29.10.2018 | Presseinfo Nr. 22

Auswirkungen der Digitalisierung auf dem Hamburger Arbeitsmarkt

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) analysiert in einer aktuellen Regionalstudie die „Entwicklung der Substituierbarkeitspotenziale auf dem Hamburger Arbeitsmarkt".

Von den Auswirkungen, Herausforderungen und Chan-cen der Digitalisierung sind Hamburger Unternehmen und ihre Beschäftigten betroffen, aber auch Politik, Verwaltung und der Bildungsbereich sind gefordert. Das Substituierbarkeitspotential (SP) beschreibt den Anteil der Tätigkeiten in einem Beruf, der auch von Computern oder computergesteuerten Maschinen erledigt werden könnte und gilt als hoch, wenn es über 70 Prozent liegt. In den letzten Jahren sind viele neue Technologien marktreif geworden, so dass sich das Substituierbarkeitspotential von Berufen im Vergleich zu einer Vorgängerstudie aus dem Jahr 2015 deutlich erhöht hat.

Senator Frank Horch: „Hamburgs Stärke sind qualifizierte Köpfe. Sie bilden das Fundament für unseren Erfolg als Wirtschaftsstandort. Wir erhalten und steigern unsere Wettbewerbsfähigkeit durch Innovationen. Ein Standort kann nur erfolgreich sein, wenn ausrei-chend qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung stehen, die auch bereit sind, lebenslang zu lernen. Der mit dem digitalen Wandel einhergehende Strukturwandel wird Veränderungen für den Arbeitsmarkt mit sich bringen. Wir alle gemeinsam haben die Verantwortung, diesen Wandel zu gestalten. Gesellschaftliche Teilhabe funktioniert über Arbeit, darum ist es wichtig, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mitzunehmen und sie fit zu machen. Ausbildung und Qualifizierung sind darum die wesentlichen Aufgaben, die in den nächsten Jahren von Agentur für Arbeit, Politik, Verbänden, Gewerkschaften, Bildungseinrichtungen und Unternehmen gemeinsam geschultert werden müssen."

„Digitalisierung und technologische Entwicklungen verändern zunehmend unseren Arbeitsalltag. Es gibt praktisch keine Berufsbilder mehr, die nicht vom digitalen Wandel und den damit verbundenen Neuerungen betroffen sind. Insgesamt hat sich das Substituierbarkeitspotenzial in Hamburg deutlich vergrößert, zeigt die IAB-Studie. Sie beschreibt das technisch Machbare in den Unternehmen, kann aber nicht beziffern, wie sich die Beschäftigung in den nächsten fünf bis zehn Jah-ren tatsächlich entwickeln wird. Derzeit steigt die Beschäftigung in Hamburg von Monat zu Monat, und erzielt mit über 980.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitneh-mern einen aktuellen Höchstwert. Und trotz zunehmend automatisierbaren Ar-beitsabläufen erwarten wir einen weiteren Beschäftigungszuwachs. Die vorliegende IAB Studie beschreibt weiter, dass über fast alle Berufssegmente und An-forderungsniveaus das SP deutlich gestiegen ist. Insgesamt liegt der Anteil der Beschäftigten, die in einem Beruf mit hohem Substituierbarkeitspotential arbeiten, heute bei 17,8 Prozent, das sind etwa 168.000 betroffene Arbeitnehmer. Hamburg weist damit im Bundesvergleich einen eher geringen Anteil auf", beschreibt Sönke Fock, Vorsitzender der Geschäftsführung in der Agentur für Arbeit Hamburg sichtbare und zu erwartende Veränderungen auf dem regionalen Arbeitsmarkt.

Frau Dr. Tanja Buch, eine der zwei Autorinnen der IAB-Studie, fasst die Ergebnisse zusammen: „Durch die Digitalisierung werden Berufe nicht verschwinden, aber sich deutlich wandeln. Weiterbildung während des gesamten Erwerbsle-bens ist der entscheidende Schlüssel, um Arbeitslosigkeit auf der einen und Fach-kräftemangel auf der anderen Seite zu vermeiden."

Vor über 65 Jahren wurde die H. Jungheinrich und Co. Maschinenfabrik gegründet. Die heutige Jungheinrich AG beschäftigt in der Metropolregion Hamburg mitt-lerweile über 3.200 Mitarbeiter, weltweit sind es über 17.000. Ein Unternehmen, das sich dem technischen Fortschritt stets gestellt und innovativ gestaltet hat. Hans-Georg Frey, Vorsitzender des Vorstandes der Jungheinrich AG: „Digitalisierung und Automatisierung sind notwendige Chancen. Bei vielen unserer Kunden fehlt es durch den stetig steigenden E-Commerce nicht an Arbeit, sondern an Ar-beitskräften. Lageristen oder Fahrer, ob für Gabelstapler oder LKW, werden überall händeringend gesucht und sind kaum noch zu finden. Daher ist z.B. die Einführung vollautomatisierter, fahrerloser Stapler als nächste Innovationsstufe im Lager nicht nur folgerichtig, sondern ein notwendiger Schritt. Auch deshalb kommen Hamburg und Deutschland, wollen wir Wirtschaftskraft und Wohlstand bei sich kontinuierlich verkleinernder Anzahl an Arbeitnehmern erhalten, nicht um die Automatisierung von Abläufen in der Wirtschaft herum."

„Trotzdem verzeichnen wir seit Jahren einen kräftigen Beschäftigungszuwachs im Bereich Verkehr und Logistik, Fachkräfte für Lagerlogistik werden händeringend gesucht und eingestellt. Ob und wann computergesteuerte Maschinen und Prozesse die oben beschriebenen Kernkompetenzen übernehmen, hängt auch von finanziellen, gesamtwirtschaftlichen, rechtlichen und auch ethischen Aspekten ab, die ein Unternehmen zu berücksichtigen hat", beschreibt Fock am konkreten Beispiel die aktuelle Lage auf dem Hamburger Arbeitsmarkt.

Zugang zur IAB-Regional-Studie: Entwicklung der Substituierbarkeitspotentiale auf dem Hamburger Arbeitsmarkt: https://www.iab.de/de/publikationen/regional/nord.aspx

Presseteam der Agentur für Arbeit Hamburg

Frau Marina Marquardt