01.09.2020 | Presseinfo Nr. 55

Die Arbeitsmarktentwicklung im August 2020 im Ennepe-Ruhr-Kreis

Der Arbeitsmarkt im Ennepe-Ruhr-Kreis stand auch im August noch im Zeichen der Pandemie, aber auch der auslaufenden Ferienzeit. Die Zahl der Arbeitslosen stieg um 90 oder 0,7 Prozent auf 12.593. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich um weitere 0,1 Punkte auf 7,3 Prozent. Vor genau zwölf Monaten waren es 2.861 Arbeitslose weniger, die Quote lag bei nur 5,6 Prozent.

„Die Auswirkungen der Corona-Folgen und der zu Ende gegangenen Ferienzeit haben den Arbeitsmarkt im Kreis zwar belastet, aber es gibt auch Anzeichen für eine Besserung. Wegen der verschobenen Prüfungstermine bei den Auszubildenden drängen jetzt junge Fachkräfte vermehrt auf den Arbeitsmarkt. Sie warten auf ihre Chance in den heimischen Unternehmen", wirbt Katja Heck, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hagen. „Die Arbeitslosmeldungen nach Erwerbstätigkeit sind deutlich gesunken, gleichzeitig steigen die Abgänge in Arbeit. Bei den Neuanzeigen von Kurzarbeit ist Normalität eingekehrt, beim Bestand jedoch noch lange nicht. Nach der inzwischen für den gesamten Agenturbezirk vorliegenden Hochrechnung der tatsächlichen Kurzarbeiterzah-len aus der ersten Phase der Coronazeit waren es im April 3.500 Betriebe mit über 40.000 Kurzarbeitern. Abrechnungen und Auszahlungen werden von uns weiterhin mit Hochdruck und zusätzlicher Manpower erledigt."

Im August entwickelte sich die Arbeitslosigkeit im Ennepe-Ruhr-Kreis in den beiden Rechtskreisen erneut unterschiedlich. In der Arbeitslosenversicherung waren 5.134 Kunden der Arbeitsagentur (22 oder 0,4 Prozent weniger als im Vormonat), während in der Grundsicherung 7.459 Kunden durch das Jobcenter EN betreut wurden (112 oder 1,5 Prozent mehr). Weiterhin waren auch die Zielgruppen in beiden Rechtskreisen überwiegend von steigender Arbeitslosigkeit betroffen, jedoch mit zumeist geringeren Zuwächsen als noch im Vormonat.

Kräftenachfrage leicht belebt

Mit der zu Ende gehenden Ferienzeit stellte sich eine kleine Belebung der Kräftenachfrage ein. 347 neue Stellen bedeuteten gegenüber dem schwachen Vormonat einen Anstieg um 51 oder 17,2 Prozent. In Relation zum Vorjahresmonat war dies jedoch ein Rückgang um 149 Stellen oder 30,0 Prozent. Personaldienstleister hatten mit 111 neu gemeldeten Stellen wieder den größten Bedarf, jedoch keinen aktuellen Anstieg. Es folgten das Gesundheitswesen (51), das verarbeitende Gewerbe (46), der Handel (30), das Baugewerbe (24), die öffentliche Verwaltung (19) und das Gastgewerbe (18).
Die Zahl aller bei der Arbeitsagentur gemeldeten Stellen insgesamt erhöhte sich geringfügig um fünf oder 0,3 Prozent auf 1.482 Stellen, war aber um 846 weiterhin deutlich geringer als im Vorjahr (-36,3 Prozent).


Kurzarbeit mit neuen Angaben zum tatsächlichen Umfang

Weitere 37 EN-Unternehmen meldeten Arbeitsausfälle für 470 Personen an. Seit dem Beginn des Shutdowns gab es damit im Kreis rund 3.400 Anzeigen aus nahezu allen Branchen für mehr als 46.000 potentiell betroffene Arbeitnehmer. Im gesamten Bezirk, also inklusive der Stadt Hagen, waren es über 5.300 Anzeigen für fast 80.000 Personen. März und April konnten inzwischen abgerechnet werden. Danach wurde im gesamten Agenturbezirk Kurzarbeitergeld an 3.537 Betriebe für 40.307 Arbeitnehmer ausgezahlt. Im Vergleich zu den in den damaligen Kurzarbeitsanzeigen genannten Zahl von Arbeit-nehmern hat sich damit eine tatsächliche Inanspruchnahme von 58,0 Prozent gezeigt.


Lokale Besonderheiten:

Die aktuelle Entwicklung der Arbeitslosenzahlen im Kreis war regional sehr unterschiedlich. Rückgänge hatten Herdecke (- 22 auf 628), Ennepetal (- 10 auf 1219), Wetter (- 9 auf 743) und Sprockhövel (- 8 auf 600). In Hattingen änderte sich im Ergebnis mit 1941 Arbeitslosen nichts. Steigende Zahlen gab es in Breckerfeld (+ 3 auf 216), Schwelm (+ 18 auf 1272), Gevelsberg (+ 21 auf 1.255) und Witten (+ 97 auf 4719).

Weiterhin ist die Arbeitslosigkeit in allen Städten deutlich höher als vor einem Jahr.


Gesamteinschätzung

Die aktuelle leichte Beruhigung des Arbeitsmarktes lässt hoffen. Ob es aber nach dem Corona-Schock so etwas wie eine normale Herbstbelebung geben kann, werden erst die nächsten Monate zeigen. Agenturchefin Heck appelliert, die Zeit auf jeden Fall sinnvoll zu nutzen: „In der jetzigen Phase gilt es, mit den Beschäftigten in einen engen Dialog über die Zukunftschancen einzutreten. Dabei spielt die Vorbereitung auf neue Technologien und die für die Digitalisierung notwendigen Kompetenzen eine maßgebliche Rolle. Wir müssen uns jetzt auf das Morgen vorbereiten. Das funktioniert nur über Qualifizierung."


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