29.04.2021 | Presseinfo Nr. 26

Frühjahresbelebung schwächer Kräftenachfrage steigt, aber immer mehr Arbeitslose länger als ein Jahr ohne Job

Die im Vormonat eingesetzte Frühjahresbelebung hat sich auf dem Arbeitsmarkt
im Ennepe-Ruhr-Kreis abgeschwächt. Die Zahl der Arbeitslosen ging nur um 82
oder 0,7 Prozent auf 12.092 zurück. Die Arbeitslosenquote blieb damit unverändert
7,0 Prozent. Im April letzten Jahres, dem ersten Monat mit Pandemieauswirkungen,
waren es 1.070 Arbeitslose weniger bei einer Quote von 6,4 Prozent.

„Die günstige Entwicklung aus dem Vormonat hat so nicht angehalten. Der nochmals
verlängerte Lockdown und die Osterferien haben die Frühjahrsbelebung abgeschwächt
und das Sinken der Arbeitslosigkeit auf dem heimischen Arbeitsmarkt deutlich gebremst“,
so Katja Heck, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hagen. „Auch
ist der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen arbeitslos gemeldeten im Kreis auf
40,7 Prozent weiter gestiegen. Positiv sind dagegen die steigende Kräftenachfrage und
die nachlassenden Neuanzeigen bei der Kurzarbeit zu bewerten.“


Arbeitslosenversicherung und Grundsicherung entwickelten sich aktuell wieder sehr
unterschiedlich. 4.920 Arbeitslose waren Kunden der Arbeitsagentur (134 oder 2,7 Prozent
weniger als im Vormonat), 7.172 wurden durch das Jobcenter des EN-Kreises betreut
(52 oder 0,7 Prozent mehr). Während sich die Lage bei jüngeren Arbeitslosen unter
25 Jahren entspannte (- 2,9 Prozent auf 954), erhöhte sich die Zahl der Langzeitarbeitslosen weiter (+ 3,7 Prozent auf 4.922). Bei den übrigen Zielgruppen waren die Veränderungen mit kleinen Rückgängen tendenziell günstiger.

Kräftenachfrage

Die Zahl der gemeldeten Stellen stieg im Kreis leicht an. Gegenüber dem Vormonat erhöhte sie sich um 36 oder 11,4 Prozent auf 353. Hier war also durchaus etwas von Frühjahresbelebung zu sehen, wie auch der Vorjahresvergleich zeigt: Gegenüber dem ersten Pandemiemonat April 2020 gibt es ein Plus von 177 Stellen und damit eine glatte Verdopplung. Die Schwerpunkte hatten Zeitarbeitsfirmen (122 Stellen), das Gesundheitswesen (61), das verarbeitende Gewerbe (56), der Handel (34) und das Baugewerbe (22). Die öffent-liche Verwaltung meldete nur elf Stellen, die Logistik nur sechs. Die Zahl aller bei der Arbeitsagentur zur Besetzung gemeldeten Stellen stieg aktuell um 63 oder 4,2 Prozent auf 1.577 und war gleichzeitig um 111 oder 7,6 Prozent höher als im Vorjahr.

Kurzarbeit und tatsächliche Inanspruchnahme

Weitere 38 EN-Unternehmen meldeten Arbeitsausfälle für über 200 Personen an. Seit dem Beginn der Pandemie gab es damit im Kreis 4.500 Anzeigen aus nahezu allen Bran-chen für 55.600 potentiell betroffene Arbeitnehmer. Im gesamten Bezirk, also inklusive der Stadt Hagen, waren es 7.500 Anzeigen für 98.400 Personen. Für November 2020 liegen inzwischen Hochrechnungen zur effektiven Inanspruchnahme für den Kreis vor. Danach wurde Kurzarbeitergeld an 1.125 Betriebe für rund 8.600 Arbeitnehmer tatsäch-lich ausgezahlt, damit schon erheblich weniger als im April, dem Monat mit der stärksten Kurzarbeits-Realisierung.

Lokale Besonderheiten:

Die aktuelle Entwicklung der Arbeitslosenzahlen im Kreis war im April zweigeteilt. Steigende Arbeitslosenzahlen gab es in Herdecke (+ 5 auf 651), Hattingen (+ 10 auf 1.794), Schwelm (+ 12 auf 1.318) und Sprockhövel (+ 12 auf 589). Rückläufige Erwerbs-losigkeit verzeichneten hingegen Breckerfeld (- 5 auf 192), Gevelsberg (- 7 auf 1.125), Wetter (- 15 auf 770), Ennepetal (- 30 auf 1.152) und Witten (- 64 auf 4.501).

Die Arbeitslosigkeit in den EN-Städten ist aktuell durchschnittlich um 9,7 Prozent höher als vor einem Jahr.

Gesamteinschätzung
Die saisonale Belebung hat nachgelassen. Sie wurde im Berichtsmonat durch den dämpfenden Effekt der Osterferien und des nochmals verlängerten Lockdowns teilweise kompensiert. Katja Heck: „Vor einem Jahr hatten wir mit Beginn der Pandemie einen sprunghaften Anstieg der Kurzarbeit und auch der Arbeitslosigkeit. Jetzt hat sich die Situation bei den meisten Unternehmen entspannt, was man an der leicht steigenden Kräftenachfrage und nur noch vereinzelten Neuanzeigen bei der Kurzarbeit erkennt. Ich bin verhalten optimistisch für den Mai.“