29.10.2020 | Presseinfo Nr. 46

Arbeitslosigkeit in Südniedersachsen leicht gesunken

Zahl der Arbeitslosen geht den zweiten Monat in Folge leicht zurück /  Betriebe melden knapp 1.200 neue Stellen bei der Arbeitsagentur / Rund 30.000 Kurzarbeitende im April / Bilanz des Berufsberatungsjahres: 187 Jugendliche ohne Ausbildungsvertrag und 306 unbesetzte Lehrstellen
 

Göttingen. Die Zahl der Arbeitslosen in Südniedersachsen ist erstmals seit dem Anstieg infolge der Corona-Pandemie den zweiten Monat in Folge leicht gesunken. Im Agenturbezirk Göttingen waren 14.588 Arbeitslose bei der Arbeitsagentur und den Jobcentern gemeldet, 495 bzw. 3,3% weniger als noch im September. Allerdings sind weiterhin deutlich mehr Menschen arbeitslos als vor Jahresfrist: Gegenüber Oktober 2019 stieg die Zahl der Arbeitslosen um 2.402 bzw. 19,7% an. Die aktuelle Arbeitslosenquote beträgt 6,0% und liegt damit einen Prozentpunkt über dem Vorjahreswert.

Konstant zeigt sich derzeit die andere Seite des Arbeitsmarktes, die Nachfrage nach Arbeitskräften. Im Oktober meldeten Wirtschaft und Verwaltung insgesamt 1.186 neue Stellenangebote bei der Agentur für Arbeit. Das waren 17 weniger als im September (-1,4%) und 106 weniger als vor Jahresfrist (-8,2%). Der Bestand an offenen Stellen liegt bei 4.076, der Großteil davon, knapp 94%, ist sozialversicherungspflichtig. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist der Bestand um 9,7% geschrumpft.

Klaus-Dieter Gläser, Chef der Göttinger Agentur für Arbeit, erläutert den Einfluss der Pandemie auf den Ausgleich am Arbeitsmarkt: „Wir haben im Vergleich zum Vorjahr mehr Arbeitslose, die eine neue Stelle suchen. Und wir haben einen geringeren Zugang und Bestand an Arbeitsstellen. Man könnte meinen, dass dies die Stellenbesetzung für die Betriebe erleichtert. Doch das ist nicht zwingend der Fall.“ Es zeige sich, so Gläser, dass der Anteil an Stellen, die länger als drei oder länger als sechs Monate nicht besetzt werden konnten, so hoch sei wie vor einem Jahr. „Diese Schwierigkeiten sind auch durch die Struktur der Arbeitslosigkeit bedingt. Nach wie vor hat jeder zweite Arbeitslose keine anerkannte Ausbildung absolviert. Auf der Stellenseite richtet sich jedoch nur jedes fünfte Angebot an Helferinnen und Helfer. Und dieser Trend wird sich eher verstärken, obwohl sich in der Corona-Pandemie auch in Anlernbereichen, wie im Bewachungsgewerbe oder bei den Paketdiensten, Beschäftigungschancen eröffnet haben. Die Agentur für Arbeit investiert daher nach wie vor in die berufliche Qualifizierung von Arbeitslosen, um ihnen neue Perspektiven zu eröffnen.“ Im zurückliegenden Monat nahmen 635 Arbeitslose Angebote der beruflichen Weiterbildung wahr, weitere 2.097 wurden in anderen Maßnahmen von der Agentur für Arbeit und den Jobcentern gefördert.

Konjunkturelle Kurzarbeit

Endgültige Werte für die realisierte Kurzarbeit im Agenturbezirk liegen mittlerweile für den Monat April vor. Danach haben im Agenturbezirk Göttingen im April 3.273 Betriebe von konjunktureller Kurzarbeit Gebrauch gemacht. Von dieser beschäftigungssichernden Förderung profitierten 29.481 Beschäftigte. Die jüngsten Daten zur realisierten Kurzarbeit basieren auf einer Hochrechnung für den Monat Juni. Hier wird eine rückläufige Inanspruchnahme prognostiziert: Die Berechnungen gehen von 2.237 Betrieben aus, die Kurzarbeit wahrgenommen haben und dadurch die Beschäftigungsverhältnisse von 22.366 Mitarbeitenden erhalten konnten.

Im Oktober reichten nach vorläufigen Daten weitere 55 Betriebe Anzeigen auf Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit ein.

Unterbeschäftigung

Ergänzend zur gesetzlich definierten Arbeitslosenzahl veröffentlicht die Agentur für Arbeit Angaben zur Unterbeschäftigung. Dabei zählen zu den Arbeitslosen zusätzlich solche Personen, die nicht als arbeitslos gelten, die aber z.B. im Rahmen von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gefördert werden.

Die Unterbeschäftigung betrug nach vorläufigen Angaben im Oktober 18.956. Der Wert stieg damit um 1.820 bzw. 10,6% im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den Landkreisen

Im November sank in den beiden zum Agenturbezirk Göttingen gehörenden Landkreisen Northeim und Göttingen die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat. In beiden Landkreisen waren im Vergleich zum Vorjahresmonat jedoch weiterhin deutlich mehr Arbeitslose gemeldet.

Im Landkreis Northeim schlugen im Oktober insgesamt 3.871 Arbeitslose zu Buche. Das waren 83 weniger als im September (-2,1%), allerdings 388 mehr als im Oktober 2019 (+11,1%). Die aktuelle Arbeitslosenquote beträgt 5,5% und liegt damit 0,6 Prozentpunkte über dem Ergebnis vom Vorjahresmonat.

Auch im Landkreis Göttingen liegt die Arbeitslosenquote weiterhin deutlich über dem Vergleichswert des Vorjahres. Aktuell beträgt sie 6,2% und liegt somit 1,1 Prozentpunkte über dem Oktober-Wert 2019. Im zurückliegenden Monat waren hier 10.717 Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen, 2.014 mehr als vor Jahresfrist (+23,1%). Gegenüber September sank jedoch auch hier die Zahl um 412 (-3,7%).

Ausbildungsmarkt

Das Berufsberatungsjahr endet am 30. September. Vom 1. Oktober 2019 bis zum 30. September 2020 hatten sich insgesamt 2.200 Ausbildungsinteressierte bei der Agentur für Arbeit und den regionalen Jobcentern gemeldet. Das waren 241 weniger als im Vorjahreszeitraum (-9,9%). Ende September hatten 187 Ausbildungsuchende noch keine Zusage erhalten, 90 mehr als vor einem Jahr.

Auf der anderen Seite hatten Betriebe insgesamt 2.954 Ausbildungsstellen bei der Agentur für Arbeit gemeldet, was einem Rückgang von 288 (-8,9%) entspricht. 306 Ausbildungsstellen waren Ende September noch unbesetzt, 96 mehr als ein Jahr zuvor.