01.07.2021 | Presseinfo Nr. 27

Die Nachfrage zieht spürbar an

Leichter Rückgang der Arbeitslosigkeit / Die Nachfrage nach Arbeitskräften zieht spürbar an - besonders gefragt sind Fachkräfte / Die Chancen auf einen Berufsstart 2021 sind gut! Agentur für Arbeit wirbt mit Partnern für den Ausbildungsstart in diesem Jahr.

Göttingen. Gute Nachrichten kommen auch im Juni vom südniedersächsischen Arbeitsmarkt: „Wenn uns die Pandemie nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht, könnte sich in den nächsten Monaten auf dem Arbeitsmarkt richtig was bewegen.“ Mit diesen Worten fasst Klaudia Silbermann, seit Juni Chefin der Agentur für Arbeit Göttingen, die Entwicklung auf dem regionalen Arbeitsmarkt zusammen. Denn auch wenn der Rückgang der Arbeitslosenzahlen von Mai auf Juni in diesem Jahr etwas niedriger ausfiel als im Durchschnitt der letzten Jahre, gibt es doch viele positive Anzeichen für eine Belebung, zum Beispiel die Entwicklung der Arbeitslosmeldungen nach Jobverlust und der Abmeldungen in Beschäftigung.

Konkret waren im zurückliegenden Monat im Bezirk der Agentur für Arbeit Göttingen 13.655 Menschen arbeitslos. Das waren 218 weniger als im Mai (-1,6%), allerdings 1.935 weniger als im Juni 2020 (-12,4%). Die Arbeitslosenquote beträgt aktuell 5,7% und liegt damit 0,7 Prozentpunkte unter dem Wert des Vorjahresmonats.

Ausgehend von der Vor-Corona-Zeit relativiert sich diese positive Entwicklung etwas, denn der Vergleich zum Juni 2019 zeigt, dass die Zahl der Arbeitslosen aktuell 9% über dem Referenzwert liegt. Vor zwei Jahren waren 12.528 Menschen im Agenturbezirk arbeitslos gemeldet, die Arbeitslosenquote lag bei 5,2%.

Anlass zu ihrer positiven Einschätzung bietet Silbermann auch die momentane Entwicklung auf der Nachfrageseite. Im Juni meldeten Wirtschaft und Verwaltung 1.381 neue Stellenangebote bei der Arbeitsagentur, 150 mehr als im Mai und 377 mehr als vor Jahresfrist. Der Stellenbestand hat mit 5.094 gemeldeten Arbeitsofferten einen neuen Höchststand erreicht. „Der hohe Bestand an offenen Stellen zeigt uns, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften anzieht. Aber wir sehen auch, dass Arbeitsplätze in vielen Fällen nicht zeitnah besetzt werden können, was zum großen Teil an fehlenden, entsprechend qualifizierten Bewerberinnen und Bewerbern liegt. Zwar werden derzeit auch viele Mitarbeitende für Anlerntätigkeiten gesucht, die überwiegende Nachfrage richtet sich jedoch an Fachkräfte und Spezialisten. Und die sind auf dem Markt nach wie vor nur schwer zu finden.“ 

Fehlende Fachkräfte könnten nach Silbermanns Einschätzung durchaus die Belebung am Arbeitsmarkt ausbremsen. Um dem Fachkräfteengpass zu begegnen, sieht Silbermann insbesondere drei Hebel: Weiterbildung Beschäftigter, Qualifizierung von Arbeitslosen und die Ausbildung künftiger Fachkräfte. Mit Blick auf den nahenden Ausbildungsstart appelliert Silbermann daher an die Betriebe, auch vermeintlich schwächeren Bewerberinnen und Bewerbern eine Chance zu geben. In Praktika, die in vielen Bereichen derzeit wieder einfacher zu realisieren seien als in der Hochzeit der Pandemie, könnten auch vermeintlich schwächere Bewerberinnen und Bewerber ihre Motivation und Eignung unter Beweis stellen.

Ausbildungsmarkt

Gerade die Ausbildung der eigenen Fachkräfte ist für kleinere Betriebe ein probates Mittel, den Personalbedarf der Zukunft zu sichern. Allerdings zeichnet sich auch auf dem Ausbildungsmarkt in manchen Branchen eine geringe Bewerberresonanz ab.

Aktuell sind im Agenturbezirk Göttingen noch 1.189 Ausbildungsstellen unbesetzt. Demgegenüber suchen 693 Ausbildungsinteressierte weiterhin nach einer Lehrstelle oder einem dualen Studienplatz. Insgesamt wurden seit Oktober 2.643 Ausbildungsplätze bei der Arbeitsagentur gemeldet, 19 weniger als im Vorjahreszeitraum. Auf der anderen Seite haben sich 1.922 junge Menschen bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur oder den Jobcentern der Region gemeldet, um mit ihrer Unterstützung einen Ausbildungsplatz zu suchen. Das waren 36 mehr als im Vorjahreszeitraum.

Um Betriebe und Auszubildende auch in den besonderen, von der Pandemie geprägten Zeiten zusammenzubringen, hat die Agentur für Arbeit gemeinsam mit vielen Partnern eine Reihe von Veranstaltungen organisiert.

Eine Übersicht findet sich online unter www.arbeitsagentur.de/veranstaltungen.

Unterbeschäftigung

Ergänzend zur gesetzlich definierten Arbeitslosenzahl veröffentlicht die Agentur für Arbeit Angaben zur Unterbeschäftigung. Dazu zählen zusätzlich zu den Arbeitslosen solche Personen, die nicht als arbeitslos gelten, die aber z.B. im Rahmen von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gefördert werden. Die Unterbeschäftigung betrug nach vorläufigen Angaben im Juni 18.012. Damit sank der Wert um 1.636 bzw. 8,3% im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Konjunkturelle Kurzarbeit

Endgültige Werte für die realisierte Kurzarbeit im Agenturbezirk liegen mittlerweile für den Monat Dezember vor. Danach haben im Agenturbezirk Göttingen im Dezember 1.895 Betriebe von konjunktureller Kurzarbeit Gebrauch gemacht. Von dieser beschäftigungssichernden Förderung profitierten 12.479 Beschäftigte.

Während des ersten Lockdowns, im April 2020, wurde mit 29.481 Kurzarbeitenden und 3.273 Betrieben in konjunktureller Kurzarbeit der bisher höchste Wert in der Corona-Krise erreicht.


Entwicklung in den Landkreisen des Arbeitsagenturbezirkes Göttingen

Auch im Juli sank die Zahl der Arbeitslosen in den Landkreisen Göttingen und Northeim, die zum Agenturbezirk Göttingen gehören. Der Rückgang betrifft sowohl den Vergleich zum Mai als auch zum Juni 2020.

Im Landkreis Northeim waren im Juni 3.762 Menschen bei der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter arbeitslos gemeldet. Damit sank die Zahl gegenüber Mai um 75 (-2,0%) und im Vergleich zum Juni 2020 um 607 bzw. 13,9%. Die aktuelle Arbeitslosenquote beträgt 5,4% und liegt damit 0,8 Prozentpunkte unter dem Wert des Vorjahresmonats.

Im Landkreis Göttingen waren im Juni 9.893 Menschen arbeitslos, 143 weniger als im Mai (-1,4%). Die Zahl der Arbeitslosen gegenüber Juni 2020 sank binnen Jahresfrist um 1.326 (-11,8%). Die aktuelle Arbeitslosenquote beträgt 5,8%, im Juni 2020 hatte sie noch bei 6,5% gelegen.

Der Blick auf die Vor-Corona-Werte zeigt allerdings, dass trotz dieser positiven Entwicklung die aktuellen Arbeitslosenzahlen noch nicht wieder auf dem Vor-Pandemie-Niveau angekommen sind. Die Zahl der Arbeitslosen liegt im Landkreis Northeim aktuell 6,6%, die im Landkreis Göttingen 10,0% über den Vergleichswerten vom Juni 2019.