28.10.2021 | Presseinfo Nr. 86

Deutlich mehr Ausbildungsstellen als Bewerber

Coronapandemie auf dem Ausbildungsmarkt sichtbar

Am 30. September endete das Berufsberatungsjahr 2020/21. Wie im Vorjahr, lagen mehr betriebliche Ausbildungsplätze als Bewerber vor. Auch in diesem Jahr war ein Rückgang an Bewerbern zu verzeichnen. Dieser fiel aber geringer aus als im Vorjahr. „Die Coronapandemie hat erneut einen Einfluss auf die Berufswahl der Jugendlichen. Erneut gab es weniger Bewerber für eine betriebliche Ausbildung. Bis in die Jahresmitte waren kaum Präsenzveranstaltungen, persönliche Berufsberatungen oder Praktika möglich. Das erschwerte die Berufsorientierung enorm. Einige Jugendliche haben sich daher entschlossen, weiterführende Schulen zu besuchen oder nicht sofort mit einer Ausbildung zu beginnen“, sagte Johannes Langenkamp, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Gotha.

Ein etwas anderes Bild zeigt sich bei den betrieblichen Ausbildungsstellen. So wurden insgesamt 1.222 Lehrstellen gemeldet. Das waren 3,4 Prozent weniger als im Vorjahr. „Während uns die Unternehmen im Unstrut-Hainich-Kreis mehr Lehrstellen gemeldet haben als im Vorjahr, sank die Zahl im Landkreis Gotha. Ich bin allen Unternehmen, die Ausbildungsstellen gemeldet haben dankbar für ihre Bereitschaft, junge Menschen in der Region auszubilden. Dies zeigt, dass trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen die Unternehmen gut ausgebildete Nachwuchskräfte benötigen. Leider konnten wir nicht jede Ausbildungsstelle besetzen. In diesen Fällen sind wir aber im Kontakt mit den Unternehmen, um Alternativen zu besprechen“, betont Johannes Langenkamp.

Insgesamt suchten in diesem Berufsberatungsjahr 990 Jugendliche eine Ausbildung. Zwei von drei Jugendlichen haben eine Berufsausbildung begonnen und so den Einstieg ins Berufsleben geschafft. 74 setzen die Schule fort oder haben ein Studium begonnen. Einige haben sich für andere Alternativen, wie gemeinnützige Dienste entschieden oder sind in Fördermaßnahmen eingemündet. „Nur 22 Jugendliche konnten wir bis Ende September nicht vermitteln. Mit diesen Jugendlichen stehen wir in engem Kontakt, um auch für diese bis spätestens Jahresende den Einstieg ins Berufsleben ermöglichen zu können“, sagte Johannes Langenkamp.

Im Landkreis Gotha und im Unstrut-Hainich-Kreis gab es mehr betriebliche Lehrstellen als Bewerber. Während im Landkreis Gotha die meisten Jugendlichen in diesem Jahr die Schule beendet haben, standen im Unstrut-Hainich-Kreis mehr „Altbewerber“ zur Verfügung. „Altbewerber“ sind Jugendliche, die in den vorherigen Jahren die Schule beendet haben. Im Landkreis Gotha lag die Zahl der „Altbewerber“ bei 41 Prozent, im Unstrut-Hainich-Kreis betrug sie 55 Prozent.

„Bis auf die klassischen Büro- und Verwaltungsberufe gab es in allen Branchen mehr Ausbildungsstellen als Bewerber. Insbesondere im Handwerk, in der Hotellerie und Gastronomie sowie im verarbeitenden Gewerbe, im Handel und im Baubereich ist es zunehmend schwieriger Jugendliche für eine Ausbildung zu begeistern. Dabei bieten gerade diese Branchen gute berufliche Perspektiven in der Region. Bedingt durch den 2. Lockdown konnten Betriebspraktika, Messen, Berufsinformationsveranstaltungen nicht stattfinden. Dies hat die Berufsorientierung zusätzlich erschwert. Das zeigt aber auch, wie wichtig eine frühzeitige Berufsorientierung ist. Ebenso ist zu beobachten, dass die Jugendlichen nach wie vor in klassischen geschlechtsspezifischen Rollenbildern verankert sind“, erläuterte Johannes Langenkamp.

Ausbildungsmarkt in Zahlen

Gemeldet im Zeitraum vom 01.10.2020 - 30.09.2021

Haupt- und Realschulabschluss überwiegen

Vier von fünf Jugendlichen bewarben sich mit einem Real- oder Hauptschulabschluss. Damit bilden diese Schulformen auch weiterhin das größte Potential für die betriebliche Ausbildung. Jeder fünfte Jugendliche hat das Abitur oder die Fachhochschulreife. Nur 22 Jugendliche können keinen Schulabschluss vorweisen.

Detailinformationen zu den einzelnen Landkreisen

Landkreis Gotha

Im Landkreis Gotha suchten 552 Jugendliche eine betriebliche Ausbildungsstelle. Dies waren 39 weniger als im Vorjahr. Bis auf 6 Jugendliche konnten alle vermittelt werden.

Dem gegenüber standen 702 betriebliche Ausbildungsstellen, 86 weniger als im Vorjahr. 169 Ausbildungsstellen konnten bis zum 30.09. nicht besetzt werden.

391 Jugendliche haben eine Berufsausbildung begonnen. 52 entschieden sich, eine weiterführende Schule zu besuchen oder ein Studium aufzunehmen, 36 junge Menschen haben eine Arbeit aufgenommen. Einige absolvieren einen gemeinnützigen oder sozialen Dienst oder werden in Fördermaßnahmen auf die Berufsausbildung vorbereitet.

Unstrut-Hainich-Kreis

Im Unstrut-Hainich-Kreis bewarben sich 438 junge Menschen um eine Lehrstelle, 43 weniger als im Vorjahr. 16 Jugendliche konnten bis zum 30. September nicht vermittelt werden.

520 betriebliche Ausbildungsstellen wurden von den Unternehmen gemeldet, 43 mehr als im Vorjahr. 66 Ausbildungsstellen konnten nicht besetzt werden, da keine geeigneten Bewerber zur Verfügung standen.

257 Jugendliche haben eine Berufsausbildung begonnen. 22 besuchen weiterführende Schulen. 29 Jugendliche haben eine Erwerbstätigkeit aufgenommen. Andere absolvieren einen gemeinnützigen oder sozialen Dienst oder werden in Fördermaßnahmen auf die
Berufsausbildung vorbereitet.