30.04.2020 | Presseinfo Nr. 25

Auswirkungen der Corona-Krise lassen Arbeitslosigkeit ansteigen

Im Landkreis Vorpommern-Greifswald waren im April 10.904 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Das sind 680 Personen beziehungsweise 6,7 Prozent mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 9,4 Prozent.

Die Auswirkungen des Corona-Virus bestimmen die aktuelle Lage am Arbeitsmarkt in Vorpommern-Greifswald ebenso wie ganz Deutschland. „Der plötzliche und gravierende Einbruch der Wirtschaft durch verschiedene Schutzmaßnahmen versetzte den Arbeitsmarkt in einen Ausnahmezustand“, so Andreas Wegner, Leiter der Arbeitsagentur Greifswald. Es gäbe kaum eine Branche, die nicht von den Auswirkungen betroffen ist, berichtet er. „Innerhalb kürzester Zeit verursachten die angeordneten Schutzmaßnahmen und Störungen in den Lieferketten vielerorts Arbeitsausfälle.“ Auch viele Dienstleistungen wurden nicht oder deutlich weniger in Anspruch genommen.

 

„Der aktuelle Anstieg der Arbeitslosigkeit ist im Wesentlichen auf die ausgebliebenen Abmeldungen in Arbeit, den Anstieg von Arbeitslosmeldungen und das reduzierte Angebot an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen zurückführen“, so Wegner. Betroffen sind alle Alters- und Personengruppen, vor allem junge Menschen unter 25 Jahre. Bei ihnen stieg die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat um 12,1 Prozent, auf aktuell 1.072 arbeitslose Jugendliche.

 

Von den Auswirkungen der Schutzmaßnahmen ist sicher der Tourismus, mit dem Gastgewerbe und angrenzenden Dienstleistungsbereichen am stärksten betroffen. Aber auch Beschäftigte aus dem Baugewerbe, verarbeitenden Gewerbe, Verkehr und Lagerei sowie aus dem Handel – sofern sie nicht im Lebensmittelhandel arbeiten – meldeten sich im April arbeitslos.

Unterschiede zwischen den Rechtskreisen im Vorjahresvergleich

 

Die Agentur für Arbeit (Rechtskreis SGB III, Arbeitslosenversicherung) betreute im April 4.214 Arbeitslose und damit 888 mehr als vor einem Jahr. Die Jobcenter (Rechtskreis SGB II, Grundsicherung) waren für 6.690 arbeitslose Personen verantwortlich, drei mehr als im April 2019. 

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit bildet sich erwartungsgemäß im Bereich der Arbeitslosenversicherung ab. Er ist also insbesondere durch jene bedingt, die zuvor noch in Arbeit waren.

 

SGB III         + 26,7 Prozent

SGB II          + 0,0 Prozent

 

Kurzarbeit

 

Gleich zu Beginn des Shutdowns warb die Arbeitsagentur bei den Unternehmen intensiv dafür, Kurzarbeit in Anspruch zu nehmen. „Mit ihrer Anzeige sicherten sich (bis zum 26.04.2020) 2.471 Unternehmen aus Vorpommern-Greifswald die Möglichkeit, Kurzarbeitergeld für 21.328 Arbeitskräfte ganz oder teilweise zu erhalten“, so Wegner. Es sei für betroffene Unternehmen die beste Möglichkeit, ihre Fachkräfte in dieser schwierigen Situation halten und nach der Krise schnell wieder durchstarten zu können. „Es gehen auch aktuell noch Anzeigen auf Kurzarbeit ein, aber auf einem viel geringeren Niveau als Ende März oder den ersten Aprilwochen“, so Wegner.

Eine Aussage, in welchem Umfang die Kurzarbeit dann auch tatsächlich in Anspruch genommen wurde, ist momentan nicht möglich. „Mit der Anzeige wird die Kurzarbeit sozusagen angemeldet. Mit der Abrechnung – regelmäßig im Folgemonat – beantragt das Unternehmen die Auszahlung der Förderung für die tatsächlich in Anspruch genommene Kurzarbeit“, so Wegner. Dafür hätten die Unternehmen bis zu drei Monate Zeit.

 

Nach derzeitigem Stand hat gut jeder dritte Betrieb in Vorpommern-Greifswald, in dem mindestens ein Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist, Kurzarbeit angezeigt. Im Landkreis gibt es insgesamt rund 7.000 Betriebe mit insgesamt circa 84.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (Stand 30.06.2019 bzw. 30.09.2019). 

Die Anzeigen stammen aus nahezu allen Branchen, angeführt von dem Hotel- und Gaststättengewerbe.

 

Zwischenzeitlich wurden Einschränkungen vereinzelt gelockert und beispielsweise der Einzelhandel wieder weitgehend geöffnet. „Dennoch stehen viele Unternehmen unter massiven Druck und leiden unter den Arbeitsausfällen sowie der eingebrochenen Nachfrage“, so Wegner.

Für die Arbeitsagentur hat die Auszahlung von Geldleistungen daher weiterhin eine sehr hohe Priorität. „Im Moment arbeiten wir weiter daran, Kurzarbeit-Auszahlungsanträge und eingehende Anträge auf Arbeitslosengeld I und II schnellstmöglich zu bearbeiten. Die Arbeitsagentur und die Jobcenter haben hierfür das Personal in den jeweiligen Bereichen deutlich aufgestockt“, erläutert Wegner.

 

Stellenmarkt

Die Nachfrage nach Arbeitskräften hat im April deutlich abgenommen. Aber es gibt Unternehmen, zum Beispiel im Lebensmittelhandel, in Bereichen des Baugewerbes, im Gesundheitswesen und in der Landwirtschaft, die auch jetzt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter suchen.

Diese Angebote können auch für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Betracht kommen, die sich in Kurzarbeit befinden. Der Gesetzgeber hat hier die Vorschriften für die Einkommensanrechnung im Sinne der Betroffenen verbessert.      

Dem Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und den Jobcentern wurden im April insgesamt 297 neue Arbeitsangebote gemeldet.  

Ausblick

„Eine Prognose ist aktuell kaum möglich“, so Wegner. Zu groß sei die Unsicherheit über den Fortgang der Pandemie und des Öffnungspfades.