02.12.2020 | Presseinfo Nr. 106

Inklusion beginnt zuerst im Kopf

Mehr Schwerbehinderte in Arbeit als vor 5 Jahren

Vom 30.11.-04.12.2020 findet die bundesweite „Woche der Menschen mit Behinderungen“ statt. Diese Woche nutzt die Agentur für Arbeit Gotha für einen Blick auf die Beschäftigungssituation von betroffenen Menschen. Im Landkreis Gotha stieg die Zahl der schwerbehinderten Menschen, die einer Beschäftigung nachgehen, in den letzten fünf Jahren um 5 Prozent an. Aktuell sind 1.629 schwerbehinderte Menschen im Landkreis Gotha beschäftigt.

Trotz dieser positiven Entwicklung erfüllten viele Unternehmen die gesetzlich vorgeschriebene Beschäftigungsquote* von 5 Prozent nicht. Insbesondere private Unternehmen haben hier noch Nachholbedarf, denn die Quote lag mit 3,4 Prozent unter dem gesetzlich vorgeschriebenen Wert. Dagegen lag die Quote bei öffentlichen Arbeitgebern mit 7,0 Prozent über dem gesetzlich vorgeschriebenen Wert. Auffallend ist, dass die Beschäftigungsquote bei privaten Unternehmen in den letzten 5 Jahren gesunken ist, während sie bei den öffentlichen Arbeitgebern anstieg.

Die meisten Schwerbehinderten arbeiten in der öffentlichen Verwaltung (484), gefolgt vom verarbeitenden Gewerbe (417), dem Gesundheits- und Sozialwesen (211) sowie dem Bereich Verkehr/Lagerei (112).

„Die meisten Menschen sind nicht von Geburt an schwerbehindert. Die gesundheitlichen Einschränkungen stellen sich oft erst im Lauf des Lebens durch Krankheit oder Unfall ein. So sind im Landkreis Gotha 83 Prozent beschäftigten Schwerbehinderten älter als 45 Jahre. Das Fachwissen dieser betroffenen Mitarbeiter gilt es im Unternehmen zu halten. Daher sollten Firmen sich bei der Beschäftigung von Schwerbehinderten noch stärker engagieren. Ebenso gilt es, das Fachkräftepotential bei der Neueinstellung komplett zu nutzen. Menschen mit einer Behinderung sind überwiegend gut ausgebildet und hoch motiviert. Dies zeigen uns positive Beispiele aus der Praxis“, betonte Ina Benad, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Gotha.

Noch immer bestehen Vorbehalte gegen die Beschäftigung von Menschen mit einem Handicap. Während einer Probebeschäftigung, die bis zu drei Monaten dauern kann, können das Unternehmen und die Betroffenen testen, ob sie die Aufgaben in der Praxis gut erledigen können. Auch bei der Ausstattung oder Umgestaltung des Arbeitsplatzes berät die Arbeitsagentur und kann finanziell unterstützen.

Aktuell sind im Landkreis Gotha 398 Menschen mit Schwerbehinderung arbeitslos gemeldet (Vorjahr 405). „Bislang konnten wir trotz der Corona-Pandemie noch keinen Anstieg bei der Arbeitslosigkeit von Menschen mit einer Behinderung feststellen. 8 von 10 haben eine abgeschlossene Berufsausbildung, 7 Prozent sogar ein Studium absolviert. Dennoch profitieren Schwerbehinderte nicht im selben Umfang wie Nichtbehinderte. Viele Vorurteile existieren nur in den Köpfen und erweisen sich in der Praxis als haltlos. Inklusion beginnt zuerst im Kopf“, betont Ina Benad.

* Arbeitgeber, die jahresdurchschnittlich monatlich über mindestens 20 zu zählende Arbeitsplätze verfügen, sind anzeigepflichtig und dazu verpflichtet, schwerbehinderte Menschen, ihnen gleichgestellte oder sonstige anrechnungsfähige Personen zu beschäftigen.