30.07.2020 | Presseinfo Nr. 35

Arbeitsmarkt atmet durch: Arbeitslosigkeit im Juli noch einmal leicht gesunken

„Nach den ersten positiven Signalen im Juni, setzt sich die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt fort“, so Andreas Wegner, Leiter der Arbeitsagentur Greifswald. Der Juli und der August sind üblicherweise ruhige Monate am Arbeitsmarkt. Die Ferien, Kündigungen zum Quartalsende und Jugendliche, die sich nach dem Ende von Ausbildung und Studium vorübergehend arbeitslos melden müssen, lassen den Arbeitsmarkt stagnieren.

„In diesem Jahr holten im Juli insbesondere Unternehmen aus der Tourismusbranche Einstellungen nach“, so Wegner. Vor allem die Insel Usedom profitiere im Moment von Urlaubern und Einheimischen, die ihren Sommer an der Küste verbringen.

Gegenüber dem Juli des Vorjahres waren 1.396 mehr Menschen auf der Suche nach einem Job. Die Arbeitslosenquote betrug damals 8,1 Prozent. „Die Covid-19 Pandemie hat deutliche Spuren auf dem vorpommerschen Arbeitsmarkt hinterlassen“, so Wegner. Allerdings würden die Vorjahresabstände kontinuierlich geringer. Im Mai dieses Jahres waren im Vergleich zum Vorjahr noch 1.750 Menschen mehr arbeitslos gemeldet. „Die Arbeitslosigkeit liegt mit aktuell 10.729 arbeitslos gemeldeten Männern und Frauen auf dem Niveau vom Juli 2017“, erklärt Wegner. 

Bei allen Alters- und Personengruppen wurden Anstiege bei der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahresmonat verzeichnet. Mit +19,3 Prozent sind junge Menschen unter 25 Jahre deutlich stärker betroffen als Personen über 50 Jahre mit +12,6 Prozent.

 

Identifizierung ohne Behördengang: Arbeitsagentur bietet Selfie-Ident-Verfahren an

Normalerweise ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass man sich persönlich bei der zuständigen Agentur für Arbeit arbeitslos melden muss, um Arbeitslosengeld zu beziehen. In der Zeit der Pandemie kann dies auch telefonisch oder online geschehen. Die Identitätsprüfung muss allerdings nachgeholt werden.

Die Bundesagentur für Arbeit hat ihren Online-Service nun erweitert und bietet die Identifikationsprüfung als App an. „Mit dem sogenannten ‚Selfie-Ident-Verfahren‘ erfolgt die notwendige Identifikation über Handy oder Tablet - ohne persönliches Erscheinen der Kunden in den Agenturen“, wirbt Wegner.

Alle Kundinnen und Kunden, die dieses Verfahren nutzen können, werden in diesen Tagen angeschrieben.

 

Kurzarbeit

Im Landkreis Vorpommern-Greifswald haben seit Beginn der Covid-19 Pandemie 2.771 Betriebe Kurzarbeit für 26.493 Beschäftigte angemeldet. Im März sicherten sich die Arbeitgeber mit ihrer Anzeige die Möglichkeit, Kurzarbeit für 8.592 Beschäftigte ganz oder teilweise zu nutzen.

„Ein Unternehmen hat drei Monate Zeit, das ausgezahlte Kurzarbeitergeld bei der Agentur für Arbeit abzurechnen, um dieses dann erstattet zu bekommen“, erklärt Wegner. Die ersten Corona-bedingten Anzeigen auf Kurzarbeit wurden ab Mitte März gestellt. Deren Abrechnung musste bis zum 30. Juni bei den Agenturen für Arbeit eingegangen sein. 

„Nach dem aktuellen Stand rechneten für März 1.203 Betriebe für 6.114 Beschäftigte Kurzarbeit ab“, so Wegner. Damit wurde für 71 Prozent der Beschäftigten, für die Kurzarbeit angezeigten wurde, auch Kurzarbeit abgerechnet. Eine Aussage dazu, im welchem Umfang der einzelne Arbeitnehmer von Kurzarbeit betroffen war, ist allerdings momentan nicht möglich“, so Wegner weiter.

 

Arbeitslosenquoten in den Geschäftsstellen

Anklam 10,8 Prozent, Greifswald 7,6 Prozent, Pasewalk 13,0 Prozent, Ueckermünde 11,1 Prozent, Wolgast 7,2 Prozent

 

Im Agenturbezirk entwickelte sich die Arbeitslosigkeit im Juli relativ einheitlich. In allen Regionen war im Vergleich zum Vorjahresmonat eine Zunahme zu verzeichnen. In der Geschäftsstelle Wolgast, wozu auch die Kaiserbäder gehören, wurde im Vorjahresvergleich mit einem Plus von 30,1 Prozent der höchste Anstieg registriert. Aktuell verzeichnet Wolgast mit 7,2 Prozent aber auch die niedrigste Arbeitslosenquote im Agenturbezirk.

In der Geschäftsstelle Greifswald fiel der Anstieg vergleichsweise gering aus. Der Arbeitsmarkt hält sich relativ stabil. Die Arbeitslosenquote lag im Juli 2019 bei 7,4 Prozent. 

 

Unterschiede zwischen den Rechtskreisen im Vorjahresvergleich

SGB III                   + 38,6 Prozent

SGB II                    + 4,0 Prozent

 

Die Agentur für Arbeit (Rechtskreis SGB III, Arbeitslosenversicherung) betreute im Juli 4,089 Arbeitslose und damit 1.139 mehr als vor einem Jahr. Die Jobcenter (Rechtskreis SGB II, Grundsicherung) waren für 6.640 arbeitslose Personen verantwortlich, 257 mehr als im Juli 2019. 

 

Stellenmarkt

Im Juli hat der Arbeitgeber-Service 428 neue Arbeitsangebote eingeworben. Die Unternehmen aus der Region suchen aktuell für 2.056 Arbeitsstellen sofort eine Arbeitskraft.

Die größte Nachfrage stammt aus dem Gesundheits- und Sozialwesen (323), dem Hotel- und Gaststättenwesen (249), dem Handel (231) und dem verarbeitenden Gewerbe mit 192 Angeboten.

„Dahinter verbergen sich ganz unterschiedliche Stellenangebote, vom/von der Agrarbiologen/in bis zum/zur Zahntechniker/in.

 

 

Ausbildungsmarkt

Seit Beginn des Berichtsjahres meldeten die Unternehmen dem Arbeitgeber-Service 1.740 freie Ausbildungsstellen. Aktuell sind davon noch 866 unbesetzt. Demgegenüber stehen 410 Jugendliche, die sich noch nicht aus der Berufsberatung abgemeldet haben. Insgesamt hatten sich seit Beginn des Ausbildungsjahres 1.155 Jungen und Mädchen bei der Berufsberatung ausbildungsuchend gemeldet.

„Die Unternehmen in unserer Region suchen weiterhin intensiv nach Fachkräften. Daran hat auch die Covid-19 Pandemie nichts geändert“, erklärt Wegner. Denn dahinter liegen langfristige Trends. „Jedes Jahr gehen im Landkreis Vorpommern-Greifswald mehr als doppelt so viele Menschen in Rente wie gleichzeitig aus der Schule kommen.“ Er geht davon aus, dass nicht alle offenen Ausbildungsplätze besetzt werden können. Und obwohl sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt aus Sicht der Jugendlichen entspannt hat, haben es Jugendliche ohne oder mit schwächerem Schulabschluss und Jugendliche mit ausländischen Wurzeln schwerer, einen Ausbildungsplatz zu finden. Die Arbeitsagentur und die Jobcenter ermutigen Unternehmen, diesen jungen Menschen eine Chance zu geben. „Sie alle haben oft mehr drauf, als es auf den ersten Blick scheint“, weiß Wegner. Denn nicht immer spiegeln sich ihre Kompetenzen in Schulnoten und Zeugnissen wider. „Wenn Unternehmen sich unsicher sind, ob ein Jugendlicher zu ihnen und der Lehrstelle passt, kann die Einstiegsqualifizierung ein gutes Instrument sein, um genau das herauszufinden“, wirbt Wegner. Bei der Einstiegsqualifizierung handelt es sich um ein von der Arbeitsagentur bzw. den Jobcentern gefördertes Praktikum, das zwischen sechs und zwölf Monate dauert.

Jugendliche können bundesweit unter der kostenlosen Service-Nummer 0800 4 5555 00 einen Termin bei der Berufsberatung vereinbaren. Arbeitgeber, die noch Auszubildende suchen, können sich gern an den Arbeitgeber-Service unter der kostenfreien Rufnummer 0800 4 5555 20 wenden.

 

Ausblick

Üblicherweise verharrt die Arbeitslosigkeit im August auf dem Niveau des Frühsommers, bevor ab September noch einmal eine Herbstbelebung eintritt. „Wie sich die Arbeitsmarktsituation in den folgenden Monaten weiterentwickelt, lässt sich schwer vorhersagen“, so Wegner abschließend.