03.06.2020 | Presseinfo Nr. 29

Weiterer Anstieg der Arbeitslosigkeit in Südniedersachsen

Arbeitslosigkeit steigt besonders im Bereich der Arbeitslosenversicherung / Nachfrage nach Arbeitskräften zieht wieder an / Im Mai rund 280 neue Anzeigen auf Kurzarbeit / Ausbildungsmarkt bietet noch zahlreichen Chancen

Göttingen. Die Zahl der Arbeitslosen ist in Südniedersachsen erwartungsgemäß das zweite Mal in Folge gestiegen. Dieser Anstieg ist eine Folge der Corona - Krise, die sich seit April auch in den Daten des Arbeitsmarktes wiederspiegelt. Im Mai waren im Agenturbezirk Göttingen 15.300 Menschen arbeitslos gemeldet, 797 bzw. 5,5% mehr als im April. Sehr viel deutlicher fällt der Vergleich zum Vorjahresmonat aus, in dem 2.446 Arbeitslose (19%) weniger gezählt wurden.

Anstieg trifft insbesondere Bereich der Arbeitslosenversicherung

Besonders stark gestiegen ist die Arbeitslosigkeit im Bereich der Arbeitslosenversicherung, der von der Agentur für Arbeit verantwortet wird. Die Zahl der Arbeitslosen stieg hier gegenüber dem Vorjahresmonat um 1.782 bzw. 44,1 %. Demgegenüber verzeichneten die Jobcenter der Region lediglich einen Anstieg um 7,5% bzw. 664 Arbeitslose.

Im Mai wurden insgesamt 5.824 Arbeitslose von der Agentur für Arbeit Göttingen und 9.476 von den Jobcentern der Region betreut.

Klaus-Dieter Gläser, Chef der Agentur für Arbeit Göttingen, erklärt diese Entwicklung wie folgt: „Der Bereich der Arbeitslosenversicherung bekommt konjunkturelle Schwankungen zuerst zu spüren. Denn wenn Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren, haben sie meist Anspruch auf Arbeitslosengeld und werden von der Agentur für Arbeit betreut. Wir haben normalerweise hohe Bewegungszahlen im Bestand, das heißt viele Menschen melden sich nach ihrem Arbeitsplatzverlust, und viele Arbeitslose können zeitnah einen neuen Arbeitsplatz finden. Unsere Zahlen wachsen jetzt quasi von zwei Seiten: wir haben einerseits einen steigenden Zugang, andererseits finden aktuell jedoch weniger Menschen einen neuen Arbeitsplatz, so dass die Abgänge in Arbeit fehlen.“

Allerdings scheint der Tiefpunkt auf der Nachfrageseite des Arbeitsmarktes überwunden zu sein. Während im April lediglich 675 neue Stellen gemeldet wurden, konnte die Agentur für Arbeit im Mai immerhin 1.118 neue Angebote aufnehmen, was einem Plus gegenüber dem Vormonat von 443 Stellen entspricht. Der Wert liegt damit annähernd auf dem Niveau der neu gemeldeten Stellen aus dem Vorjahresmonat. 

Kurzarbeit

Im Mai reichten nach vorläufigen Daten 279 Betriebe Anzeigen auf Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit ein. In den Anzeigen wurden 2.965 Arbeitnehmer gemeldet.

Aussagen, wie viele Menschen letztlich von Kurzarbeit betroffen sind, lassen sich erst in einigen Monaten treffen, wenn endgültige Zahlen für die tatsächliche Inanspruchnahme vorliegen. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Zahl der in den Monaten März und April in den Anzeigen auf Kurzarbeit genannten Beschäftigten die Obergrenze darstellen dürfte. Denn in einigen Wirtschaftsbereichen konnte Kurzarbeit zwischenzeitlich entweder ganz beendet oder aber zumindest ein Teil der Arbeitnehmer wieder eingesetzt werden.

Besonders stark war das Aufkommen an Anzeigen auf Kurzarbeit im Bereich Handel, im Gesundheitswesen, im Gastgewerbe sowie im Verarbeitenden Gewerbe. Die höchste Zahl von Personen in Anzeigen entfällt auf das Verarbeitende Gewerbe. 

Menschen in Kurzarbeit werden weder in der Arbeitslosenstatistik erfasst, da sie grundsätzlich in Beschäftigung stehen, noch werden sie in der Unterbeschäftigung abgebildet, da endgültige Zahlen erst einige Monate später verfügbar sind. Kurzarbeit dient dazu, dass Beschäftigte in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ihren Arbeitsplatz nicht verlieren.

Unterbeschäftigung

Ergänzend zur gesetzlich definierten Arbeitslosenzahl veröffentlicht die Agentur für Arbeit Angaben zur Unterbeschäftigung. Dabei zählen zusätzlich zu den Arbeitslosen solche Personen, die nicht als arbeitslos gelten, die aber z.B. im Rahmen von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gefördert werden.

Die Unterbeschäftigung betrug nach vorläufigen Angaben im Mai 19.386. Der Wert stieg damit um 1.761 bzw. 10,0% im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Ausbildungsmarkt

Auf dem Ausbildungsmarkt ist noch Vieles möglich. Von den ursprünglich 2.553 gemeldeten Ausbildungsstellen waren im Mai noch 1.398 nicht abschließend besetzt. Und von den insgesamt 1.804 Ausbildungsbewerbern, die seit Oktober mit Unterstützung der Jobcenter und der Arbeitsagentur einen Ausbildungsplatz suchen, hoffen 938 noch auf eine Zusage. „Der Ausbildungsmarkt ist weiterhin in Bewegung. Viele Bewerbungsgespräche haben sich verzögert, so dass noch keine Entscheidungen getroffen wurden“, erläutert Agenturchef Gläser. Es gebe noch in nahezu allen Branchen und Berufen offene Ausbildungsstellen. Nur vereinzelt hätten Betriebe bisher ihre Ausbildungsangebote zurückgezogen. „Die Betriebe haben in den letzten Jahren zu spüren bekommen, wie schwierig die Gewinnung von Fachkräften ist und wollen, wenn irgend möglich, weiterhin ihren Nachwuchs ausbilden.“

Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den Landkreisen

In den beiden zum Agenturbezirk Göttingen gehörenden Landkreisen Göttingen und Northeim stieg die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Mai 2019 um einen Prozentpunkt. Damit liegt sie im Landkreis Göttingen bei 6,4%, im Landkreis Northeim bei 6,1%.

Im Mai stieg im Landkreis Göttingen die Zahl der Arbeitslosen gegenüber April um 553 (5,3%) auf insgesamt 11.002. Gegenüber dem Vorjahresmonat waren 1.730 Menschen mehr arbeitslos, was einem Anstieg von 18,7% entspricht.

Auch im Landkreis Northeim machte sich die Corona-Krise auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Im zurückliegenden Monat waren insgesamt 4.298 Menschen arbeitslos, 244 (6%) mehr als im April. Im Vergleich zum Mai 2019 waren 716 Menschen mehr ohne Arbeit, was einen Anstieg von 20% bedeutet.