19.03.2020 | Presseinfo Nr. 71

Über 12.700 Anzeigen Kurzarbeit in Hamburg

Im Monat März 2020 sind insgesamt 12.724 Anzeigen für Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit Hamburg eingegangen. Die Daten zum Hamburger Arbeitsmarkt für den Monat März spiegeln die derzeitige Situation am Hamburger Arbeitsmarkt nicht wider.

In der heutigen Pressekonferenz der Agentur für Arbeit Hamburg nahm Sönke Fock bereits Stellung zum aktuellen Arbeitsmarkt und zur Kurzarbeit (siehe zweite Seite). Gegen Nachmittag veröffentlicht die Agentur für Arbeit nun die Anzahl der derzeit eingegangenen Anzeigen Hamburger Unternehmen zur Kurzarbeit: Im Monat März 2020 sind insgesamt 12.724 Anzeigen eingegangen.

„Wir haben mit einer sehr hohen Inanspruchnahme der Kurzarbeit durch die Hamburger Firmen gerechnet, was sich bereits in den vergangenen Tagen auch durch Umfragen einiger Arbeitgeber- bzw. Verbandsverbände andeutete. Auch der enorme Informations- und Beratungsbedarf der vergangenen zwei Wochen bei uns in der Arbeitsagentur ließ eine hohe Anzahl an Anzeigenmeldungen erwarten.
Grundsätzlich ein richtiger Schritt der Unternehmen, weil sie damit zum Ausdruck bringen, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter beschäftigen zu wollen, um nach der Krise sofort durchstarten zu können.
Allerdings können wir noch nicht einschätzen, wie viele Anzeigen tatsächlich in welchem zeitlichen Umfang umgesetzt werden und wie viele Personen jeweils hinter einer Meldung stehen. Die Höhe und Dauer der realisierten Kurzarbeit hängt dann davon ab, wie langfristig das Kontaktverbot und weitere Maßnahmen aufrechterhalten werden.  Ich gehe davon aus, dass wir auch im April eine weitere Zunahme der Betriebe haben werden, die Kurzarbeit vorsorglich anzeigen und nutzen müssen.“

Pressekonferenz 10:00 h:   Sönke Fock, Vorsitzender der Geschäftsführung in der Agentur für Arbeit Hamburg, zum Arbeitsmarkt und Kurzarbeit im März 2020

„Die neusten Daten zum Hamburger Arbeitsmarkt für den Monat März spiegeln die derzeitige Situation am Hamburger Arbeitsmarkt nicht wider. Grund dafür ist der statistische Stichtag (Donnerstag 12.03.2020), an dem die Arbeitsmarktdaten bundesweit aufbereitet werden und der nur wenige Tage vor Beginn der Auswirkungen der Pandemie in Hamburg lag. Diese festgelegten Stichtage im Kalenderjahr umfassen immer das Zeit- und Gesamtgeschehen eines vollen Monats, aktuell wurden die Daten vom 13.02.2020 bis 12.03.2020 ausgewertet.

Arbeitslosigkeit: Leichter Rückgang zum Vormonat, hoher Anstieg zum Vorjahr

Im aktuellen Monat waren 66.533 Hamburger arbeitslos gemeldet, ein Rückgang um 1.177 Personen zum Vormonat, im Jahresvergleich stieg die Arbeitslosigkeit dagegen um 3.056 oder 4,8 Prozent. Die Arbeitslosenquote beträgt 6,3 Prozent.
Die Gesamtbeschäftigung in Hamburg stieg im Januar 2020 um 23.300 oder 2,4 Prozent zum Vorjahresmonat auf 1.012.400 sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer.

Veränderungen

Die Folgen der Epidemie hat das Wirtschaftsgeschehen, das unternehmerische Handeln, aber auch unsere Freiheit am Arbeitsplatz plötzlich stark verändert und deutlich eingeschränkt. Nichts ist mehr selbstverständlich im täglichen Umgang mit altbekannten Auftraggebern oder neuen Kunden. Von Kurzarbeit betroffen ist ein Großteil der Hamburger Wirtschaft, weil Konsum- und Warenströme, Dienstleistungen und kulturelles Leben mittlerweile auch international gravierend eingeschränkt sind. Daraus ergibt sich, dass ein deutlich geringeres Arbeitsvolumen in der nächsten Zeit in den Unternehmen nachgefragt werden wird. Kurzarbeit hilft, Arbeitsplätze in dieser Phase zu erhalten und den Anstieg von Arbeitslosigkeit geringer zu halten.

Kurzarbeit – drei Eckpfeiler

  1. Vereinfachter Zugang zur Kurzarbeit: Die rechtlichen Voraussetzungen für den Bezug von Kurzarbeitergeld für die Betriebe und Unternehmen sind durch den Gesetzgeber vereinfacht worden. Kurzarbeit kann jetzt bis Ende 2020 für 12 Monate bewilligt werden. Informationen zur Kurzarbeit sind jederzeit über verschiedene Internetportale abrufbar. Wir als Arbeitsagentur, aber auch Kammern, Verbände, Innungen, Ministerien informieren und beraten praktisch ununterbrochen.
  2. Beschäftigung sichern: Kurzarbeit sichert den Unternehmen und Betrieben in einer vorübergehenden Krise bewährte Mitarbeitende, Fach- und Führungskräfte. Für die Zeit der Kurzarbeit erhalten die Arbeitnehmenden etwa 60 oder 67 Prozent ihres Nettoentgeltes. Alle Sozialversicherungsbeiträge erstattet die BA komplett. Damit werden Beschäftigungsverhältnisse gesichert und individuelle Arbeitslosigkeit mit allen Folgen vorerst verhindert.
  3. Liquidität des Unternehmens stützen. Unternehmen und Betriebe haben während der Covid-19 bedingten Reglementierungen weiterlaufende Kosten, z. Bsp. wie Miete, Leasingraten oder fällige Versicherungsbeiträge. Über das Kurzarbeitergeld werden die Personalkosten deutlich reduziert und die Unternehmen darüber direkt entlastet.

Die Arbeitslosigkeit wird in den nächsten Monaten trotz großer Bemühungen aller verantwortlichen Akteure in Politik, Wirtschaft und Verwaltung ansteigen. Wie stark dieser Anstieg ausfallen wird und wie lange er anhält, ist derzeit nicht abzusehen. Die Agentur für Arbeit Hamburg und Jobcenter team.arbeit.hamburg sichern über das Kurzarbeitergeld, das Arbeitslosengeld und die Grundsicherung den Hamburgerinnen und Hamburger eine finanzielle Grundlage.
Mit großem Respekt und anerkennend blicke ich auf die immense Leistungsbereitschaft meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Alle nehmen ihre Verantwortung gegenüber der regionalen Wirtschaft, den Beschäftigten und den Arbeitsuchenden sehr ernst. Die oberste Priorität ist, Leistung so rasch wie möglich und verlässlich zahlbar zu machen. Für die fachübergreifende Flexibilität und das persönliches Engagement aller Beschäftigten in Agentur und Jobcenter spreche ich meinen großen Dank aus!“

Presseteam der Agentur für Arbeit Hamburg

Frau Marina Marquardt