31.07.2019 | Presseinfo Nr. 44

Ferienstimmung auf dem Arbeitsmarkt


Saisonaler Anstieg der Arbeitslosigkeit in Südniedersachsen / Nachfrage weiterhin auf hohem Niveau / Trotz bevorstehenden Starts der ersten Ausbildungen bietet der Markt noch vielfältige Chancen

Göttingen. Mit dem üblichen saisonalen Anstieg der Arbeitslosenzahl geht der Juli im Bezirk der Agentur für Arbeit Göttingen zu Ende. Gegenüber Juni waren 440 Menschen mehr auf Arbeitsuche (+3,5%), die Zahl stieg auf insgesamt 12.968 Arbeitslose. Die gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hält nichtsdestotrotz an, wie der Blick auf die Juli-Werte 2018 bestätigt. Denn gegenüber dem Vorjahresmonat sank die Zahl der Arbeitslosen um 853 (6,2%). Die Arbeitslosenquote beträgt derzeit 5,3% und liegt damit 0,4 Prozentpunkte unter dem Juli-Ergebnis 2018.

Klaus-Dieter Gläser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Göttingen, sieht für den Anstieg der Arbeitslosenzahlen im Juli insbesondere saisonale Gründe: „Zum einen endet im Juni und Juli der große Teil der schulischen und außerbetrieblichen Ausbildungen. Die Absolventinnen und Absolventen, die nicht nahtlos in ein Arbeitsverhältnis wechseln, melden sich dann bei der Arbeitsagentur oder den Jobcentern arbeitslos.“ Entsprechend stieg die Zahl junger Arbeitsloser unter 25 Jahren im Juli um 235 bzw. 18,3% auf insgesamt 1.521.  „Allerdings wird der Großteil dieser jungen Fachkräfte schon bald den ersten Arbeitsvertrag unterschreiben, denn viele Betriebe suchen dringend gut ausgebildetes Personal“, ist sich der Arbeitsmarktexperte sicher.

Zum anderen endeten, so der Agenturchef weiter, mit Beginn der Haupturlaubszeit viele befristete Arbeitsverträge. Und Neueinstellungen würden vielfach erst nach den Sommerferien realisiert. Auch dies führe regelmäßig zu höheren Arbeitslosenzahlen im Juli.

Trotz eines leichten Rückgangs der gemeldeten Arbeitsstellen bewegt sich die Nachfrage nach Personal weiterhin auf hohem Niveau. Im Juli gaben Wirtschaft und Verwaltung 1.314 neue Stellenanzeigen bei der Agentur für Arbeit auf, 14 weniger als im Juni und 115 weniger als vor Jahresfrist.

Der Bestand offener Stellen ist im Vergleich zum Vormonat weiter gestiegen: Im Juli waren 4.674 Personalgesuche bei der Arbeitsagentur gemeldet. Das Angebot lag damit 107 Stellen über dem Juni- und 72 Offerten über dem Juli-Wert 2018.

Unterbeschäftigung

Ergänzend zur gesetzlich definierten Arbeitslosenzahl veröffentlicht die Agentur für Arbeit Angaben zur Unterbeschäftigung. Dazu zählen zusätzlich zu den Arbeitslosen solche Personen, die nicht als arbeitslos gelten, die aber z.B. im Rahmen von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gefördert werden. Die Unterbeschäftigung betrug nach vorläufigen Angaben im Juli 17.992. Damit sank der Wert um 94 bzw. 0,5% im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Ausbildungsmarkt

Wenn am Donnerstag die ersten Auszubildenden des Jahrgangs 2019 in ihre Betriebe einziehen, ist auf dem Lehrstellenmarkt noch vieles in Bewegung. Im Juli waren in Südniedersachsen noch 1.039 Ausbildungsstellen nicht abschließend besetzt, 527 Ausbildungsplatzbewerber hofften weiterhin auf die Zusage eines Betriebes.

Insgesamt sind noch in zahlreichen Berufen Ausbildungsangebote offen. Besonders gut sind die Chancen für Ausbildungsinteressierte in den Hotel- und Gastronomieberufen, im Einzelhandel und für angehende Medizinische wie Zahnmedizinische Fachangestellte. Aber auch im Handwerk gibt es noch viele offene Ausbildungsstellen: für Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk – Bäckerei sowie Fleischerei, Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizungs-, Klimatechnik, Maler- und Lackierer sowie Elektroniker. Allerdings hoffen auch andere Handwerksberufe noch auf Nachwuchskräfte.

Ausbildungsplatzbewerber ohne konkrete Perspektive sollten sich, so Agenturchef Gläser, schnellstmöglich bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur melden. „Das geht am besten über unsere offene Feriensprechstunde in Göttingen, die wir zum letzten Mal am 6. August von 9:00 bis 12:00 Uhr im Berufsinformationszentrum der Göttinger Arbeitsagentur anbieten. Selbst wenn es mit einem Ausbildungsplatz nicht mehr klappen sollte, haben wir Unterstützungsangebote, damit es im nächsten Jahr mit dem Ausbildungsstart klappt.“

Mit Blick auf das nächste Jahr prophezeit Gläser einen noch stärkeren Wettbewerb um Nachwuchskräfte. Denn 2020 werden in Niedersachsen aufgrund der Umstellung von der acht- auf die neunjährige Gymnasialzeit keine Bewerberinnen und Bewerber mit Hochschulreife die Gymnasien verlassen.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den Landkreisen Göttingen und Northeim

Sowohl im Landkreis Göttingen als auch im Landkreis Northeim stieg die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Juni an. In beiden Landkreisen sank allerdings die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Im Landkreis Northeim waren im Juli 3.653 Menschen bei der Arbeitsagentur und dem Jobcenter arbeitslos gemeldet, 123 (3,5%) mehr als im Juni. Gegenüber dem Vorjahresmonat sank die Zahl der Jobsuchenden allerdings um 215 (5,6%). Die aktuelle Arbeitslosenquote im Landkreis Northeim liegt bei 5,2% und damit 0,3 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert.

Im Landkreis Göttingen sank die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Juli 2018 um 0,4 Prozentpunkte auf 5,4%. Hier waren im zurückliegenden Monat 9.315 Menschen arbeitslos, 317 (3,5%) mehr als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahresmonat waren allerdings 638 Menschen weniger arbeitslos (6,4%).