29.10.2020 | Presseinfo Nr. 94

Deutlich mehr Ausbildungsstellen als Bewerber

Coronapandemie zeigt sich auch auf dem Ausbildungsmarkt

 

Am 30. September endete das Berufsberatungsjahr 2019/20. Anders als in den Vorjahren, zeigte sich kein ausgeglichenes Bild auf dem Ausbildungsmarkt. Die Coronapandemie hat insbesondere bei der Anzahl der Bewerber für einen deutlichen Rückgang gesorgt. So standen in diesem Jahr 17 Prozent weniger Jugendliche für eine Ausbildung zur Verfügung als im Vorjahr. „Bedingt durch die Coronapandemie haben sich viele Jugendliche entschlossen, ihre Schulzeit zu verlängern oder sind an weiterführende Schulen gewechselt. Damit gab es deutlich weniger Bewerber für einen Ausbildungsplatz als in den Vorjahren. Ich bin den Unternehmen der Region sehr dankbar, dass sie in der schwierigen wirtschaftlichen Lage ihre betrieblichen Ausbildungsplätze weiterhin angeboten haben. Das zeigt zum einen, wie dringend die Firmen auf den Fachkräftenachwuchs angewiesen sind und zum anderen, wie gut die beruflichen Chancen für junge Menschen stehen“, sagte Ina Benad, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Gotha.

Insgesamt suchten in diesem Berufsberatungsjahr 1.072 Bewerber eine Ausbildung. Die Unternehmen meldeten insgesamt 1.265 betriebliche Ausbildungsstellen. Zwei von drei Bewerbern haben eine Berufsausbildung begonnen und so den Einstieg ins Berufsleben geschafft. 88 haben die Schule fortgesetzt oder ein Studium begonnen, 23 haben sich für gemeinnützige Dienste, wie FSJ entschieden und 22 sind in Fördermaßnahmen eingemündet. „Nur 19 Jugendliche konnten wir bis Ende September nicht vermitteln. Mit diesen Jugendlichen stehen wir in engem Kontakt, um auch für diese bis spätestens Jahresende den Einstieg ins Berufsleben realisieren zu können“, betonte Ina Benad.

Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt im Agenturbezirk Gotha zeigt ein unterschiedliches Bild. Im Unstrut-Hainich-Kreis war die Anzahl der Bewerber und der betrieblichen Ausbildungsstellen nahezu ausgeglichen. Im Landkreis Gotha gab es erneut deutlich mehr Lehrstellen als Bewerber. Auch beim Anteil der sogenannten „Altbewerber“, also Jugendlichen, die bereits in den vorherigen Jahren die Schule beendet haben, zeigen sich regionale Unterschiede. Im Landkreis Gotha lag die Zahl der „Altbewerber“ bei 40 Prozent, im Unstrut-Hainich-Kreis betrug sie 53 Prozent.

„Bis auf die klassischen Büro- und Verwaltungsberufe gab es in allen Branchen mehr Ausbildungsstellen als Bewerber. Insbesondere im Handwerk, in der Hotellerie und Gastronomie sowie im verarbeitenden Gewerbe und im Baubereich wird es zunehmend schwerer Jugendliche für eine Ausbildung zu begeistern. Dabei bieten gerade diese Branchen gute berufliche Perspektiven in der Region. Bedingt durch den Lockdown konnten Betriebspraktika, Messen, Berufsinformationsveranstaltungen nicht stattfinden. Dies hat die Berufsorientierung zusätzlich erschwert. Das zeigt aber auch, wie wichtig eine frühzeitige Berufsorientierung ist. Ebenso ist zu beobachten, dass die Jugendlichen nach wie vor in klassischen geschlechtsspezifischen Rollenbildern verankert sind“, erläuterte Ina Benad.

Ausbildungsmarkt in Zahlen

 

Haupt- und Realschulabschluss überwiegen

Vier von fünf Jugendlichen bewarben sich mit einem Real- oder Hauptschulabschluss. Damit bilden diese Schulformen auch weiterhin das größte Potential für die betriebliche Ausbildung. Jeder fünfte Jugendliche hat das Abitur oder die Fachhochschulreife. Nur 37 Jugendliche können keinen Schulabschluss vorweisen.

Detailinformationen zu den einzelnen Landkreisen

Landkreis Gotha

Im Landkreis Gotha suchten 591 Jugendliche eine betriebliche Ausbildungsstelle. Dies waren 132 weniger als im Vorjahr. Bis auf 10 Jugendliche konnten alle vermittelt werden.

Dem gegenüber standen 788 betriebliche Ausbildungsstellen, genauso viele wie im Vorjahr. 87 Ausbildungsstellen konnten bis zum 30.09. nicht besetzt werden.

389 Jugendliche haben eine Berufsausbildung begonnen. 57 entschieden sich, eine weiterführende Schule zu besuchen oder ein Studium aufzunehmen, 13 absolvieren einen gemeinnützigen oder sozialen Dienst und 15 werden in Fördermaßnahmen auf die Berufsausbildung vorbereitet. 42 junge Menschen haben eine Arbeit aufgenommen.

Unstrut-Hainich-Kreis

Im Unstrut-Hainich-Kreis bewarben sich 481 junge Menschen um eine Lehrstelle, 94 weniger als im Vorjahr. Nur 9 Jugendliche konnten bis zum 30. September nicht vermittelt werden.

477 betriebliche Ausbildungsstellen wurden von den Unternehmen gemeldet, 641 weniger als im Vorjahr. 12 Ausbildungsstellen konnten trotz intensiver Bemühungen nicht besetzt werden, da keine geeigneten Bewerber zur Verfügung standen.

327 Jugendliche haben eine Berufsausbildung begonnen. 31 besuchen weiterführende Schulen, 8 absolvieren einen gemeinnützigen oder sozialen Dienst. 9 werden in Fördermaßnahmen auf die Berufsausbildung vorbereitet. 35 Jugendliche haben eine Erwerbstätigkeit aufgenommen.