03.06.2020 | Presseinfo Nr. 28

Arbeitslosigkeit im Landkreis Vorpommern-Greifswald weiter unter 10 Prozent

Die Zahl der arbeitslosen Menschen ist von April zu Mai jahresuntypisch, aber moderat angestiegen. „Aufgrund der Folgewirkungen der Covid-19 Pandemie ist die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern auch im Monat Mai deutlich zurückgegangen“, erklärt Andreas Wegner, Leiter der Agentur für Arbeit Greifswald. Naturgemäß reduzieren Arbeitgeber zunächst die Kurzarbeit für ihre Stammkräfte, bevor sie neue Beschäftigte einstellen. Die Stellenmeldungen sind daher im Vergleich zum Vorjahr um gut ein Drittel zurückgegangen. Außerdem befanden sich vor einem Jahr fast 1.000 Personen mehr in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen*. Diese Maßnahmen können heute nur unter veränderten Rahmenbedingungen, insbesondere höheren Ansprüchen an die Hygienevorschriften, durchgeführt werden.  
Betroffen von der höheren Arbeitslosigkeit sind alle Alters- und Personengruppen, vor allem junge Menschen unter 25 Jahre. Bei ihnen stieg die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahresmonat um 34 Prozent, auf aktuell 1.123 arbeitslose Jugendliche. Die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen lag im Mai bei 12,3 Prozent.

Dass die Arbeitslosigkeit nicht stärker gestiegen ist und weiter unter 10 Prozent liege, ist auf die hohe Inanspruchnahme von Kurzarbeit zurückzuführen. „Viele Unternehmen konnten und können mit Hilfe der Kurzarbeit ihr Personal halten und Entlassungen vermeiden“, so Wegner.   

Im Mai gingen bei der Agentur für Arbeit Greifswald 111 Anzeigen auf Kurzarbeit ein (Stand 27.05.2020). „Damit sicherten sich seit März dieses Jahres 2.694 Unternehmen aus Vorpommern-Greifswald die Möglichkeit, Kurzarbeit für 23.488 Beschäftigte ganz oder teilweise zu erhalten“, erklärt Wegner. Nach derzeitigem Stand wurde damit für rund 28 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Kurzarbeit angezeigt.

Die Anzeigen stammen aus nahezu allen Branchen, angeführt von dem Hotel- und Gaststättengewerbe, dem Handel, verarbeitenden Gewerbe, Gesundheitswesen und dem Baugewerbe.

 

Eine konkrete Analyse, wie viele Beschäftigte tatsächlich von Kurzarbeit betroffen sind, zeigt sich erst mit einer Zeitverzögerung. Denn, plant ein Unternehmen Kurzarbeit, muss es das im ersten Schritt bei der Agentur für Arbeit anzeigen. Wenn anschließend tatsächlich kurzgearbeitet wird, kann der Betrieb innerhalb von 3 Monaten die Abrechnung einreichen. Erst dann stehen auch endgültige Daten bereit, wie viele Personen in welchem Umfang kurzgearbeitet haben.

 

 

Arbeitslosenquoten in den Geschäftsstellen

Anklam 11,3 Prozent, Greifswald 7,6 Prozent, Pasewalk 13,0 Prozent, Ueckermünde 11,7 Prozent, Wolgast 9,0 Prozent

Im Agenturbezirk entwickelte sich die Arbeitslosigkeit im Mai relativ einheitlich. In allen Regionen war im Vergleich zum Vorjahresmonat eine Zunahme zu verzeichnen. In der Geschäftsstelle Wolgast, wozu auch die Kaiserbäder gehören, wurde der höchste Anstieg registriert. In der Geschäftsstelle Greifswald fiel der Anstieg vergleichsweise gering aus. Hier stieg der Bestand an arbeitslosen Personen gegenüber dem Vorjahresmonat um 9,4 Prozent. 

Unterschiede zwischen den Rechtskreisen im Vorjahresvergleich

Die Agentur für Arbeit (Rechtskreis SGB III, Arbeitslosenversicherung) betreute im Mai 4.289 Arbeitslose und damit 1.325 mehr als vor einem Jahr. Die Jobcenter (Rechtskreis SGB II, Grundsicherung) waren für 7.009 arbeitslose Personen verantwortlich, 425 mehr als im Mai 2019.

 

SGB III         + 44,7 Prozent

SGB II          + 6,5 Prozent

 

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit bildet sich erwartungsgemäß im Bereich der Arbeitslosenversicherung ab. Er ist also insbesondere durch jene bedingt, die zuvor in auskömmlicher Arbeit waren.

Im Rahmen des Zweiten Sozialschutz-Pakets haben Bundesrat und Bundestag beschlossen, Arbeitslosengeld als Versicherungsleistung drei Monate länger auszuzahlen. Das gilt für alle, deren Anspruch zwischen dem 1. Mai und dem 31. Dezember 2020 endet. In Vorpommern-Greifswald könnten nach aktuellem Stand insgesamt ca. 1.770 Personen von dieser Regelung profitieren. „Für unsere Kundinnen und Kunden ist dies im Hinblick auf die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt eine gute Lösung, um die wirtschaftlichen Folgen der Covid-19 Pandemie abzumildern und den eventuell anstehenden Übergang zum Arbeitslosengeld II möglichst zu verhindern“, so Wegner. Alle Betroffenen werden von der Arbeitsagentur angeschrieben. „Die Kundinnen und Kunden selbst müssen nichts weiter unternehmen“, so Wegner. Auch diejenigen, deren Anspruch auf Arbeitslosengeld bereits seit dem 1. Mai 2020 ausgelaufen ist, erhalten automatisch ein Weiterbewilligungsschreiben. „Das geschieht unabhängig davon, ob sie bereits Arbeitslosengeld II beim Jobcenter beantragt haben oder sogar bereits Leistungen nach dem SGB II beziehen. Auch in diesen Fällen müssen sich die Kundinnen und Kunden nicht bei der Arbeitsagentur melden“, erklärt der Agenturchef. Sofern es notwendig ist, verrechnen Jobcenter und Arbeitsagentur die Leistungen miteinander.

 

Die Jobcenter registrierten im Berichtsmonat 15.228 erwerbsfähige Leistungsberechtige. Damit sank die Zahl der erwerbsfähigen Personen, die Anspruch auf Grundsicherung haben, im Jahresvergleich -trotz der aktuellen Pandemie- um 626. 

 

 

Stellenmarkt

Die Nachfrage nach Arbeitskräften lag im Mai wieder etwas höher als im April, bewegt sich aber weiterhin auf einem niedrigen Niveau. Dem Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und den Jobcentern wurden im Berichtsmonat insgesamt 377 neue Arbeitsangebote gemeldet. Das sind 182 beziehungsweise 32,6 Prozent weniger als vor einem Jahr. „Viele Unternehmen mussten ihre Arbeit nahezu einstellen und können ihre Türen jetzt langsam wieder öffnen“, erläutert Wegner.

 

Die meisten Stellenzugänge im Mai stammten aus dem Gesundheits- und Sozialwesen (93), dem Gastgewerbe (52), dem Handel (33), dem Baugewerbe (31) sowie der öffentlichen Verwaltung und Sozialversicherung mit 31 neu gemeldeten Stellen.

 

 

Ausblick

Der Tourismus und die angrenzenden Dienstleistungsbereiche waren mit am stärksten von den Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Covid-19 Pandemie betroffen. Nach den ersten Lockerungen vermeldete die Tourismusbranche für Pfingsten bereits eine gute Auslastung. Die meisten Häuser und Campingplätze seien bis zu den erlaubten 60 Prozent ausgelastet gewesen.  „Die Auswirkungen der neusten Lockerungen werden wir aber frühestens an den Juni-Daten ablesen können“, so Wegner. Der Arbeitsmarktexperte geht aber auch davon aus, dass die Covid-19 Pandemie Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlässt.

* Die statistischen Daten enthalten ab Berichtsmonat April 2020 im Bestand die unveränderten Förderungen, die unterbrochenen Förderungen sowie auch Förderungen, die in alternativer Form weitergeführt werden können. Ein getrennter statistischer Nachweis ist nicht möglich. Zudem werden die vorläufigen Ergebnisse nicht mehr hochgerechnet, da die Hochrechnung auf Erfahrungswerten der Vergangenheit basiert und diese nicht auf die gegenwärtige Situation angewendet werden können. Dies muss bei den Vorjahresvergleichen berücksichtigt werden.