31.03.2021 | Presseinfo Nr. 23

Arbeitsagentur legt Zwischenbilanz zum Ausbildungsmarkt vor

Im Spätsommer beginnt für viele junge Menschen im Landkreis Harz der Einstieg ins Arbeitsleben: Sie starten ihre Ausbildung. Die Halberstädter Arbeitsagentur hat erste Daten darüber, wie sich der Ausbildungsmarkt in diesem Jahr entwickeln könnte. Wie jedes Jahr herrscht im Frühjahr viel Bewegung in Richtung Ausbildung. Die Vermittlungen finden oft im Laufe des ersten Kalenderhalbjahrs statt und es ist nicht ungewöhnlich, dass die Zahlen von Jahr zu Jahr schwanken. Auch in diesem Jahr erschwert die Corona Pandemie den Ausgleich am Ausbildungsmarkt. Der Lockdown schränkt die persönliche Beratung junger Menschen in der Arbeitsagentur und in den Schulen ein. Erschwerend kommt hinzu, dass keine größeren Veranstaltungen zur Berufsorientierung in Präsenz durchgeführt werden können. Andererseits stehen sowohl Betriebe als auch junge Menschen vor großen Unsicherheiten und dies im zweiten Jahr in Folge. Schwierig ist das für alle Jugendlichen gleichermaßen, besonders aber für diejenigen, die mehr Unterstützung bei der Berufsorientierung brauchen als andere. Betriebe bieten aufgrund des aktuell erforderlichen Gesundheitsschutzes weniger Praktika an. Ich möchte deshalb an unsere Arbeitgeber appellieren, trotz aller Herausforderungen bei der Ausbildung aktiv zu bleiben. Der demografische Wandel könnte dazu führen, dass der Fachkräftebedarf zur Krise nach der Krise wird.
 
Beratungsangebote nutzen und am Ball bleiben
Den Jugendlichen rate ich, sich bei uns zu melden, die aktuelle Zeit für die Ausbildungsplanung und –suche aktiv zu nutzen und unsere Berufsberater entweder per Telefon oder per Videochat zu kontaktieren. Wir sind für die Jugendlichen da und setzen unsere Fördermöglichkeiten gezielt ein, um jungen Menschen eine Ausbildung in der Heimat zu ermöglichen, um sie bei Problemen zu stabilisieren oder auch um (pandemiebedingten) Ausbildungsabbrüche vorzubeugen.
 
Die Jugendlichen sollten sich nicht nur auf einen einzigen Beruf festlegen, sondern sich besser auf zwei oder drei Berufe orientieren, empfiehlt Heike Schittko. Zudem rät die Agenturchefin jungen Leuten, bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle am Ball zu bleiben: Bewerbungsverfahren und Auswahlgespräche finden wie im vergangenen Jahr verstärkt online statt. Der Ausbildungsmarkt bewegt sich, wenn auch fast alles digital abläuft und der Kontakt von Angesicht zu Angesicht weiterhin eingeschränkt oder überwiegend im Chat möglich ist. Der Landkreis bietet zahlreiche und interessante Ausbildungsangebote, aus denen die Jugendlichen wählen können. Der berufliche Start ins Leben ist unter den aktuellen Bedingungen eine noch größere Herausforderung als bisher.
 

Für das aktuelle Ausbildungsjahr haben sich seit Oktober 2020 bei der Arbeitsagentur 931 Bewerber gemeldet. Das sind 104 weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig ist die Zahl der zur Besetzung gemeldeten Ausbildungsstellen um 17 Stellen auf insgesamt 1.126 gestiegen. Unternehmen meldeten seit Oktober letzten Jahres insgesamt 1.119 betriebliche Ausbildungsstellen, das entsprach einem Anstieg von 1,5 Prozent. 783 Stellen waren im März 2021 noch unbesetzt, während 579 Bewerber bislang noch keinen passenden Ausbildungsplatz gefunden haben.

Rein rechnerisch kamen damit 1,21 Berufsausbildungsstellen auf einen Bewerber. Was für die Schüler eine komfortable Situation ist, stellt Unternehmen vor große Herausforderungen.

Besonders groß ist die Auswahl für Bewerber in den kaufm. Dienstleistungen, Handel- und Tourismus mit 1,94 Stellen pro Bewerber, gefolgt vom Bereich Bau, Architektur, Vermessungs- und Gebäudetechnikberufen mit 1,76 Stellen je Bewerber und den Produktions- und Fertigungsberufen, wo 1,50 Stellen auf einen Bewerber kommen.

Fast die Hälfte der Bewerber (451 Jugendliche bzw. 48,4 Prozent) haben oder streben einen Realschulabschluss an. 89 Bewerber oder 9,6 Prozent besitzen oder wollen die Allgemeine Hochschulreife erreichen.

Harzer Unternehmen bieten gute Ausbildungsangebote

Die Ausbildungsbereitschaft der heimischen Wirtschaft ist trotz der aktuellen Situation ungebrochen. Das gilt insbesondere für das Handwerk und die Gastronomie/Hotellerie, die zwar aktuell stark von der Pandemie betroffen sind, aber das Thema Ausbildung fest im Blick haben. Viele Schüler entscheiden sich angesichts der Pandemie und zum Teil aufgrund von persönlichen Unsicherheiten für eine weiterführende Schule. Mit einer dualen Ausbildung stehen den Jugendlichen später viele Wege, gute Karrieremöglichkeiten und weitere Schullaufbahnen offen.

Ein großer Teil der Bewerber orientiert sich an den Angeboten der regionalen Unternehmen und Behörden. Dennoch konzentrieren sich immer noch etliche Jugendliche auf nur wenige Berufsfelder, was den drohenden Nachwuchsmangel für viele Unternehmen zusätzlich verschärft.

„Derzeit ist am Ausbildungsstellenmarkt viel Bewegung. Aktuell ist es ist noch zu früh, eine sichere Einschätzung zur weiteren Entwicklung für den Landkreis Harz zu geben. Die Bilanz des Beratungsjahres wird zum 30. September gezogen. Bis dahin gehen erfahrungsgemäß weitere Ausbildungsplatzangebote und Bewerbermeldungen ein. So bleibt abzuwarten, ob die derzeitigen Trends, sowohl bei den Bewerbern, als auch bei den Ausbildungsstellen, auch in den kommenden Wochen so bleiben oder sich auf der Zielgerade noch verändern“, so Schittko abschließend.

Für ausbildende Unternehmen stehen die Mitarbeiter des Arbeitgeber-Services für Fragen rund um das Thema Ausbildungsstellen und Fördermöglichkeiten sehr gerne zur Verfügung. Weitere Informationen gibt es unter www.arbeitsagentur.de oder unter der gebührenfreien Hotline 0800 − 4 5555 00 für Jugendliche und unter 0800 − 4 5555 20 für Arbeitgeber (montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr).