01.07.2020 | Presseinfo Nr. 32

Arbeitsmarkt in Vorpommern-Greifswald nimmt wieder Fahrt auf

Im April und Mai stieg die Arbeitslosigkeit wegen der Covid-19 Pandemie an. Mit den weitergehenden Lockerungen entspannte sich nun im Juni die Lage am Arbeitsmarkt. „Der Arbeitsmarkt nimmt wieder an Fahrt auf“, so Andreas Wegner, Leiter der Arbeitsagentur Greifswald. „Die Wirtschaft erholt sich langsam, Unternehmen können ihre Beschäftigten sukzessive aus der Kurzarbeit zurückholen und sie stellen wieder mehr ein“, erläutert Wegner.

Der Tourismus und die angrenzenden Dienstleistungsbereiche waren mit am stärksten von den Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Covid-19 Pandemie betroffen. „Das Hotel- und Gastgewerbe erholt sich langsam wieder. Einstellungen, die üblicherweise im Frühling für einen Rückgang der Arbeitslosigkeit sorgen, werden nun schrittweise nachgeholt“, erklärt er. Insgesamt nahmen im Juni 800 Menschen eine Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt auf, fast doppelt so viele wie im Vormonat. Gleichzeitig geht auch die Zahl der Personen zurück, die sich aufgrund von Entlassungen oder Aufgabe ihrer selbstständigen Erwerbstätigkeit arbeitslos melden müssen.

Von dem positiven Trend profitieren alle Personengruppen.

 

Im Vorjahresvergleich stieg die Arbeitslosigkeit Corona-bedingt an. Im Juni 2019 waren 9.350 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet, 1.554 beziehungsweise 16,6 Prozent weniger als im aktuellen Berichtsmonat. Die Arbeitslosenquote lag damals bei 8,1 Prozent.

 

Kurzarbeit

 

Im Landkreis Vorpommern-Greifswald haben seit Beginn der Krise insgesamt 2.746 Betriebe Kurzarbeit für 24.982 Beschäftigte angemeldet. „Die Anzahl der Anzeigen ist seit Mai deutlich zurückgegangen. Im Juni registrierte die Agentur für Arbeit Greifswald lediglich 37 neue Anzeigen auf Kurzarbeit“, so Wegner. Nach derzeitigem Stand wurde damit für rund 30 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Landkreis Kurzarbeit angezeigt.

Die Anzeigen stammen aus nahezu allen Branchen, angeführt von dem Hotel- und Gaststättengewerbe, dem verarbeitenden Gewerbe, dem Handel, dem Gesundheitswesen und dem Baugewerbe.

Im April gingen mit rund 1.790 Anzeigen die meisten Anmeldungen auf Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit Greifswald ein. Die Unternehmen müssten jetzt darauf achten, dass sie die Erstattung für das im April ausgezahlte Kurzarbeitergeld bis zum 31. Juli bei der Agentur für Arbeit beantragt haben und der Leistungsantrag in der Arbeitsagentur auch eingegangen ist, so der Hinweis des Agenturleiters. „Eine wichtige Frist, die keine Ausnahmen zulässt“, betont Wegner.

 

Arbeitslosenquoten in den Geschäftsstellen

 

Anklam 10,9 Prozent, Greifswald 7,5 Prozent, Pasewalk 13,1 Prozent, Ueckermünde 11,6 Prozent, Wolgast 7,8 Prozent

 

Im Agenturbezirk entwickelte sich die Arbeitslosigkeit im Juni relativ einheitlich. In allen Regionen war im Vergleich zum Vorjahresmonat eine Zunahme zu verzeichnen. In der Geschäftsstelle Wolgast, wozu auch die Kaiserbäder gehören, wurde der höchste Anstieg registriert. Mit minus 13,5 Prozent sank allerdings hier auch die Arbeitslosigkeit im Verglich zum Vormonat am stärksten.

In der Geschäftsstelle Greifswald fiel der Anstieg vergleichsweise gering aus. Hier stieg der Bestand an arbeitslosen Personen gegenüber dem Vorjahresmonat um 8,6 Prozent. 

 

Unterschiede zwischen den Rechtskreisen im Vorjahresvergleich

 

Die Agentur für Arbeit (Rechtskreis SGB III, Arbeitslosenversicherung) betreute im Juni 3.986 Arbeitslose und damit 1.188 mehr als vor einem Jahr. Die Jobcenter (Rechtskreis SGB II, Grundsicherung) waren für 6.918 arbeitslose Personen verantwortlich, 366 mehr als im Juni 2019.

 

SGB III         + 42,5 Prozent

SGB II          + 5,6 Prozent

 

Im Vergleich zum Vormonat ist die Arbeitslosigkeit in beiden Rechtskreisen gesunken. Von dem positiven Trend profitierten mit einem Rückgang von über 300 Arbeitslosen insbesondere Personen aus dem Bereich der Arbeitslosenversicherung.

Stellenmarkt

 

Die Nachfrage nach Arbeitskräften zog im Juni wieder an. Sie liegt zwar mit 420 neu gemeldeten Arbeitsangeboten noch unter dem Vorjahr, aber gegenüber dem Vormonat konnte ein Plus von 11,4 Prozent verzeichnet werden. Der Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter betreut aktuell 2.234 Stellenagebote.

„Viele Unternehmen mussten ihre Arbeit nahezu einstellen und auch mit Einstellungsstopps auf die Covid-19 Pandemie reagieren. Außerdem verzögerten sich Bewerbungsprozesse Corona-bedingt und können nun nachgeholt beziehungsweise abgeschlossen werden“, erläutert Wegner.

 

Die meisten Stellenzugänge im Juni stammten aus dem verarbeitenden Gewerbe (63), dem Gastgewerbe (55), dem Handel (47), dem Gesundheits- und Sozialwesen (44) sowie der öffentlichen Verwaltung und Sozialversicherung mit 38 neu gemeldeten Stellen.

 

Ausbildungsmarkt

 

Seit Oktober letzten Jahres haben sich 1.111 Mädchen und Jungen als Bewerber um einen Ausbildungsplatz bei der Agentur für Arbeit oder den Jobcentern im Landkreis Vorpommern-Greifswald gemeldet. Insgesamt 508 Jugendliche waren im Juni noch auf der Suche nach einer Lehrstelle.

Auf der anderen Seite registrierte die Arbeitsagentur Greifswald 1.712 betriebliche Ausbildungsstellen, 940 seien noch offen. „Die Unternehmen in unserer Region suchen weiterhin intensiv nach Fachkräften“, weiß Wegner. Rein rechnerisch kommen auf einen gemeldeten Jugendlichen 1,5 Ausbildungsstellen.

Der Ausbildungsmarkt bietet vielfältige Möglichkeiten. Insgesamt gibt es über 400 verschiedene Ausbildungsberufe. In Vorpommern-Greifswald bilden die Betriebe weit über 100 davon aus. Darunter auch unbekanntere Berufe wie Baugeräteführer*in, Gießereimechaniker*in, Gesundheitsaufseher*in, Glaser*in, operationstechnische Assistenten, Präzisionswerkzeugmechaniker*in, Segelmacher*in und Textilreiniger*in. „Welche Möglichkeiten Jugendliche tatsächlich haben, wissen nur die wenigsten“, so Wegner. Er rät daher jungen Leuten, sich mit der Berufsberatung der Arbeitsagentur in Verbindung zu setzen. „Die Berufsberatung hilft jungen Menschen dabei, den richtigen Beruf zu finden und unterstützt sie bei der Suche eines Ausbildungsplatzes“, bietet der Agenturchef an.

Laut Wegner sei es für eine Berufsausbildung nie zu spät. „Auch für junge Erwachsene über 25 Jahre ist ein Berufsabschluss ein lohnendes Ziel“, so Wegner. Schließlich würden vor ihnen noch etwa 30 bis 40 Jahre Arbeitsleben liegen. „Außerdem genießen ausgebildete Fachkräfte einen deutlich höheren Schutz gegen Arbeitslosigkeit und verdienen mehr.“

 

Jugendliche können bundesweit unter der kostenlosen Service-Nummer 0800 5 4444 00 einen Termin bei der Berufsberatung vereinbaren.

Arbeitgeber, die noch Auszubildende suchen, können sich gern an den Arbeitgeber-Service unter der kostenfreien Rufnummer 0800 5 4444 20 wenden.

 

Ausblick

 

„Auch, wenn in der nächsten Zeit keine ‚neue Normalität‘ zu erwarten ist, zeigt der Arbeitsmarkt erste positive Signale“, so Wegner. Aus Gesprächen mit Unternehmern weiß er, dass Einstellungen nachgeholt und nach und nach umgesetzt werden. „Die Tourismusbranche in Mecklenburg-Vorpommern profitiert im Moment von Urlaubern, die den Sommer an Deutschlands Küsten verbringen möchten.“ Der Arbeitsmarktexperte geht aber auch davon aus, dass die Covid-19 Pandemie Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlässt. Dabei komme es aber auch darauf an, wie lange die Saison anhalte und welche Möglichkeiten sich Urlaubern im Herbst bieten werden.