29.10.2020 | Presseinfo Nr. 70

Der Arbeitsmarkt im Harz ist auf schwierigem Erholungskurs

„Auch, wenn der aktuelle Trend stimmt, bin ich für die kommenden Monate aber nach wie vor skeptisch. In Anbetracht der steigenden Infektionszahlen und der noch ausstehenden Entscheidungen zur Eindämmung des Pandemiegeschehens sind Prognosen für den Arbeitsmarkt wieder schwierig.

Die momentane, wirtschaftliche Konjunkturverbesserung trotzt der Corona-Pandemie und lässt die Arbeitslosigkeit sowohl im Versicherten-, als auch im Grundsicherungsbereich fallen. Somit lassen sich auch im Monat Oktober Zeichen der leichten Entspannung für den Arbeitsmarkt unter besonderen Bedingungen erkennen. Der Vorjahresvergleich zeigt jedoch das deutlich höhere Niveau der Arbeitslosigkeit im Zuständigkeitsbereich der Agentur für Arbeit Halberstadt.

Insbesondere Jüngere im Alter von 15 bis unter 25 Jahren konnten ihre Arbeitslosigkeit in den vergangenen vier Wochen beenden. Im Vergleich zum Vorjahr ist jedoch auch hier ein Anstieg um über 28 Prozent zu verzeichnen. Der Stelleneingang blieb in diesem Monat hinter den Ergebnissen des Vormonats und verfestigt eine verhaltene Arbeitskräftenachfrage.

Die Unsicherheit steigender Infektionszahlen national und international begleitet uns erneut", sagt Heike Schittko, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Halberstadt.

Rückgang der Arbeitslosigkeit im Oktober

Der Bestand an Arbeitslosen insgesamt ist um 252 Personen auf 6.109 Personen gesunken. Im Vergleich zum Vorjahr waren 1.143 Personen bzw. 23 Prozent mehr Arbeitslose zu verzeichnen. Die Arbeitslosenquote im Landkreis Harz sank diesbezüglich gegenüber dem Vormonat auf 5,8 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr (Oktober 2019: 4,6 Prozent) waren es 1,2 Prozentpunkte mehr.

Erfreulich ist, dass sich erneut die Arbeitslosigkeit in allen drei Regionen des Landkreises Harz zum Vormonat sowohl im Rechtskreis SGB II als auch im Rechtskreis SGB III reduziert hat. Ein Vergleich zum Vorjahr zeigt, mit Ausnahme im Rechtskreis des SGB II in der Region Wernigerode (-0,5 Prozent), einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit.

In der Region Halberstadt sank die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat auf 2.190 Männer und Frauen und damit um 66 Personen oder 2,9 Prozent. Zum Vorjahr stieg diese Zahl um 398 oder um über ein Fünftel (22,2 Prozent). Im Berichtsmonat waren in der Region Halberstadt, gegenüber den beiden anderen Regionen, die meisten Arbeitslosen zu verzeichnen. Die Arbeitslosenquote für Halberstadt sank von 6,8 Prozent im September auf aktuell 6,6 Prozent (Vorjahr: 5,3 Prozent).

Den geringsten Bestand an Arbeitslosen verzeichnete unverändert die Region Wernigerode. Im Berichtsmonat waren hier 1.852 Personen bzw. 97 Personen oder 5 Prozent weniger arbeitslos gemeldet als noch im Monat September. Damit verzeichnete Wernigerode den stärksten Rückgang der Arbeitslosenzahlen zum September. Gegenüber dem Vorjahr stieg deren Zahl um 406 Männer und Frauen oder um über 28 Prozent und damit am stärksten im gesamten Landkreis. Die aktuelle Arbeitslosenquote sank zum Vormonat um 0,2 Prozentpunkte auf 4,7 Prozent (Vorjahr: 3,6 Prozent).

Auch in der Region Quedlinburg sank die Zahl der von Arbeitslosigkeit betroffenen Personen zum Vormonat. Im Oktober reduzierte sich der Bestand um 89 Männer und Frauen oder um 4,1 Prozent auf aktuell 2.067 Personen.  Zum Vorjahr stieg die Arbeitslosigkeit um 339 bzw. 19,6 Prozent und damit am geringsten im Vergleich aller drei Regionen. Demzufolge sank die Arbeitslosenquote von 6,6 Prozent im September auf aktuell 6,3 Prozent (Vorjahr: 5,2 Prozent).

Im Oktober sank die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat sowohl im Versicherungsbereich (SGB III – Arbeitsagentur), als auch in der Grundsicherung (SGB II – Eigenbetrieb Kommunale Beschäftigungsagentur Jobcenter Landkreis Harz – KoBa). Dementgegen und auch erwartungsgemäß infolge der Auswirkungen der Corona-Pandemie, zeigt der Vergleich zum Vorjahr in fast allen Regionen einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit im Rechtskreis des SGB III.

Durch die Arbeitsagentur wurden im Oktober 47,8 Prozent (Vormonat: 48,5; Vorjahr: 38,3) und durch die KoBa 52,2 Prozent (Vormonat: 51,5; Vorjahr: 61,7) der gemeldeten Arbeitslosen betreut. Bei der Arbeitsagentur waren im aktuellen Monat 2.923 Personen arbeitslos gemeldet (Vormonat: -163 Personen bzw. -5,3 Prozent; Vorjahr: +1.020 bzw. +53,6 Prozent). In der Betreuung der KoBa befanden sich Ende Oktober 3.186 Bezieher von Arbeitslosengeld II (Vormonat: -89 Arbeitslose bzw. -2,7 Prozent; Vorjahr: +123 Personen bzw. +4,0 Prozent).

Kurzarbeit weiter rückläufig

Im Gesamtumfang geht die Kurzarbeit im Bereich der Agentur für Arbeit Halberstadt zurück, ist jedoch in vielen Betrieben weiterhin ein wichtiges Instrument, um Beschäftigung zu sichern.

Zur realisierten Kurzarbeit im Monat Juni liegt erneut eine aktuelle Hochrechnung vor. Danach realisierten im Agenturbezirk 1.143 Betriebe (Mai: 1.570) konjunkturelle Kurzarbeit. 10.883 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (Mai: 13.668) wären danach von Kurzarbeit betroffen gewesen.

Zum Vergleich die endgültigen Zahlen zur realisierten Kurzarbeit (Stand: Oktober 2020 nach einer Wartezeit von 5 Monaten): Im April realisierten 1.821 Betriebe für 13.818 Beschäftige konjunkturelles Kurzarbeitergeld. Die überwiegende Anzahl der Betriebe, die Kurzarbeit realisierten, kamen aus dem Gastgewerbe (448 Betriebe mit 2.670 Kurzarbeitern, darunter aus der Gastronomie: 279 Betriebe mit 1.168 Kurzarbeitern), Handel (356 mit 1.513 Kurzarbeitern, darunter aus dem Einzelhandel: 231 Betriebe mit 859 Kurzarbeitern) sonstige Dienstleistungen/private Haushalte, zum Beispiel Kunst, Unterhaltung und Erholung (224 Betriebe mit 918 Kurzarbeitern), Gesundheitswesen (173 Betriebe mit 736 Kurzarbeitern) und dem Verarbeitenden Gewerbe (160 Betriebe mit 5.147 Beschäftigte).

„Die Entwicklung der Kurzarbeit ist erneut stark an das Infektionsgeschehen gebunden. Zwar ist das Anzeigeverhalten für konjunkturelle Kurzarbeit aktuell rückläufig, kann sich aber wie im Frühjahr schnell ändern. Aktuell haben wir die Gelegenheit in die qualitative Überprüfung der realisierten Kurzarbeit einzusteigen und gehen Hinweisen auf möglichen Leistungsmissbrauch konsequent nach", sagte Schittko zur Entwicklung der Zahlen.

„Auch, wenn aktuell weniger Anzeigen eingehen, ist die Situation für Arbeitgeber und ihre Beschäftigten angespannt“, so Heike Schittko zusammenfassend. „Die Krise bietet jedoch auch Chancen. Die Zwangspause während der Kurzarbeit kann für die Qualifizierung von Beschäftigten genutzt werden. Kolleginnen und Kollegen im Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Halberstadt beraten bei Fragen der Weiterbildung. Es gibt individuelle finanzielle Hilfen, die wir zielgerichtet einsetzen. Informationen erhalten Interessierte unter der lokalen Rufnummer (0 39 41) 40 880 oder gebührenfrei unter (0800) 4 5555 20.

Arbeitgeber meldeten im Oktober wieder weniger Stellen

Der positive Trend bei der Arbeitskräftenachfrage wurde im Berichtsmonat unterbrochen. Betriebe und Verwaltungen aus dem Landkreis Harz meldeten dem Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur im Oktober weniger freie Stellen als im Vormonat, aber mehr als im Vorjahr.

Aktuell wurden 326 neue Arbeitsstellen (Vormonat: -60 Stellen bzw. -15,5 Prozent; Vorjahr: +5 Stellen bzw. +1,6 Prozent) zur Besetzung gemeldet (Zugang).

Die meisten Stellenzugänge wurden aus den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (65 Stellen), aus dem Gesundheits- und Sozialwesen (51 Stellen), aus dem verarbeitenden Gewerbe (42 Stellen) sowie aus dem Baugewerbe (29 Stellen) gemeldet.

Der Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Halberstadt hatte im Oktober 1.587 Arbeitsstellen im Bestand, gegenüber September ist das ein Anstieg um 20 Stellen oder 1,3 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr gab es 52 Stellen mehr (+3,4 Prozent).

Seit Jahresbeginn meldeten uns die Unternehmen im Harz 2.938 Stellen.  Das entspricht einem Rückgang gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum von

-1.020 oder einem Viertel.

Wir sind für unsere Kunden da – telefonisch und rund um die Uhr auf www.arbeitsagentur.de/eService