30.09.2020 | Presseinfo Nr. 59

Die Arbeitsmarktentwicklung im September 2020 im Ennepe-Ruhr-Kreis

Anzeichen einer Herbstbelebung prägen den Arbeitsmarkt im Ennepe-Ruhr-Kreis im September. Die Folgen von Corona gehen zurück. Die Zahl der Arbeitslosen sank um 380 oder 3,0 Prozent auf 12.213. Die Arbeitslosenquote verringerte sich um 0,2 Punkte auf 7,1 Prozent. Auch der Vorjahresabstand ist etwas kleiner geworden, aber nach wie vor beträchtlich: Vor genau zwölf Monaten gab es im Kreis 2.674 Arbeitslose weniger, die Quote damals lag bei außerordentlich guten 5,5 Prozent.

„Erstmals seit über einem halben Jahr sinkt die Arbeitslosigkeit. Erfahrungsgemäß ist der September der beste Monat im ganzen Jahr, doch wird die aktuelle Belebung natürlich nicht die coronabedingten Verwerfungen seit März kompensieren können", so Katja Heck, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hagen. „Das gute Signal besteht insbesondere darin, dass mehr Menschen eine Beschäftigung aufgenommen haben. Und bei den Neuanzeigen von Kurzarbeit gibt es keinen auffälligen Anstieg mehr. Die Abrechnung des bereits enorm hohen Bestandes bleibt trotzdem noch für längere Zeit eine große Herausforderung." Die Agenturchefin hat ein wichtiges Anliegen: „Der Ausbildungsmarkt läuft noch auf Hochtouren, hat sich in diesem Jahr also um rund zwei Monate verzögert. Die letzten Entscheidungen fallen in diesem Jahr eher im Dezember, also Chancen noch auf allen Seiten! Jugendliche und Unternehmen sollten sich melden. Eine coronabedingte Lücke bei der Ausbildung können wir uns nicht leisten."

Im September ging die Arbeitslosigkeit im Kreis sowohl in der Arbeitslosenversicherung als auch in der Grundsicherung spürbar zurück. 4.982 waren Kunden der Arbeitsagentur
(152 oder 3,0 Prozent weniger als im Vormonat) und 7.231 wurden durch das Jobcenter EN betreut (228 oder 3,1 Prozent weniger). Außer bei den Langzeitarbeitslosen war die Entwicklung für fast alle Zielgruppen in beiden Rechtskreisen günstig, besonders für Jüngere und Menschen mit ausländischem Pass.


Kräftenachfrage zieht an
Die Unternehmen im Ennepe-Ruhr-Kreis suchen wieder verstärkt nach Beschäftigten. Mit 444 neuen Stellen wurden gegenüber dem Vormonat 97 oder 28,0 Prozent mehr gemeldet als im schwachen August. Sogar in Relation zum Vorjahresmonat war dies ein kleiner Anstieg um 17 Stellen oder 4,0 Prozent.

Personaldienstleister hatten mit 182 neu gemeldeten Stellen nicht nur den größten Bedarf, sondern auch den höchsten Anstieg gegenüber dem Vormonat. Es folgten das Gesundheitswesen (60), das verarbeitende Gewerbe (46), der Handel (28), die öffentliche Verwaltung (24) und das Baugewerbe (22). Das Gastgewerbe meldete nur neun Stellen, die Logistik sogar nur acht.
Die Zahl aller bei der Arbeitsagentur gemeldeten Stellen insgesamt erhöhte sich deutlich um 116 oder 7,8 Prozent auf 1.598 Stellen, war aber um 630 weiterhin deutlich geringer als im Vorjahr (-28,3 Prozent).


Kurzarbeit mit neuen Angaben zum tatsächlichen Umfang
Weitere 31 EN-Unternehmen meldeten Arbeitsausfälle für 261 Personen an. Seit dem Beginn des Shutdowns gab es damit im Kreis rund 3.400 Anzeigen aus nahezu allen Branchen für 46.500 potentiell betroffene Arbeitnehmer. Für April, dem Monat mit der stärksten Kurzarbeit-Zuwachsrate, liegen inzwischen Hochrechnungen zur effektiven Inanspruchnahme für den Kreis vor. Danach wurde für den ersten vollständigen Monat nach Beginn der Coronaphase Kurzarbeitergeld an 2.260 Betriebe für rund 22.500 Arbeitnehmer tatsächlich ausgezahlt.


Lokale Besonderheiten:
Die aktuelle Entwicklung der Arbeitslosenzahlen im Kreis war relativ einheitlich mit einer Ausnahme. „Ausreißer" war Herdecke mit einem geringen Anstieg der Arbeitslosenzahl (+ 9 auf 637). Die übrigen Städte hatten Rückgänge wie folgt: Wetter (- 4 auf 739), Sprockhövel (- 6 auf 594), Breckerfeld (- 10 auf 206), Gevelsberg (- 49 auf 1.206), Enne-petal (- 51 auf 1.168), Schwelm (- 54 auf 1218), Hattingen (- 55 auf 1886) und Witten (- 160 auf 4559).

Nach wie vor ist die Arbeitslosigkeit in allen Städten wesentlich höher als vor einem Jahr.

Gesamteinschätzung
Ein ausgeprägter Herbstaufschwung ist noch nicht festzustellen, aber die Signale sind positiv. Die Arbeitslosigkeit sinkt in beiden Rechtskreisen, die Kräftenachfrage zieht an, und die Kurzarbeit hat die höchsten Zuwachszahlen seit Monaten hinter sich. Trotzdem ist die Arbeitslosigkeit im Kreis auf einem deutlich höheren Niveau als noch in der historisch guten Situation des Vorjahres, die Zahl der Arbeitslosen ist jetzt fast 2.700 oder 28,0 Prozent höher. Agenturchefin Heck wagt einen kleinen Ausblick: „Für Oktober rechne ich vorerst noch mit einer Fortsetzung der günstigen saisonalen Entwicklung, auch wenn man in diesem Jahr mit Prognosen vorsichtig sein muss. Und dort, wo es noch nicht wieder rund läuft, rate ich dazu, die Zeit für Qualifizierung des Personals zu nutzen."

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