26.10.2020 | Presseinfo Nr. 71

Bilanz zum Ausbildungsmarkt 2019/2020

Die Chancen für Jugendliche, im Landkreis Harz einen Ausbildungsplatz zu finden, sind trotz der angespannten Lage weiter gut. Für die regionalen Betriebe bleibt es dagegen schwierig, Ausbildungsplätze zu besetzen“, resümiert die Teamleiterin der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Halberstadt, Marcella Lange, zur Bilanz des Ausbildungsmarkts 2019/2020.

Am 30. September waren noch rund 219 Ausbildungsstellen unbesetzt, obwohl rein rechnerisch, Angebot und Nachfrage ausgeglichen waren. Weil aber viele Bewerber sich doch noch für eine höhere Schulbildung, eine schulische Ausbildung, ein Studium oder eine Erwerbstätigkeit entschieden haben und einige Jugendliche den Umweg über das Übergangssystem gehen müssen, mündete nur etwas mehr als jeder Zweite (59,1 Prozent) direkt in eine Berufsausbildung. Allerdings fehlen von 18,5 Prozent der Bewerber Informationen zum Verbleib.

Die Unternehmen meldeten insgesamt 1.338 Ausbildungsstellen. Das sind 1,8 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Die Betriebe bilden trotz der Pandemie auf hohem Niveau aus. „Die Unternehmen hielten trotz der schwierigen Gesamtumstände an ihrer Ausbildung fest. Das ist ein wichtiges Zeichen und auch die richtige Strategie“, sagt Lange. Die hohe Zahl an unbesetzten Ausbildungsstellen war zwar erwartend gewesen, bereite ihr aber Sorgen. „Ich hoffe darauf, dass in den kommenden Wochen noch die ein oder andere Entscheidung in Richtung Ausbildung fällt. Obwohl wir bereits in den letzten beiden Monaten des Jahres sind, besteht aufgrund der verspäteten Bewerberentscheidungen und des späteren Berufsschulbeginns noch immer die Möglichkeit, noch in diesem Jahr in eine Ausbildung einzumünden“.

Lange empfiehlt Ausbildungsbetrieben, sich jungen Menschen zu öffnen, die in der Vergangenheit häufig noch durchs Raster gefallen sind. Für sie gebe es öffentliche Programme, die Hürden beseitigen oder Risiken abmildern. „Nicht jeder offenbart seine Potenziale auf den ersten Blick. Vieles ist möglich, wenn alle, die Einfluss haben, aufeinander zugehen und mit starken Willen am gleichen Strang ziehen. Wir dürfen beim Übergang von der Schule in den Beruf keinen Jugendlichen verlieren“, folgert Lange, die sich darüber freut, dass immer mehr Betriebe noch vor Schulnoten auf vorhandene Talente achten.

Insgesamt 1.288 Jugendliche suchten über die Agentur für Arbeit Halberstadt einen betrieblichen Ausbildungsplatz. 36 Jugendliche waren zum Ende des Berichtsjahres unversorgt. Das Ende des Septembers bedeutet aber nicht zeitgleich das Ende der Vermittlungsbemühungen für diese Jugendlichen. Unverändert haben diese Mädchen und Jungen Angebote in Form von Ausbildungsstellen, Einstiegsqualifizierungen oder anderen Überbrückungsangeboten erhalten. In den kommenden Wochen oder in dem sogenannten fünften Quartal des Berufsberatungsjahres arbeiten wir weiterhin intensiv daran, diese Schulabgänger idealerweise am Harzer Ausbildungsmarkt unterzubringen. Weil noch sehr viele Ausbildungsstellen unbesetzt sind, können sich Jugendliche in den Übergangssystemen ebenfalls berechtigte Hoffnungen machen, dass es doch noch mit einem Ausbildungsplatz in diesem Jahr klappt.

„Mädchen und Jungen haben heute viele Möglichkeiten. Am Ende fällt die Entscheidung aber nicht immer zugunsten der dualen Ausbildung aus“, betont Lange.

Wir wollen so oft und so nah wie möglich an den Schülerinnen und Schülern dran sein. Deshalb sind wir regelmäßig direkt vor Ort an den Schulen. Gleichzeitig wollen wir den Dialog mit den Lehrern, den Eltern und den Ausbildungsbetrieben weiter intensivieren. Dafür sind wir bereit, viel Ressourcen hineinzugeben. Wenn der Start ins Berufsleben gelingt, zahlt sich das im gesamten Berufsleben aus. Dann gewinnt der Einzelne und die Gesellschafft!“, ist Lange überzeugt.