05.11.2020 | Presseinfo Nr. 63

Ausbildungsmarktbilanz 2019/20 für die Stadt Hagen

Diesmal ist alles anders. Für gewöhnlich ziehen die Arbeitsagentur Hagen und ihre Partner am Ausbildungsmarkt Bilanz am Ende eines Ausbildungsjahres. Der Zeitpunkt ist derselbe wie immer, aber noch nie waren die Zahlen von Ende September so wenig endgültig wie in diesem Jahr. Die Pandemie hat deutliche Spuren auf dem Ausbildungsmarkt hinterlassen.

„Der Lockdown im Frühjahr hat sowohl für die Jugendlichen als auch für die Ausbildungsbetriebe eine große Verunsicherung und zeitliche Verzögerung mit sich gebracht. Das Ausbildungsmarktgeschehen wurde in diesem Jahr um zwei Monate nach hinten verschoben. Man kann daher ohne Übertreibung davon sprechen, dass die eigentliche Bilanz von Ende September in diesem Jahr nur ein Zwischenergebnis darstellt", so Katja Heck, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hagen. „Die Pause im Frühjahr hat alles verändert. Berufsorientierung und Beratung konnte nicht mehr in den Schulen stattfinden, Ausbildungsbörsen wurden abgesagt und viele Praktika mussten ausfallen. Ordnungsgemäße Prüfungsklausuren und Schulabschlüsse standen zeitweise in Frage. Da haben die Jugendlichen andere Sorgen gehabt, als sich über den Wunschberuf klar zu werden und Bewerbungen zu schreiben. Zumal auch die Betriebe in dieser Phase völlig verunsichert waren und mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hatten. Jetzt geht der Ausbildungsmarkt in die Verlängerung und bietet noch jede Menge Chancen!"

In diesem Ausbildungsjahr wurden bislang insgesamt 1.347 Ausbildungsstellen von den Arbeitgebern in Hagen angeboten, 131 oder 8,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Dabei sah es hier im übrigen Bezirk ähnlich aus: Im EN-Kreis war es ein Rückgang um 180 oder 9,0 Prozent auf 1.824.

In Hagen nahmen bis zum Ende des Beratungsjahres 1.966 Bewerber die Berufsberatung in Anspruch und suchten eine Ausbildungsstelle. Damit war ihre Zahl im Vergleich zu 2019 wegen der genannten Lockdown-Folgen, aber auch wegen generell sinkender Schülerzahlen um 232 rückläufig (- 10,6 Prozent). Die Berufsberatung reagierte mit ungewöhnlichen Angeboten, Berufsberater gingen ihrer Aufgabe teilweise per „walk and talk" nach, Videoberatungen wurden ermöglicht. Rund 17,1 Prozent aller Bewerber haben einen Hauptschulabschluss, 29,2 Prozent verfügen über den Realschulabschluss und 44,7 Prozent über Fachhochschul- oder Hochschulreife. Der Trend zu höheren Schulabschlüssen nimmt weiterhin zu.
Die Gesamtzahl der Bewerber ging im EN-Kreis noch stärker zurück (-15,8 Prozent oder fast -400 auf 2.104).

Die Zahl der jungen Menschen, die bislang noch keinen passenden Arbeitgeber gefunden haben, ist in Hagen mit genau 200 um 69 oder gut die Hälfte höher als im Vorjahr (im EN-Kreis mit 110 nur zwölf oder 12,2 Prozent). Mehr als zwei Drittel von ihnen verfügen mindestens über den mittleren Bildungsabschluss. „Es ist noch nicht zu spät für einen Ausbildungsstart – der Einstieg ist bis Ende Januar 2021 möglich", so Heck weiter. „Die Jugendberufsagentur der Arbeitsagentur und des Jobcenters bietet individuelle Unterstützung und Begleitung nicht nur durch professionelle Beratung, sondern auch mit einer Förderung der schulischen Inhalte über „ausbildungsbegleitende Hilfen". Ich kann allen interessierten Jugendlichen nur dringend empfehlen: Ruft uns an! Wir lassen Euch nicht allein!"

Trotz der gesunkenen Zahl der gemeldeten Lehrstellen war die grundsätzliche Ausbildungsbeteiligung bei den Betrieben in Hagen etwas höher: Der Anteil an ausbildenden Betrieben stieg um 0,1 Punkte auf jetzt 22,9 Prozent. Der Landesdurchschnitt für NRW liegt hier bei 22,1 Prozent. Die Ausbildungsquote in den Unternehmen, also der Anteil der Teilnehmer in Aus- und Weiterbildung an allen Beschäftigten, stieg ebenfalls leicht um 0,1 Punkte auf aktuell 5,3 Prozent (wie auch in NRW gesamt).
In der Volmestadt standen für jeden Bewerber statistisch 0,69 Stellen zur Verfügung (Vorjahr 0,67), im EN-Kreis sogar 0,88 Stellen (Vorjahr 0,83).

Das Resümee der Ausbildungsmarktpartner für die Region Hagen und Ennepe-Ruhr-Kreis:

Kirsten Kling, Geschäftsführerin der agentur mark:

„Schullaufbahn beendet – und dann? Diese Frage war in diesem Jahr für die meisten Jugendlichen noch schwieriger als sonst zu beantworten. Vieles zur Begleitung der Jugendlichen am Übergang von der Schule in den Beruf konnte pandemiebedingt nicht stattfinden. Auch auf der Unternehmensseite gab es einige Unsicherheiten, vor allem fehlten die Kontakte zu den Jugendlichen. Zahlreiche Formate wie Ausbildungsmessen, Praktika etc. konnten nicht durchgeführt werden. Trotzdem ist es mit vereinten Kräfte aller Beteiligten gelungen, BewerberInnen und Unternehmen zusammenzuführen. Leider gibt es dennoch einen Rückstand, viele Verträge fehlen uns. Den Rückstand zumindest in Teilen noch aufzuholen und auch das Ausbildungsjahr 2021 bereits in den Blick zu nehmen, das bleibt aktuell eine Kraftanstrengung. Die Initiative „Ausbildung jetzt!" des Ausbildungskonsens NRW unterstützt die Aktivitäten aller Partner in den Regionen wie bei uns z.B. die digitale Ausbildungsmesse am 12.11.2020, an der über 100 Unternehmen der Region teilnehmen. Wir laden alle Interessierten am 12.11. ein, bei der ersten virtuellen Messe der Region dabei zu sein. Ob Praktikumssuche, Ausbildungssuche 2020 oder 2021; Gruppeninformationen oder Eins:Eins Live Chats - die Unternehmen stehen für einen lockeren Austausch ebenso wie für konkrete Bewerbungsgespräche zur Verfügung und freuen sich auf interessante Kontakte. Informationen für Eltern und Schüler unter www.agenturmark.de."

Thomas Haensel, Geschäftsführer Bildung der SIHK Hagen:
„Im Bezirk der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) wurden zum Stichtag 30. September 2.661 Ausbildungsverträge neu eingetragen, 1.616 davon im kaufmännischen, 1.045 im gewerblich-technischen Bereich. Bedingt durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie ist ein Einbruch bei den Ausbildungszahlen von rund 23 Prozent zu verzeichnen. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Unternehmen im Bezirk der SIHK in den vergangenen Jahren auf sehr hohem Niveau ausgebildet haben und auch in diesem Jahr ein großer Teil dieser Ausbildungsplätze zur Verfügung gestanden hat. Durch den Wegfall von Ausbildungsmessen, Börsen, Praktika und Vorstellungsgesprächen in den Betrieben hat das Matching in diesem Jahr unter erschwerten Bedingungen stattgefunden. Dass trotz dieser schwierigen Lage die Betriebe sich ihrer Verantwortung bewusst sind und weiterhin auf hohem Niveau ausbilden, zeichnet sie aus."

Özgür Gökce, Geschäftsführer des Märkischen Arbeitgeberverbandes:
„Die Anzahl der Bewerber ist stärker zurückgegangen als die Zahl der Ausbildungsstellen, ein Corona-Effekt ist in jedem Fall sichtbar. Aber es gibt auch Chancen. Die unversorgten Bewerber lade ich ein, in der M+E-Industrie‚ an Bord‘ zu kommen. Eventuell bietet auch der in diesem Jahr mögliche verspätete Ausbildungsbeginn Perspektiven. Mein Appell an alle Arbeitsmarktakteure lautet: Denken Sie bereits über die Krise hinaus! Die Mehrheit der M+E-Betriebe plant auch im kommenden Jahr mit einem stabilen Ausbildungsplatzangebot. Fachkräftemangel sollte den Aufschwung ‚nach Corona‘ nicht behindern."