30.04.2019 | Presseinfo Nr. 21

Ausbilden für die Nachwuchssicherung

Zahl der Arbeitslosen in der Region geht weiter zurück /  Nachfrage nach Arbeitskräften ist ungebrochen hoch / Ausbildung als Königsweg der Fachkräftegewinnung
 

Göttingen. Derzeit sind die monatlichen positiven Meldungen vom Arbeitsmarkt schon eine vertraute Routine. Und so überrascht der von der Agentur für Arbeit Göttingen verkündete erneute Rückgang der Arbeitslosigkeit in Südniedersachsen kaum. Dennoch ist es eine Erwähnung wert, dass mit 5,3% die niedrigste Arbeitslosenquote für April seit 30 Jahren zu Buche schlägt. Gegenüber dem Vorjahreswert bedeutet dies immerhin einen Rückgang von 0,5 Prozentpunkten.

Konkret waren im April 12.815 Menschen im Agenturbezirk Göttingen arbeitslos gemeldet, 289 bzw. 2,2% weniger als im März und 1.020 bzw. 7,4% weniger als vor Jahresfrist. Verantwortlich für diese positive Entwicklung ist neben der ungebrochen hohen Nachfrage nach Arbeitskräften auch die Förderintensität von Agentur für Arbeit und Jobcentern. Denn die vorhandenen finanziellen Mittel werden insbesondere dafür eingesetzt, die beruflichen Qualifikationen und somit die Integrationschancen der Arbeitsuchenden zu verbessern. Im April nahmen 3.249 Menschen die unterschiedlichen Maßnahmeangebote der Jobcenter, der Arbeitsagentur oder Dritter, wie etwa Integrationskurse des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, wahr.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist weiterhin hoch. Im April meldeten Wirtschaft und Verwaltung 1.313 Stellen bei der Arbeitsagentur, 74 mehr als vor Jahresfrist. Bedarf besteht in nahezu allen Branchen und Berufen. Da dieser Bedarf sich jedoch zunehmend schwerer decken lässt, rückt für Klaus-Dieter Gläser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Göttingen, das Thema Ausbildung zunehmend in den Fokus. „Es gibt auf dem Markt in vielen Berufen kaum noch verfügbare Fachkräfte. Es wird perspektivisch immer schwieriger werden, ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. Gerade für kleine und mittlere Betriebe ist die Ausbildung ein vielversprechender Ansatz. Denn idealerweise kann in dieser frühen Phase des Berufslebens schon eine langfristige Mitarbeiterbindung entstehen.“

Natürlich wisse er, so der Arbeitsmarktexperte, um die Konkurrenz von Ausbildung und Studium und auch um die Herausforderung kleinerer Unternehmen, überhaupt Bewerbungen zu erhalten. Und nicht immer könnten die Ausbildungsinteressierten auf Anhieb überzeugen. „Aber wir können es uns längst nicht mehr leisten, auf motivierte Nachwuchskräfte zu verzichten, auch wenn der eine oder die andere einen höheren Unterstützungsbedarf hat. Im Rahmen ihrer Fördermöglichkeiten unterstützen Jobcenter und Arbeitsagentur die Betriebe, zum Beispiel mit ausbildungsbegleitenden Hilfen. Das ist eine Art Nachhilfe in Theorie und Praxis, in der im Bedarfsfall auch Sprachunterricht und sozialpädagogische Unterstützung angeboten wird.“

Dass auch die Betriebe um die Chancen der Ausbildung im eigenen Unternehmen wissen, zeigt der Anstieg der gemeldeten Ausbildungsstellen. Seit Oktober wurden 2.674 Ausbildungsstellen bei der Arbeitsagentur gemeldet, 210 mehr als im Vorjahreszeitraum (8,5%). Knapp 1.600 Stellen waren im April noch nicht besetzt.

Demgegenüber ist die Zahl der Ausbildungsplatzbewerber weiter zurückgegangen. Seit Oktober meldeten sich 1.975 Lehrstelleninteressierte bei der Arbeitsagentur und dem Jobcenter, 193 weniger (8,9%) als 2018. Davon warteten im zurückliegenden Monat noch knapp 1.000 Ausbildungsuchende auf die Zusage eines Betriebes. Die Chancen für Lehrstellenbewerber sind weiterhin ausgesprochen gut, denn statistisch kommen auf einen unversorgten Bewerber 1,6 unbesetzte Ausbildungsstellen.

Unterbeschäftigung

Ergänzend zur gesetzlich definierten Arbeitslosenzahl veröffentlicht die Agentur für Arbeit Angaben zur Unterbeschäftigung. Dazu zählen zusätzlich zu den Arbeitslosen solche Personen, die nicht als arbeitslos gelten, die aber z.B. im Rahmen von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gefördert werden. Die Unterbeschäftigung betrug nach vorläufigen Angaben im April 17.754. Damit sank der Wert um 528 bzw. 2,9% im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Entwicklung in den Landkreisen des Arbeitsagenturbezirkes Göttingen

Der Rückgang der Arbeitslosenzahlen bildet sich in den Werten beider zum Agenturbezirk Göttingen zählenden Landkreise ab. In den Landkreisen Northeim und Göttingen sank die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat leicht. Gegenüber April 2018 war der Rückgang hingegen deutlicher zu spüren.

Im Landkreis Göttingen waren im April 9.261 Menschen arbeitslos gemeldet, 201 bzw. 2,1% weniger als im März. Gegenüber dem Vorjahresmonat sank die Zahl um 663 bzw. 6,7%. Die aktuelle Arbeitslosenquote beträgt 5,4% und liegt damit 0,5 Prozentpunkte unter dem April-Wert 2018.

Im Landkreis Northeim sank die Arbeitslosenquote um 0,6 Prozentpunkte binnen Jahresfrist auf 5,0%. Im zurückliegenden Monat waren 3.554 Menschen arbeitslos gemeldet, 88 bzw. 2,4% weniger als im Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sank die Zahl um 357 (9,1%).