31.03.2020 | Presseinfo Nr. 19

Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie belasten den Arbeitsmarkt

Die momentane Situation ist auch auf dem Arbeitsmarkt aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus aber alles andere als normal. Seit mehr als zwei Wochen gelten zum Schutz der Bevölkerung strikte Maßnahmen, um die Verbreitung des Corona-Virus einzudämmen.

„Die Firmen befinden sich aktuell in einer wirtschaftlich schwierigen Lage und viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind verunsichert“, so Andreas Wegner, Chef der Arbeitsagentur Greifswald. Die angeordneten Schutzmaßnahmen und Lieferengpässe verursachen vielerorts Arbeitsausfälle. „Die aktuellsten Arbeitsmarktzahlen spiegeln die momentane Situation allerdings nicht wider“, so Wegner.

 

Der Schwerpunkt der Arbeit der Arbeitsagenturen liege daher aktuell in der telefonischen Beratung von Arbeitgebern, die wegen Arbeitsausfällen Kurzarbeit anzeigen müssen. „Es gibt fast keine Branche, die nicht betroffen ist“, so Wegner. Viele Unternehmen haben bereits Kurzarbeit bei der Arbeitsagentur anzeigt. Die meisten Anzeigen seien nach dem 16. März eingegangen, nachdem die Maßnahmen gegen die Corona-Ausbreitung verkündet wurden. Wegner erläutert, dass sich das Verfahren zur Kurzarbeit in zwei wesentliche Teile gliedert. „Zunächst zeigen die Unternehmen Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit an. Ohne Anzeige ist keine Förderung von Kurzarbeit möglich. Die Arbeitsagentur entscheidet dann, ob die Voraussetzungen für die Gewährung von Kurzarbeitergeld grundsätzlich vorliegen. Anschließend - regelmäßig im Folgemonat - beantragen die Firmen dann bei der Arbeitsagentur die Auszahlung der konkreten Förderung“, erklärt der Agenturchef. Dafür hätten die Unternehmen grundsätzlich drei Monate Zeit. „Eine Aussage darüber, wie viele Unternehmen in welchem Umfang dann tatsächlich Kurzarbeit abgerechnet haben, ist daher frühestens im Mai möglich“, so Wegner.

 

„Die Anzeigen sind innerhalb kürzester Zeit stark gestiegen, daher konnten bislang nicht alle eingegangenen Anzeigen schon in den IT-Systemen der Bundesagentur für Arbeit erfasst und damit auch den Regionen zugeordnet werden“, erklärt Wegner. Um in dieser besonderen Situation dennoch aktuelle Daten vorlegen zu können, gab es einen Sonderabgriff der geprüften und erfassten Anzeigen zum Monatsende. „Aus diesem Wert und den Anzeigen, die uns schon vorliegen, aber noch nicht elektronisch erfasst wurden, wurde nun auf die tatsächlich vorliegenden Anzeigen geschlossen“, so Wegner. Für den Agenturbezirk Greifswald geht man aktuell von 1.926 Anzeigen auf Kurzarbeit aus. Zugleich können zum jetzigen Zeitpunkt auch Doppelungen (Zugang über Post/Mail/Website) nicht ausgeschlossen werden.

 

„Kurzarbeitergeld ist zwar eine Leistung der Arbeitslosenversicherung, allerdings bleiben die Arbeitnehmer weiterhin im Unternehmen beschäftigt, obwohl sie nicht voll ausgelastet sind“, erläutert Wegner. Er wirbt daher auch für den Einsatz dieses Instruments. „Mit dem Kurzarbeitergeld können die Unternehmen ihre Fachkräfte in dieser schwierigen Situation halten, die sie nach der Krise dringend benötigen“, so Wegner.

 

„Im Moment setzen wir alles daran, den regionalen Arbeitgeber mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und die Kurzarbeit-Anzeigen schnellstmöglich zu bearbeiten, um die Leistungen auszahlen zu können. Wir haben hierzu unser Personal in den jeweiligen Bereichen deutlich aufgestockt. Wir wollen damit die finanziellen Auswirkungen der Arbeitsausfälle zumindest mildern und den Arbeitsmarkt stabilisieren“ so Wegner.  

 

Für den April rechnet die Arbeitsagentur dennoch mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. „Üblicherweise zieht unser Arbeitsmarkt vor Ostern noch einmal deutlich an“, so Wegner. Das sei in diesem Jahr nicht zu erwarten. „Viele Kundinnen und Kunden, die im Zeitraum vor Ostern eingestellt werden sollten, werden voraussichtlich erst später eine Chance auf dem Arbeitsmarkt erhalten“, prognostiziert Wegner. Hiervon sind insbesondere Frauen und Männer betroffen, die regelmäßig im Hotel- und Gaststättengewerbe und anderen Branchen mit saisonalen Schwerpunkten arbeiten. Dazu werden weitere neue Arbeitslosmeldungen erwartet, da vielfach Kündigungen von betroffenen Arbeitnehmern erst in der Zukunft wirksam werden.

Andererseits gibt es auch viele Unternehmen, zum Beispiel im Lebensmittelhandel und in der Landwirtschaft, die auch jetzt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter suchen. Diese Angebote können auch für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Betracht kommen, die sich in Kurzarbeit befinden. Der Gesetzgeber hat hier die Vorschriften für die Einkommensanrechnung im Sinne der Betroffenen verbessert.