31.01.2019 | Presseinfo Nr. 8

Arbeitslosigkeit steigt aus jahreszeitlichen Gründen an

„Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit im Monat Januar ist saisonal üblich“, erläutert Heiko Miraß, Chef der Arbeitsagentur Greifswald, die aktuelle Entwicklung. Besonders kräftig fiel der Anstieg mit 810 bei den Männern aus, deutlich geringer, mit 437, bei den Frauen. „Die kalten Temperaturen der vergangenen Wochen hinterließen deutliche Spuren in den witterungsabhängigen gewerblichen Unternehmen“, so Miraß.

In diesem Zusammenhang macht der Agenturchef auch noch einmal auf das Saison-Kurzarbeitergeld, eine Leistung der Agentur für Arbeit Unternehmen im Baugewerbe, Garten- und Landschaftsbau, die Dachdecker und die Gerüstbauer. Sie können das Saison-Kurzarbeitergeld während der Schlechtwetterzeit in Anspruch nehmen und damit ihre Arbeitnehmer bei witterungsbedingten Arbeitsausfällen im Betrieb halten.
Im Vorjahresvergleich ist die Arbeitslosigkeit um 1.217 Personen beziehungsweise 9,3 Prozent gesunken. „Der Trend weist damit weiter in die richtige Richtung“, erklärt Miraß. Davon profitierten fast alle Personengruppen. So sank im Vergleich zum Januar 2018 beispielsweise die Zahl der arbeitslosen über 55-Jährigen um 8,6 Prozent und die Zahl der langzeitarbeitslos gemeldeten Menschen sogar um 21,9 Prozent.
 

„In einigen Unternehmen sind die Fachkräfte-Engpässe bereits jetzt schon deutlich zu spüren“, so Miraß. Aufgrund der anhaltend guten wirtschaftlichen Entwicklung rechnet er im Jahresverlauf mit weiter sinkenden Arbeitslosenzahlen. Auch die Auswirkungen des demografischen Wandels machen sich verstärkt auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. „Wir beobachten, dass der Bestand der offenen Stellen sowie die Vakanzzeit für Offerten in den letzten Monaten angestiegen sind“, erläutert Miraß.
Die Bundesagentur für Arbeit wertet halbjährlich im Rahmen der „Engpassanalyse“ die aktuelle Fachkräftesituation auf Bundes- und Landesebene aus. Die Übersicht zeigt für Mecklenburg-Vorpommern bereits Fachkräftemangel in unterschiedlichen Berufsbereichen auf. Beispielsweise wird es zunehmend schwerer, Fachkräfte in der Energietechnik, Klempnerei sowie Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, im Gesundheitswesen und der Altenpflege, aber auch in der Fahrzeug- und Schiffbautechnik zu finden.
Der Agenturchef appelliert daher an die Arbeitgeber, die sich abzeichnenden Personalbedarfe rechtzeitig zu melden. Die Mitarbeiter des Arbeitgeber-Service unterstützen dabei nicht nur im Rahmen der Vermittlung und bei der direkten Arbeitsaufnahme. „Bei vielen Beschäftigten schlummern noch Potentiale, die es gilt, zum Beispiel unterstützt durch eine Weiterbildung, auszuschöpfen“, weiß Miraß. „Dazu müssen wir so früh wie möglich mit den Arbeitgebern ins Gespräch kommen. Nur so können wir langfristig gemeinsam Personalentwicklung vorantreiben“, so Miraß.
Im Berichtsmonat befanden sich 851 Personen in einer beruflichen Weiterbildung. Das sind 121 mehr als im Vorjahr. 647 Beschäftigungsverhältnisse wurden mit einem Eingliederungszuschuss beziehungsweise Gründungszuschuss gefördert.

 

Arbeitslosenquoten in den Geschäftsstellen  
Anklam 12,7 Prozent, Greifswald 8,2 Prozent, Pasewalk 13,4 Prozent, Ueckermünde 11,0 Prozent, Wolgast 10,8 Prozent

In allen Geschäftsstellen konnte im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang des Bestandes an arbeitslos gemeldeten Frauen und Männern verbucht werden. In den Regionen Anklam, Wolgast und Ueckermünde fiel der Rückgang mit minus 12,2 und 11,4 beziehungsweise minus 10,4 Prozent am deutlichsten aus.
„Der Saisonverlauf in der Geschäftsstelle Wolgast, wozu die Insel Usedom gehört, ist schon bemerkenswert. Der Arbeitsmarkt dort unterliegt den größten Schwankungen in unserem Landkreis“, erläutert Miraß. Im September 2018 haben wir dort mit 6,1 Prozent die bislang niedrigste Arbeitslosenquote registrieren können. Damals waren 1.398 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Aktuell sind es 2.464 Menschen.

 

Unterschiede zwischen den Rechtskreisen im Vorjahresvergleich

Die Agentur für Arbeit (Rechtskreis SGB III, Arbeitslosenversicherung) betreute im Januar 4.765 Arbeitslose und damit 314 weniger als vor einem Jahr. Die Jobcenter (Rechtskreis SGB II, Grundsicherung) waren für 7.143 arbeitslose Personen verantwortlich, 903 weniger als im Vorjahresmonat.

SGB III         - 6,2 Prozent
SGB II          - 11,2 Prozent 
 
Stellenmarkt

Im Januar wurden 517 neue Arbeitsangebote durch den Arbeitgeberservice akquiriert. Insgesamt betreuen die Vermittlerinnen und Vermittler des Arbeitgeberservice aktuell 2.062 offene Arbeitsstellen.
Die größte Nachfrage stammt aus dem Bereich der Arbeitnehmerüberlassung (386). Diese Stellen doppeln sich jedoch zum Teil mit den Bedarfen aus dem Gesundheits- und Sozialwesen (263), aber auch dem Gastgewerbe (257), dem verarbeitenden Gewerbe (235), und dem Handel mit 216 Offerten.

 

Ausblick

In den Wintermonaten rechnet der Arbeitsmarktexperte mit nur wenig Bewegung auf dem Arbeitsmarkt. „In den vergangenen vier Jahren war der Januar der Monat mit der höchsten Arbeitslosigkeit“, so Heiko Miraß. Erfahrungsgemäß sei für den Saisonstart in der Gastronomie der Termin des Osterfestes entscheidend, der dieses Jahr erst im April liegt. Sofern es die Temperaturen zulassen, rechnet der Arbeitsmarktexperte aber bereits für den März mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit.