29.04.2021 | Presseinfo Nr. 18

Arbeitsmarkt zeigt sich robust

Im Landkreis Vorpommern-Greifswald waren im April 10.546 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Das sind 484 Personen beziehungsweise 4,4 Prozent weniger als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 9,1 Prozent.
 
Der Berichtsmonat April ermöglicht erstmals ein Vorjahresvergleich unter „Corona-Bedingungen“. Denn die Daten für April 2020 enthalten bereits die Arbeitsmarkteffekte des ersten Lockdowns. „Da war der Arbeitsmarkt faktisch eingefroren. Der durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie verursachte plötzliche und gravierende Einbruch der Wirtschaft versetzte den Arbeitsmarkt in einen Ausnahmezustand“, so Andreas Wegner, Leiter der Arbeitsagentur Greifswald, rückblickend. Die Arbeitslosigkeit stieg innerhalb kurzer Zeit um 1.000 Personen und erreichte im Mai letzten Jahres einen Höchststand. Damals waren 11.298 Männer und Frauen auf der Suche nach einer bezahlten Beschäftigung.
Danach erholte sich der Arbeitsmarkt langsam, die Arbeitslosigkeit sank. „Diese Entwicklung wurde durch den Lockdown light ab November und dem harten 2. Lockdown ab Mitte Dezember allerdings wieder gebremst. „Zwar stieg die Arbeitslosigkeit in Vorpommern-Greifswald im Januar erneut an, aber es gab keinen Einbruch wie im Frühjahr 2020“, so der Agenturleiter. 
 
Der Arbeitsmarkt zeigt sich im aktuellen Monat weiter robust. Die von den Auswirkungen der Pandemie stark betroffenen Branchen nutzen weiterhin die Kurzarbeit. „Durch die Kurzarbeit können die Unternehmen ihre eingearbeiteten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter halten und sind auf den Re-Start nach Corona, den wir uns alle lieber heute als morgen wünschen, personell gut vorbereitet“ so Wegner. Doch trotz Pandemie gibt es auch Branchen mit einer hohen Nachfrage an Arbeitskräften. So erfolgten im April in den Bereichen Landwirtschaft, Produktion und Fertigung sowie im Baubereich und im Bereich Verkehr Einstellungen.    
 
Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sorgen mittlerweile für einen Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit. Innerhalb eines Jahres ist die Anzahl der Menschen, die länger als ein Jahr arbeitslos gemeldet sind, um gut ein Fünftel angestiegen. Waren im April 2020 noch 3.620 Personen langzeitarbeitslos, sind es nunmehr 4.381. Der Anteil der langzeitarbeitslosen Personen an allen Arbeitslosen liegt bei 41,5 Prozent.
„Die Arbeitslosigkeit darf sich nicht verfestigen. Unser Ziel ist es daher, arbeitslos gewordene Menschen schnell wieder zu vermitteln und bei Bedarf ihre Qualifizierung zu fördern. Denn aktuell und vor allem nach der Corona-Krise werden gut qualifizierte Mitarbeitende gebraucht“, ist sich Wegner sicher. 
 
Kurzarbeit
Bis zum 25.04.2021 zeigten noch einmal 50 Unternehmen neu oder erneut Kurzarbeit an. Sie können damit für insgesamt 430 Beschäftigte Kurarbeitergeld auszahlen, welches ihnen durch die Arbeitsagentur erstattet wird.
 
Die Kurzarbeiter-Quote lag für Dezember in Vorpommern-Greifswald bei 9,2 Prozent. Damit waren im letzten Monat des Jahres 2020 insgesamt 7.717 Beschäftigte in 1.143 Betrieben von Kurzarbeit zumindest teilweise betroffen (aktuelle Hochrechnung). In der Spitze, im April 2020, lag die Kurzarbeiter-Quote bei 15,4 Prozent. Damals rechneten 1.989 Betriebe für 12.573 Beschäftigte Kurzarbeitergeld ab.
 
Arbeitslosenquoten in den Geschäftsstellen   
Anklam 10,4 Prozent, Greifswald 6,9 Prozent, Pasewalk 12,6 Prozent, Ueckermünde 10,7 Prozent, Wolgast 8,9 Prozent
 
Die Arbeitslosigkeit entwickelte sich im Agenturbezirk Greifswald im April unterschiedlich.
In fast allen Geschäftsstellen war im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Rückgang der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Nur in der Region Wolgast stieg die Arbeitslosigkeit um 44 Personen beziehungsweise 2,2 Prozent an. „Der Arbeitsmarkt auf der Insel Usedom ist sehr stark vom Tourismus geprägt. In der Vergangenheit registrierten wir hier zum Frühjahr die größten Rückgänge“, so Wegner. „Zwar stehen auch jetzt viele Unternehmen aus dem Gastgewerbe und den angrenzenden Branchen in den Startlöchern, aber hier bremsen die Auswirkungen der Pandemie am stärksten.“
 
Unterschiede zwischen den Rechtskreisen im Vorjahresvergleich
Die Agentur für Arbeit (Rechtskreis SGB III, Arbeitslosenversicherung) betreute im April 3.995 Arbeitslose und damit 219 weniger als vor einem Jahr. Die Jobcenter (Rechtskreis SGB II, Grundsicherung) waren für 6.551 arbeitslose Personen verantwortlich, 139 weniger als im April 2020. 
Der positive Trend erreicht Bewerberinnen und Bewerber beider Rechtskreise, wenn auch im unterschiedlichem Ausmaß. Im Vormonatsvergleich wurde der stärkste Rückgang im Bereich der Arbeitslosenversicherung registriert (minus 494 Personen bzw. 11,0 Prozent).    
 
SGB III         - 5,2 Prozent
SGB II          - 2,1 Prozent
 
Stellenmarkt
Die Nachfrage nach Arbeitskräften wieder deutlich zugenommen und befindet sich auf dem Niveau von April 2019. Im Berichtsmonat wurden dem Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und der Jobcenter in Vorpommern-Greifswald 618 neue Stellenangebote gemeldet.
Insgesamt betreuen die Vermittlerinnen und Vermittler des Arbeitgeberservice von Arbeitsagentur und Jobcenter aktuell 2.532 offene Stellen. 
 
Die Arbeitsstellen stammen aus dem Gesundheits- und Sozialwesen (354), Handel (287), dem verarbeitenden Gewerbe (265), dem Gastgewerbe (254) und dem Baugewerbe mit 221 neuen Offerten.
Dahinter verbergen sich interessante Berufe, von der/dem zahnmedizinischen Fachangestellten, Fahrzeugpfleger/in, Tischler/in, Betreuungskraft bzw. Alltagsbegleiter/in, Baggerführer/in bis zur/zum Architekten/in.
 
Geldleistungen
Im April erhielten 3.557 Personen Arbeitslosengeld, 48 weniger als vor einem Jahr. Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) lag bei 14.200. Gegenüber April 2020 ist dies ein Rückgang um 952 Personen.
 
Ausbildungsmarkt
Die Schülerinnen und Schüler der Abgangsklassen stecken bereits in den Prüfungen und für viele endet in den nächsten Wochen ihr letztes Schuljahr. Allen Jugendlichen, die noch keine Lehrstelle oder Studienplatz gefunden haben, rät Andreas Wegner, unbedingt Kontakt zur Berufsberatung aufzunehmen.
Für das Ausbildungsjahr wurden der Arbeitsagentur 1.613 Ausbildungsstellen gemeldet. 980 sind aktuell noch unbesetzt. Darunter auch außergewöhnliche Ausbildungsberufe, wie Pflanzentechnologe/in, Brunnenbauer/in, Präzisionswerkzeugmechaniker/in und Vermessungstechniker/in und Maßschneider/in.
Außerdem gehen bereits die ersten Stellenmeldungen für den Ausbildungsbeginn 2022 ein. „Insbesondere Unternehmen, die duale Studiengänge anbieten, aber auch Banken, Versicherungen und Verwaltungseinrichtungen beginnen bereits mit der Bewerbersuche“, so Wegner.

Termine für eine individuelle Berufs- und Studienberatung gibt es unter der kostenlosen Service-Nummer 0800 4 5555 00 oder online unter www.arbeitsagentur.de/eservices.
 
Ausblick
Fortschritte bei den Impfungen lassen auf weitere Öffnungsmöglichkeiten und Lockerung von Schutzmaßnahmen hoffen. „Diese Entwicklung wird sich auch positiv auf den Arbeitsmarkt auswirken“, prognostiziert Wegner. „Unternehmen sollten daher sich und ihre Beschäftigten rechtzeitig auf einen Re-Start vorbereiten“, empfiehlt der Arbeitsmarktexperte. Wer dafür noch Personal benötigt, kann sich an den Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter wenden. „Es wird enorm wichtig sein, ausreichend Fachkräfte an Bord zu haben.“ Unternehmen können ihre Stellenmeldungen direkt online unter www.arbeitsagentur.de/eservices aufgeben oder nutzen die kostenfreie Service-Nummer 0800 4 5555 20.