29.10.2020 | Presseinfo Nr. 93

Rückgang der Arbeitslosigkeit im saisonal üblichen Rahmen

Trotz Erholung bleiben große Unsicherheiten
 

Die Arbeitslosigkeit sank im Landkreis Gotha und im Unstrut-Hainich-Kreis im saisonal üblichen Rahmen. Davon konnten insbesondere jüngere Arbeitslose und Ausländer profitieren. Jünger Arbeitslose sind in der Regel gut ausgebildet und profitieren von einer Belebung auf dem Arbeitsmarkt am schnellsten. Zwei Drittel der ausländischen Arbeitslosen, die im Oktober ihre Arbeitslosigkeit beendeten, haben eine Erwerbstätigkeit, Ausbildung oder eine berufliche Weiterbildungsmaßnahme aufgenommen. „Aktuell beobachten wir eine für diese Jahreszeit übliche Herbstbelebung, allerdings liegen die Zahlen der Arbeitslosen deutlich über den Vorjahren. Auch bei der Anzahl neu gemeldeter Stellen setzt sich dieses Bild fort. So meldeten die Unternehmen mehr offenen Stellen, was für diese Jahreszeit völlig normal ist. Nach wie vor ist diese positive Entwicklung sehr fragil. Steigende Infektionszahlen in Deutschland, Europa und weltweit können rasch zu Produktionsausfällen, dem Abreißen von Lieferketten u.a. führen. Eine Ausweitung von Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie hätte schnell auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Die Kurzarbeit hat sich als Instrument zur Sicherung von Arbeitsplätzen bewährt. So wurden seit Jahresbeginn weniger Menschen entlassen, als im Vorjahreszeitraum. Allerding sind die Firmen auch deutlich zurückhaltender bei Neueinstellungen. So ist die Chance eine neue Beschäftigung aus der Arbeitslosigkeit heraus zu finden schlechter als im Vorjahr“, sagte Ina Benad, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Gotha.

Die Unternehmen nutzen weiterhin die Kurzarbeit, um so den Erhalt der Arbeitsplätze zu sichern. Für über 40 Prozent der sv-pflichtig Beschäftigten im Kreis Gotha und im Unstrut-Hainich-Kreis wurde Kurzarbeit angezeigt. Im Oktober zeigten 27 Unternehmen für 279 Beschäftigte Kurzarbeit neu an. Seit März haben damit mehr als 3.000 Firmen für über 37.300 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt. Für den Monat März wurden für 8.700 Beschäftigte im Agenturbezirk Gotha Kurzarbeitergeld ausgezahlt. Im April erhöhte sich diese Zahl auf 15.746 und im Mai erhielten 15.746 Beschäftigte Kurzarbeitergeld.

„Die Abrechnung der tatsächlich genutzten Kurzarbeit zeigt, dass nur etwa die Hälfte der Beschäftigten, für die Kurzarbeit angezeigt wurde, diese auch tatsächlich nutzen mussten. Viele Unternehmen hatten vorsorglich für alle Beschäftigten Kurzarbeit beantragt. Die Kurzarbeit ist das Instrument zur Sicherung tausender Arbeitsplätze. Die meisten Kurarbeiter waren im verarbeitenden Gewerbe (7.707) im Handel (1.663), im Gastgewerbe (1.559) und bei sonstigen Dienstleistungen (1.127) zu verzeichnen“, stellte Ina Benad fest.

Arbeitslosigkeit sinkt im jahreszeitlich üblichen Rahmen

Im Oktober waren 8.267 Menschen im Agenturbezirk Gotha arbeitslos gemeldet. Das waren 269 weniger als im Vormonat, aber 1.096 mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote lag im Agenturbezirk bei 6,5 Prozent und damit 0,9 Prozentpunkte höher als im Vorjahr. In beiden Landkreisen sank die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Vormonat, lag aber über den Vorjahreswerten. Im Landkreis Gotha lag sie mit 6,0 Prozent (Vorjahr 4,9 Prozent) leicht über dem Wert des Freistaates Thüringen (5,9 Prozent). Der Unstrut-Hainich-Kreis wies eine Arbeitslosenquote von 7,1 Prozent aus (Vorjahr 6,5 Prozent).

Rechtskreise

Die Arbeitslosigkeit sank in beiden Rechtskreisen, wobei sie im Bereich der Jobcenter deutlicher zurückgegangen ist, als in der Arbeitsagentur. Im Oktober waren 3.616 Menschen in der Arbeitslosenversicherung gemeldet. 4.651 wurden von den beiden Jobcentern betreut.

Unterbeschäftigung

In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch Teilnehmende an Maßnahmen, Weiterbildungen und arbeitsunfähig Erkrankte erfasst. Sie bietet damit einen umfassenderen Eindruck der Lage auf dem Arbeitsmarkt. Die Zahl der Menschen in Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) betrug im Oktober 10.090. Das waren 816 mehr als im Vorjahr. Die Unterbeschäftigungsquote lag mit 7,8 Prozent deutlich über dem Wert des Vorjahres (7,2 Prozent).

Bewegung auf dem Arbeitsmarkt

Die Dynamik am Arbeitsmarkt hat wieder Fahrt aufgenommen, wenngleich noch nicht das Niveau vor der Corona-Krise erreicht wurde. Im Oktober änderte sich für fast 44 Prozent der Arbeitslosen der Status. Vor der Krise war es über 50 Prozent.

Im Oktober beendeten 1.947 Personen ihre Arbeitslosigkeit, 114 weniger als im Vormonat und 85 weniger als im Vorjahr. Von ihnen nahmen 660 Personen eine Erwerbstätigkeit auf dem 1. Arbeitsmarkt auf, 21 mehr als im Vormonat, aber 71 mehr als im Vorjahr. Die Chance, einen neuen Job zu finden, sank jedoch deutlich. Seit Jahresbeginn konnten 5.447 Menschen aus der Arbeitslosigkeit heraus einen neuen Job finden, 521 weniger als im Vorjahreszeitraum. 473 begannen eine Ausbildung oder sonstige Maßnahme.

Gleichzeitig meldeten sich im Oktober 1.686 Menschen neu oder erneut arbeitslos, 186 mehr als im Vormonat, aber 297 weniger als im Vorjahr. 632 gingen zuvor einer Tätigkeit auf dem 1. Arbeitsmarkt nach. Trotz der Coronakrise ist die Gefahr aus einer Beschäftigung heraus arbeitslos zu werden gesunken. Seit Jahresbeginn haben sich 7.030 Menschen nach einer Beschäftigung arbeitslos gemeldet, 76 weniger als im Vorjahreszeitraum.

Mehr offene Stellen gemeldet

Die Zahl der neu gemeldeten Stellen nahm zu. Im Oktober wurden 539 neue Stellen gemeldet, 119 mehr als im Vormonat und 11 mehr als im Vorjahr. Aktuell liegen 1.755 offene Stellen zur Besetzung vor, 65 mehr als im vergangenen Monat, aber 276 weniger als im Vorjahr. „Die Entwicklung am Stellenmarkt zeigt einen saisonal typischen Verlauf. Zwei von drei Stellen sind für ausgebildete Fachkräfte, 15 Prozent der Stellen sind für Experten/Spezialisten und nur 17 Prozent der Stellen sind für Helfer- oder Anlerntätigkeiten ausgeschrieben. Auch im Bereich der Zeitarbeit nimmt die Zahl der offenen Stellen wieder zu, liegt aber noch ein Drittel unter dem Niveau vor der Coronakrise“, betont Ina Benad.

Landkreis Gotha

Die Arbeitslosenquote im Landkreis Gotha betrug 6,0 Prozent und lag damit 0,2 Prozentpunkte unter dem Vormonat. Im Vorjahr betrug die Arbeitslosenquote 4,9 Prozent.

Die Zahl der Arbeitslosen sank gegenüber dem Vormonat. Im Oktober waren 4.440 Menschen arbeitslos gemeldet, 105 weniger als im Vormonat, aber 821 mehr als im Vorjahr.

913 Menschen meldeten sich im Oktober arbeitslos, 115 mehr als im Vormonat, aber 125 weniger als im Vorjahr.

Gleichzeitig beendeten im Oktober 1.010 Menschen die Arbeitslosigkeit, 44 weniger als im Vormonat und 37 weniger als im Vorjahr. Von ihnen nahmen 403 eine Erwerbstätigkeit auf.

Von März bis Oktober zeigten 1.633 Unternehmen Kurzarbeit an. Davon betroffen sind 21.764 Beschäftigte. Dies entspricht einem Anteil von 42 Prozent an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Im April wurde für 9.355 Beschäftigte Kurzarbeit abgerechnet. Für Mai zeigt die aktuelle Hochrechnung ein ähnliches Bild mit 9.506 abgerechneten Beschäftigten in Kurzarbeit.

Im Oktober wurden 258 offene Stellen gemeldet, 54 mehr als im September, aber 25 weniger als im Vorjahr. Aktuell liegen 1.027 offene Stellen zur Besetzung vor, 13 Prozent weniger als im Vorjahr.

Unstrut-Hainich-Kreis

Die Arbeitslosenquote sank erneut und betrug 7,1 Prozent. Im Vorjahr lag sie bei 6,5 Prozent.

Aktuell sind 3.862 Menschen arbeitslos gemeldet, 164 weniger als im Vormonat, jedoch 275 mehr als im Vorjahr.

Im Oktober meldeten sich 773 Menschen arbeitslos, 53 mehr als im Vormonat, aber 172 weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig beendeten 937 ihre Arbeitslosigkeit, 70 weniger als im Vormonat und 48 weniger als im Vorjahr. 274 nahmen eine Erwerbstätigkeit auf.

281 offene Stellen wurden von den Unternehmen im Oktober neu gemeldet, 65 mehr als im Vormonat und 36 mehr als im Vorjahr. Aktuell liegen 728 offene Stellen zur Besetzung vor, 117 weniger als im letzten Jahr.

1.363 Betriebe zeigten von März bis Oktober für insgesamt 15.522 Beschäftigte Kurzarbeit an. Das sind 43 Prozent aller sv-pflichtig Beschäftigten im Landkreis. Im April waren 6.550 Beschäftigte in Kurzarbeit. Die Hochrechnung für Mai zeigt, dass für 6.239 Mitarbeiter Kurzarbeitergeld abgerechnet wurde.

Arbeitsmarkt nach Regionen im Überblick