29.04.2021 | Presseinfo Nr. 15

Arbeitsmarkt zeigt sich nach einem Jahr Pandemie stabil

Zahl der Arbeitslosen saisonbedingt leicht rückläufig / Stellenzugang im zurückliegenden Monat verhalten / Noch viele Chancen auf dem Ausbildungsmarkt
 

Göttingen. Der Arbeitsmarkt in Südniedersachsen präsentiert sich ein Jahr nach den ersten spürbaren Auswirkungen der Corona-Pandemie relativ stabil. Nach dem deutlichen Anstieg der Arbeitslosenzahlen im Zusammenhang mit der Corona-Krise, insbesondere in den Monaten April und Mai des Vorjahres, folgt die Entwicklung mittlerweile wieder dem zu erwartenden saisonalen Verlauf. Der Rückgang der Arbeitslosenzahlen von März auf April ist in diesem Rahmen üblich, denn beispielsweise werden spätestens im April Arbeitskräfte in den Außenberufen wieder eingestellt, die im Winter witterungsbedingt entlassen wurden. Konkret sank die Zahl der Arbeitslosen im Bezirk der Agentur für Arbeit Göttingen gegenüber dem Vormonat um 249 bzw. 1,7% auf 14.360.

Erstmals seit Beginn der Pandemie werden mit den Aprilzahlen die Werte des Vorjahresmonats wieder unterschritten: Im Vergleich zum April 2020 sank die Zahl der Arbeitslosen um 143 bzw. 1,0%. Im Vergleich zum Vorjahresmonat fällt in Folge der Pandemie allerdings ein Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit um 27,1% auf. Damit waren im zurückliegenden Monat 6.652 Menschen länger als ein Jahr arbeitslos.

Klaus Voelcker, Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit Göttingen, ordnet die Zahlen vom Arbeitsmarkt wie folgt ein: „Bei der Betrachtung der Arbeitsmarktdaten gibt es immer zwei zeitliche Aspekte. Wenn es um längerfristige Entwicklungen geht, ist der Blick auf die Zahlen des entsprechenden Vorjahresmonats maßgeblich. Denn hier lässt sich die Entwicklung der letzten zwölf Monate ablesen. Demgegenüber bildet der Vergleich zum Vormonat oft kurzfristige saisonale Effekte ab. Allerdings ist in der aktuellen Situation der Blick auf den April 2020 etwas trügerisch, da sich hier bereits die ersten Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Lockdowns abzeichneten. Daher ist es zur Einordnung der Entwicklung sehr interessant, auch die Zahlen aus dem März 2020 heranzuziehen. So zeigt der direkte Vergleich, dass sich die Zahl der Arbeitslosen in der Pandemiezeit um rund 1.500 erhöht hat.“

Gemeldete Nachfrage

Auf der Seite der Stellenangebote gab es – im saisonalen Verlauf nicht untypisch – einen leichten Rückgang der gemeldeten Arbeitsofferten. Gegenüber März gingen im zurückliegenden Monat 93 Stellenangebote weniger bei der Agentur für Arbeit ein (-8,6%). Der Vergleich zum Vorjahresmonat weist ein Plus von 46,2% auf (312 Stellenangebote), was jedoch eine relativ geringe Aussagekraft hat. War im Monat nach dem Lockdown die Nachfrage nach Arbeitskräften massiv eingebrochen, hat sich inzwischen der gemeldete Personalbedarf wieder stabilisiert, wenn auch auf einem niedrigeren Niveau als vor der Corona-Krise. Im April wurden insgesamt 987 Stellenangebote gemeldet, 938 davon waren sozialversicherungspflichtig. Der Bestand an offenen Stellen hat mit aktuell 4.578 Arbeitsangeboten in Südniedersachsen inzwischen längst wieder das Niveau der Vor-Corona-Zeit erreicht. Besonders hoher Bedarf wird aus der Zeitarbeitsbranche, dem Gesundheits- und Pflegebereich sowie dem Handel gemeldet.

Unterbeschäftigung

Ergänzend zur gesetzlich definierten Arbeitslosenzahl veröffentlicht die Agentur für Arbeit Angaben zur Unterbeschäftigung. Dazu zählen zusätzlich zu den Arbeitslosen solche Personen, die nicht als arbeitslos gelten, die aber z.B. im Rahmen von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gefördert werden. Die Unterbeschäftigung betrug nach vorläufigen Angaben im April 18.606. Damit sank der Wert um 218 bzw. 1,2% im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Konjunkturelle Kurzarbeit

Endgültige Werte für die realisierte Kurzarbeit im Agenturbezirk liegen mittlerweile für den Monat Oktober vor. Danach haben im Agenturbezirk Göttingen im Oktober 1.286 Betriebe von konjunktureller Kurzarbeit Gebrauch gemacht. Von dieser beschäftigungssichernden Förderung profitierten 9.641 Beschäftigte.

Im Rahmen des zweiten Lockdowns sind von Unternehmen erwartungsgemäß wieder mehr Anzeigen auf geplante Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit eingegangen, so dass die Zahlen für die Inanspruchnahme von Kurzarbeit spätestens ab November wieder merklich steigen dürften.

Ausbildungsmarkt

Auf dem Ausbildungsmarkt gibt es weiterhin zahlreiche Lehrstellen, die interessierten Nachwuchskräften offen stehen. Insgesamt meldeten Wirtschaft und Verwaltung für den Ausbildungsbeginn August / September 2021 2.385 betriebliche Ausbildungsstellen und duale Studienangebote, rund 150 davon gingen im zurückliegenden Monat ein. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum wurden bisher 109 Ausbildungsstellen weniger gemeldet (-4,4%). Derzeit sind noch 1.411 Ausbildungsstellen unbesetzt.

Auf Bewerberseite meldeten sich seit Oktober 1.735 Ausbildungsinteressierte bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit und den Jobcentern der Region, um mit ihrer Unterstützung einen Ausbildungsplatz zu finden. Die Bewerberzahl liegt damit auf dem Niveau des Vorjahres. Aktuell suchen noch 916 jungen Menschen einen Ausbildungsplatz oder ein duales Studium.

Entwicklung in den Landkreisen des Arbeitsagenturbezirkes Göttingen

In den beiden Landkreisen Göttingen und Northeim, die zum Agenturbezirk Göttingen zählen, sank die Arbeitslosigkeit sowohl gegenüber März als im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Im Landkreis Northeim beträgt die Arbeitslosenquote für den Monat April 5,7% und ist damit gegenüber dem Vorjahresmonat um 0,1 Prozentpunkte gesunken. Insgesamt waren im Landkreis im zurückliegenden Monat 4.005 Menschen arbeitslos gemeldet, 107 weniger als im März (-2,6%), und 49 weniger als vor Jahresfrist (-1,2%).

Die Arbeitslosenquote im Landkreis Göttingen ist im Vergleich zum Vorjahresmonat ebenfalls um 0,1 Prozentpunkte gesunken und liegt nun bei 6,0%. Im zurückliegenden Monat waren hier 10.355 Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen. Gegenüber dem Vormonat sank die Zahl der Arbeitslosen um 142 bzw. 1,4%. Im Vergleich zum März 2020 war ein Rückgang um 0,9% (94 Arbeitslose) zu vermerken.