden der Jobcenter - wirkten sich vor allem die fehlenden Möglichkeiten der Teilnahme an beruflichen Bildungs- oder Ein-gliederungsprogrammen aus. In der Spitze im Oktober waren hier 16,7 Prozent mehr Menschen arbeitslos gemeldet als im Vorjahr.

Die Unterbeschäftigung erreichte im August mit 26.034 Personen ihre höchste Zahl. Damit stieg die Unterbeschäftigung geringer als die Arbeitslosigkeit. Menschen, die an Weiterbildungs- oder anderen arbeitsmarktpolitischen Programmen teilnehmen, gelten zwar nicht mehr als arbeitslos, aber weiterhin als unterbeschäftigt. Aufgrund der Pandemie waren einige Angebote ausgefallen, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer blieben arbeitslos, wodurch sich die Zahl der Arbeitslosen erhöhte, die Unterbeschäf-tigung aber nicht beeinflusste.

Im Zeitraum von Dezember 2019 bis November 2020 waren durchschnittlich 24.789 Personen unterbeschäftigt. Das waren 1.680 Personen oder 7,3 Prozent mehr als im Jahr 2019. Der Anteil der Arbeitslosen an der Unterbeschäftigung betrug 78,1 Prozent.

Fazit und Ausblick

„Das erste Pandemie-Jahr für den Gelsenkirchener Arbeitsmarkt bedeutete Stress. Doch hätte es schlimmer kommen können", meinen Frank Thiemann, Vorsitzender der Geschäftsführung (Telefon: 0201 181 4400 www.arbeitsagentur.de Agentur für Arbeit Essen - Regionalpressestelle Ruhr Berliner Platz 10, 45127 Essen) der Agentur für Arbeit Gelsenkirchen und Anke Schürmann-Rupp, Geschäftsführerin des Jobcenters Gelsenkirchen. „Ohne das arbeitsmarktpolitische Instrument der Kurzarbeit und der engen Zusammenarbeit der arbeitsmarktpolitischen Netzwerkpartner wäre es nicht denkbar gewesen, dass im Zuge der Herbstbelebung bereits wieder Arbeitslosigkeit abgebaut wird. Durch Kurzarbeit erhalten viele Unternehmen und Betriebe eine Perspektive auf die Zeit nach Corona. Sie hat neben den Wirtschaftshilfen tausende Arbeitsplätze gesichert und Arbeitslo-sigkeit in der selben Höhe verhindert. Eine Prognose für das „Corona-Jahr 2021" kann derzeit keiner geben. Da der zweite Lockdown jedoch nicht in eine Phase der Belebung fällt, dürfte der Effekt nicht so stark werden wie im Frühjahr 2020. Hinzu kommt, dass Unternehmen auch gelernt haben, mit einem Lockdown umzugehen und zu wirtschaften. Wichtig dürfte es sein, dass die Pandemie während der Frühjahresbelebung nicht erneut stark aufflammt und weitere Eindämmungsmaßnahmen dazu führen, dass die Belebung ein zweites Mal seit 2020 ausbleibt."