01.09.2020 | Presseinfo Nr. 38

Arbeitsmarkt holt weiter auf

In den Sommermonaten herrscht erfahrungsgemäß wenig Bewegung auf dem Arbeitsmarkt. In den Jahren 2017 und 2018 verzeichnete die Arbeitsagentur Greifswald beim Monatswechsel von Juli zum August gar einen leichten Anstieg bei der Arbeitslosigkeit.

„Die Unternehmen halten sich in den Sommermonaten mit Neueinstellungen eher zurück. Außerdem melden sich einige Schulabgänger und Ausbildungsabsolventen zunächst arbeitslos“, erklärt Andreas Wegner, Leiter der Arbeitsagentur Greifswald. Dass in diesem Jahr der Rückgang mit 280 weniger arbeitslosen Personen relativ hoch ausfiel, führt der Arbeitsmarktexperte auf zwei wesentliche Faktoren zurück. „Das frühe Ende der Sommerferien und die stufenweise Öffnung nach dem Shutdown wirkten sich positiv auf den Arbeitsmarkt aus“, so Wegner. Es herrsche wieder mehr Bewegung am Arbeitsmarkt. „Einige Unternehmen holten aus dem Frühjahr geplante Einstellungen nach.“ Insgesamt 681 Abgänge in Arbeit registrierte die Arbeitsagentur im August. „Damit nahmen 100 Menschen mehr eine Beschäftigung auf als im vergangen Jahr“, so Wegner. Damals sorgte das frühe Ferienende ebenfalls für einen Rückgang der Arbeitslosigkeit.

Nach Einschätzung des Arbeitsmarktexperten holt der Arbeitsmarkt in Vorpommern-Greifswald damit weiter auf. „Nachdem im April und Mai die Arbeitslosigkeit Corona-bedingt angestiegen ist, registrieren wir nun bereits den dritten Monat in Folge wieder sinkende Arbeitslosenzahlen“, so Wegner.

Auch im Landesvergleich steht die Arbeitsagentur gut da. Innerhalb von Mecklenburg-Vorpommern registrierte Greifswald den größten Vormonatsrückgang.     

 

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Arbeitslosigkeit um 1.219 Personen angestiegen. Damals waren noch 9.230 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote lag bei 8,0 Prozent.

 

Bei allen Alters- und Personengruppen wurden Anstiege bei der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahresmonat verzeichnet. Aktuell registrierte die Arbeitsagentur 1.084 arbeitslose Jugendliche unter 25 Jahre und 3.924 Arbeitslose über 50 Jahre. Die Jugendlichen sind mit plus 19 Prozent deutlich stärker von dem Anstieg betroffen als ältere Arbeitslose mit einem Plus von 10,3 Prozent.

Auch bei den ausländischen Personen stieg die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahresmonat an. Im August waren in der Arbeitsagentur Greifswald 908 arbeitslose Ausländer gemeldet, 161 oder 21,6 Prozent mehr als im August 2019.  

 

Kurzarbeit

Die aktuelle Zahl der Arbeitslosen wäre vermutlich deutlich höher, wenn nicht viele Unternehmen die Möglichkeit der Kurzarbeit genutzt hätten. „Nach dem aktuellen Stand rechneten für April 2.058 Betriebe für 11.997 Beschäftigte Kurzarbeit ab“, so Wegner. Damit wurde für rund 53 Prozent der Beschäftigten, für die Kurzarbeit angezeigt wurde, auch Kurzarbeit abgerechnet.

Die Beschäftigten waren nicht alle in gleichem Umfang von Kurzarbeit betroffen. „Zum Beispiel organisierten einige Unternehmen für ihre Arbeitnehmer die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten.“

Der Agenturleiter macht außerdem darauf aufmerksam, dass die Unternehmen, die bei der Arbeitsagentur Kurzarbeit angezeigt haben, den Bewilligungszeitraum im Blick behalten sollten. „Als es Mitte März zum Shutdown kam, konnte niemand absehen, wie lange dieser andauert und welche längerfristigen Auswirkungen er hat. Wir empfahlen daher den Unternehmen, ihre Anzeige für ein halbes Jahr zu stellen“, erklärt Wegner. Dieser Zeitraum endete im August.

Bei Bedarf müssten Unternehmen für September erneut Kurzarbeit anzeigen. „Das ist wichtig, denn die rechtzeitige Anzeige ist eine zwingende Voraussetzung, um später Kurzarbeitergeld abrechnen zu können“, erläutert Wegner.

Unternehmen können sich mit ihren Fragen an den Arbeitgeber-Service unter der kostenfreien Rufnummer 0800 4 5555 20 wenden.

 

Arbeitslosenquoten in den Geschäftsstellen

Anklam 10,4 Prozent, Greifswald 7,5 Prozent, Pasewalk 13,0 Prozent, Ueckermünde 10,7 Prozent, Wolgast 6,9 Prozent

 

Im Agenturbezirk entwickelte sich die Arbeitslosigkeit im Juli relativ einheitlich. In allen Regionen war im Vergleich zum Vorjahresmonat eine Zunahme zu verzeichnen. In der Geschäftsstelle Wolgast, wozu auch die Kaiserbäder gehören, wurde im Vorjahresvergleich mit einem Plus von 24,3 Prozent der höchste Anstieg registriert. Aktuell verzeichnet Wolgast mit 6,9 Prozent aber auch die niedrigste Arbeitslosenquote im Agenturbezirk.

In der Geschäftsstelle Greifswald fiel der Anstieg zum Vorjahresmonat mit 6,5 Prozent vergleichsweise gering aus.  

 

Unterschiede zwischen den Rechtskreisen im Vorjahresvergleich

SGB III            + 34,7 Prozent

SGB II             + 3,1 Prozent

 

Die Agentur für Arbeit (Rechtskreis SGB III, Arbeitslosenversicherung) betreute im August 3.967 Arbeitslose und damit 1.022 mehr als vor einem Jahr. Die Jobcenter (Rechtskreis SGB II, Grundsicherung) waren für 6.482 arbeitslose Personen verantwortlich, 197 mehr als im August 2019. 

 

Stellenmarkt

Im August hat der Arbeitgeber-Service 412 neue Arbeitsangebote eingeworben. Die Unternehmen aus der Region suchen aktuell für 2.016 Arbeitsstellen sofort eine Arbeitskraft.

Die größte Nachfrage stammt aus dem Gesundheits- und Sozialwesen (332), dem Hotel- und Gaststättenwesen (259), dem Handel (217) und dem verarbeitenden Gewerbe mit 194 Angeboten.

Dahinter verbergen sich ganz unterschiedliche Stellenangebote, von der Bestattungsfachkraft bis zur/zum Sterilisationsassistent/in.

 

Gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz

Seit Beginn des Berichtsjahres meldeten die Unternehmen dem Arbeitgeber-Service 1.765 freie Ausbildungsstellen. Aktuell sind noch 721 unbesetzt. Demgegenüber stehen 293 Jugendliche, die sich noch nicht aus der Berufsberatung abgemeldet haben. Insgesamt hatten sich seit Beginn des Ausbildungsjahres 1.211 Jungen und Mädchen bei der Berufsberatung ausbildungsuchend gemeldet.

 

„Jugendliche, die noch einen Ausbildungsplatz suchen, haben gute Chancen“, so Wegner. Gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer für das östliche Mecklenburg-Vorpommern und der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern lädt die Arbeitsagentur Jugendliche Anfang September nach Anklam, Greifswald und Torgelow ein. „Gemeinsam mit unseren Partnern vermitteln wir den direkten Kontakt zu den Unternehmen, die noch Azubis suchen“, verspricht Wegner. Die Unternehmen suchen neben zukünftigen Hotelfachleuten und Anlagenmechaniker*innen auch für unbekanntere Berufe, wie Fachkräfte für Wasserversorgungstechnik, Operationstechnische Assistent/innen und Werkstoffprüfer/innen im Bereich Metalltechnik.

 

In diesem Zusammenhang weist der Agenturleiter auch noch einmal auf die ‚Ausbildungsprämie‘ hin. Die Bundesregierung hat zur Unterstützung für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) während der Corona-Pandemie das Ausbildungsprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ ins Leben gerufen. Danach erhalten Unternehmen mit bis zu 249 Beschäftigten, die von der Corona-Krise erheblich betroffen sind, einen Zuschuss, wenn sie wie bisher ausbilden oder sogar zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen. Auch Betriebe, die ihre Azubis von der Kurzarbeit ausnehmen oder Azubis anderer Betriebe übernehmen, die pandemiebedingt Insolvenz anmelden mussten, können die Förderung erhalten.

Die Unternehmen stellen die Anträge bei der Agentur für Arbeit. Wegner macht darauf aufmerksam, dass die Finanzmittel für die Ausbildungsprämie begrenzt sind. „Unternehmen sollten keine Zeit verlieren und sich die Zuwendung jetzt -  mit dem Ausbildungsstart – sichern“, rät Wegner. Die Auszahlung erfolgt dann nach dem erfolgreichen Abschluss der Probezeit.

 

Ausblick

Üblicherweise tritt im September noch einmal eine Herbstbelebung ein. „Da uns die Covid-19 Pandemie aber voraussichtlich noch eine Zeit lang begleitet, lässt sich schwer vorhersagen, wie sich der Arbeitsmarkt in den folgenden Monaten weiterentwickelt“, so Wegner abschließend.