30.04.2020 | Presseinfo Nr. 25

Corona-Krise ist auch auf dem Arbeitsmarkt zu spüren

Deutlicher Anstieg der Arbeitslosenzahlen / Nachfrage nach Arbeitskräften sinkt um fast 50% / Zahlreiche Unternehmen der Region haben Kurzarbeit angezeigt
 

Göttingen. Auch vor dem Arbeitsmarkt macht die Corona-Krise nicht halt. Der April endete mit einem erwarteten deutlichen Anstieg der Arbeitslosenzahlen in der Region. Wie die Agentur für Arbeit Göttingen berichtet, waren im April 14.503 Menschen in Südniedersachsen arbeitslos, 1.626 mehr (12,6%) als im März. Gegenüber dem Vorjahresmonat stieg der Wert um 13,2% bzw. 1.688. Die aktuelle Arbeitslosenquote liegt bei 6,0%, 0,7 Prozentpunkte über dem jeweiligen Wert vom März und April 2019.

Klaus-Dieter Gläser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Göttingen, erläutert die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt folgendermaßen: „Trotz vorsichtiger Lockerungen, beispielsweise für den Einzelhandel, kann in vielen Betrieben noch nicht wieder oder vorerst nur eingeschränkt gearbeitet werden. Für viele Arbeitgeber ist das Instrument der Kurzarbeit eine wirklich gute Möglichkeit, ihr eingearbeitetes Personal zu halten. Rund 4.000 Betriebe aus den Landkreisen Göttingen und Northeim haben seit Beginn der Corona-Krise angezeigt, dass sie voraussichtlich kurzarbeiten werden. Nach ersten Angaben könnten bisher rund 49.000 Beschäftigte von Kurzarbeit betroffen sein.“ In welchem Umfang Beschäftigte letztlich tatsächlich in Kurzarbeit geschickt werden, dafür gibt es, so Gläser, erst in ein paar Monaten Zahlen, da die Betriebe drei Monate Zeit haben, ihre Abrechnungen bei der Agentur für Arbeit einzureichen.

Ursachen für den Anstieg der Arbeitslosigkeit

Nach wie vor bestehende Einschränkungen im Zusammenhang mit der Pandemie und eine nachlassende Konjunktur führen dazu, dass sich geplante Wiedereinstellungen oder Stellenneubesetzungen verzögern. Somit können weniger Menschen eine neue Beschäftigung aufnehmen. „Die Unternehmen sind außerdem bei ihrer Personalplanung momentan eher zurückhaltend. Die Nachfrage ist um rund 50 Prozent zurückgegangen, so dass weniger als 700 neue Stellenangebote im April bei der Arbeitsagentur gemeldet wurden. Und dort, wo Kurzarbeit nicht greift oder sich bereits jetzt die wirtschaftlichen Perspektiven deutlich eingetrübt haben, hat es eben leider auch schon Entlassungen gegeben.“

Abschließend führt Gläser im Kontext des Anstiegs der Arbeitslosenzahlen noch einen weiteren Punkt an: „Bildungsträger können ihre Weiterbildungen derzeit nicht im Präsenzunterricht vermitteln, daher haben Arbeitsagentur und Jobcenter momentan auch weniger Möglichkeiten, Menschen auf Arbeitsuche mit Qualifizierungs- und Coaching-angeboten zu unterstützen. Denn nicht alle Angebote können online umgesetzt werden. Und der Einsatz arbeitsmarktpolitischer Instrumente, wie beispielsweise die Förderung von beruflicher Weiterbildung, hat eben auch Auswirkungen auf die Zahl der Arbeitslosen.“

Was der Agenturchef allgemein erläutert, liest sich konkret wie folgt: Im zurückliegenden Monat haben insgesamt 1.503 Menschen ihren Arbeitsplatz verloren oder ihre Selbständigkeit aufgegeben, 688 Menschen haben eine neue Beschäftigung aufgenommen. Gegenüber April 2019 stieg die Zahl derjenigen, die nach Erwerbstätigkeit arbeitslos wurden um 429, während gleichzeitig die Zahl derjenigen um 434 sank, die einen neuen Arbeitsplatz antreten konnten. Und da im April nur wenige Arbeitsuchende eine berufliche Weiterbildung oder eine unterstützende Maßnahme beginnen konnten, sank auch hier die Zahl der Teilnehmenden im Vergleich zum Vorjahresmonat um 320 auf 2.880.

Was die Nachfrage nach Arbeitskräften betrifft, so wurden im zurückliegenden Monat lediglich 675 Arbeitsstellen bei der Agentur für Arbeit Göttingen neu gemeldet, 638 weniger als im Vorjahresmonat.

Unterbeschäftigung

Ergänzend zur gesetzlich definierten Arbeitslosenzahl veröffentlicht die Agentur für Arbeit Angaben zur Unterbeschäftigung. Dabei zählen zusätzlich zu den Arbeitslosen solche Personen, die nicht als arbeitslos gelten, die aber z.B. im Rahmen von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gefördert werden.

Die Unterbeschäftigung betrug nach vorläufigen Angaben im April 18.941. Der Wert stieg damit um 1.238 bzw. 7,0% im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Kurzarbeit

Menschen in Kurzarbeit werden weder in der Arbeitslosenstatistik erfasst, da sie grundsätzlich in Beschäftigung stehen, noch werden sie in der Unterbeschäftigung abgebildet, da endgültige Zahlen erst einige Monate später verfügbar sind. Kurzarbeit dient dazu, dass Beschäftigte in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ihren Arbeitsplatz nicht verlieren. Im April zeigten nach vorläufigen Daten 3.497 weitere Betriebe für 40.741 Beschäftigte konjunkturelle Kurzarbeit an. Die Zahl stieg seit Beginn der Corona Krise somit auf insgesamt 4.047 Betriebe. Die Anzeigen umfassen insgesamt 48.677 Arbeitnehmer.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den Landkreisen

Die Landkreise Northeim und Göttingen, deren Gebiet der Bezirk der Agentur für Arbeit Göttingen umfasst, waren im zurückliegenden Monat gleichermaßen von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen. In beiden Landkreisen stieg die Zahl der Arbeitslosen sowohl im Vergleich zum Vormonat, als auch zum April 2019 deutlich an.

So kletterte die Arbeitslosenquote im Landkreis Northeim gegenüber dem Vorjahresmonat um 0,8 Prozentpunkte auf 5,8%. 4.054 Menschen waren im Landkreis arbeitslos gemeldet, 555 (15,9%) mehr als im März und 500 (14,1%) mehr als im Vorjahresmonat.

Im Landkreis Göttingen stieg die Arbeitslosenquote auf 6,1%, was gegenüber dem Vorjahresmonat ein Plus von 0,7 Prozentpunkten bedeutet. Im April waren hier 10.449 Menschen arbeitslos, 1.071 (11,4%) mehr als im März. Gegenüber dem Vorjahresmonat stieg die Zahl der Arbeitslosen um 12,8% bzw. 1.188.