30.10.2018 | Presseinfo Nr. 23

Chancen für Berufsrückkehrerinnen

Im September 2018 waren in Hamburg genau 853 Frauen arbeitslos gemeldet, die als Berufsrückkehrerinnen* den Wiedereinstieg auf einen passenden neuen Arbeitsplatz suchen. Jobangebote gibt es reichlich, denn in den vergangenen 12 Monaten wurden der Agentur für Arbeit Hamburg 48.500 Stellen gemeldet, von denen 7.000 (14,4 %) auf Teilzeit abzielen. Aktuell ist der Bestand an freien Arbeitsstellen mit 18.835 extrem hoch, 2.532 entfallen auf eine redu-zierte Arbeitszeit, also weniger als Vollzeit.

„Wir werben um Berufsrückkehrerinnen, um sie über ihre Chancen auf dem Hamburger Arbeitsmarkt zu informieren und zu beraten. Wir suchen als Arbeitsagentur das Gespräch mit den Frauen, wollen Mut und Transparenz schaffen, bieten berufliche Qualifizierung über alle Branchen hinweg an. Ein höchst individuelles Geschäft, schließlich geht es dabei immer auch um die zu erziehenden Kinder, Betreuungszeiten, unterstützende Partner, Gesundheit, Finanzen und verfügbare Arbeitszeit", beschreibt Wiebke Rehr, operative Geschäftsführerin in der Agentur für Arbeit Hamburg.

Im vergangenen Jahr förderten Arbeitsagentur und Jobcenter team.arbeit.hamburg über 3.700 Frauen mit einer beruflichen Weiterbildung. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres sind es bereits 1.800 Frauen, davon erzielten 351 einen qualifizierten Berufsabschluss. Grit Behrens teilt sich mit Wiebke Rehr den Job als operative Geschäftsführerin. Sie ergänzt die Aus-sagen von ihrer Kollegin, allerdings mit Blick auf die Arbeitgeber: „Der Ruf nach qualifizierten Fach- und Führungskräften ebbt nicht ab und der demografische Wandel wird in den Betrieben sicht- und spürbarer. Es braucht also Kreativität, Flexibilität und guten Willen auf beiden Seiten, um Personallücken zu schließen. Wiedereinsteigerinnen bieten ihr vorhandenes Know- How an. Teilzeitarbeit, in Kombination mit Gleitzeit oder Telearbeit, Wochenendarbeit oder auch einmal Arbeitsaufträge am Abend erledigen, sind denkbare Arbeitsformen, die den Wiedereinstieg möglich machen. Daraus entwickelt sich eine hohe Arbeitszufriedenheit, fördert die Verbundenheit zum Betrieb und hält die persönliche Motivation hoch.

Tatsache ist auch, dass in Hamburger Unternehmen derzeit allein 102.000 Minijobber arbeiten, die keiner anderen Beschäftigung nachgehen. 60.000 von den Minijobbern sind Frauen, von denen wiederum 24.000 als Fach- und Führungskräfte gelten. Ein großes Fachkräftepotential, welches einer Arbeitszeiterweiterung durchaus offen gegenüberstehen dürfte."

Das Hamburger Modellprojekt "Comeback" bietet Frauen nach einer Familienpause individuelle Beratungs- und Qualifizierungsangebote für den beruflichen Wiedereinstieg. Bereits über 200 Teilnehmerinnen haben durch "Comeback" den erfolgreichen Schritt zurück in den Job geschafft. "Nach mehreren Jahren Familienzeit leidet schon mal das berufliche Selbstwertgefühl, aber genau hier setzen wir mit unserer Arbeit an", so Projektleiterin Elisabeth Wazinski. "Mit individuellen Familien- und Bewerbungs-Coachings, Beratung zu Kinderbetreuungsmöglichkeiten und passgenauen Weiterbildungen gewinnen die Teilnehmerinnen neues Selbstbewusstsein und fühlen sich wieder fit für den Arbeitsmarkt." Das Comeback- Programm ist modular aufgebaut: Nach einer viermonatigen Qualifizierungsphase folgt eine Praxisphase: Zwei Monate lang absolvieren die Teilnehmerinnen ein Praktikum in einem Unternehmen, erproben den Teilzeit-Alltag und schaffen im besten Fall den direkten Wiedereinstieg.

Die Arbeitsagenturen halten in jeder ihrer Geschäftsstellen Beratungskräfte vor, die speziell auf die Belange der Berufsrückkehrerinnen eingehen. Sybille Ahlborn ist in der Agentur für Arbeit Hamburg die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt: „Meine Kolleginnen und ich kümmern uns um die individuellen Anliegen der Frauen. Dabei greifen wir auf ein breites Netzwerk von Akteuren vor Ort zurück. Spezielle Beratungs-, Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote ermöglichen die Vermittlung und den beruflichen Wiedereinstieg. Über das Projekt „Zukunftsstarter" sprechen wir insbesondere auch junge Frauen -mit Kindern- in der Altersgruppe zwischen 25 und 35 Jahren an, um sie beruflich zu qualifizieren und über diesen Weg einen Berufsabschluss, ggf. auch in Teilzeitform, zu erlangen. Darüber erreichen diese Frauen mehr Eigenständigkeit und finanzielle Unabhängigkeit."

*Alle Berufs- oder Ausbildungsbezeichnungen im Text beziehen sich natürlich auf alle Geschlechter.

Presseteam der Agentur für Arbeit Hamburg

Frau Marina Marquardt