03.06.2020 | Presseinfo Nr. 80

Hamburger Ausbildungsmarkt: für alle Schulabschlüsse weiterhin verschiedene Möglichkeiten in den Berufseinstieg

Seit Oktober 2019 sind der Ausbildungsvermittlung 8.900 Lehrstellen aus der Hamburger Wirtschaft gemeldet worden. Davon sind noch 4.800 zu besetzen. Die Gartenanbaubetriebe in der Bergedorfer Region suchen und freuen sich über junge Leute, die sich zum Gärtner ausbilden lassen möchten. Im vergangenen Jahr sind hier 140 Ausbildungsverträge unterzeichnet worden.

201 freie Ausbildungsstellen in Bergedorf laut Arbeitsmarktbericht Mai 2020 - Andreas Kröger: Ausbildung im Gartenbau ist krisensicher

Die Agentur für Arbeit Hamburg hat ihre aktuellen Arbeits- und Ausbildungsdaten für den Monat Mai 2020 ganz bewusst im Bezirk Bergedorf vorgestellt. Bergedorf weist unter den sieben Hamburger Bezirken den niedrigsten Bestand an Arbeitslosen aus, derzeit sind es fast 6.000, die Arbeitslosenquote liegt bei 8,2 Prozent. Wie auch in den anderen Hamburger Bezirken stieg die Arbeitslosigkeit in den vergangenen zwei Monaten merklich an.

„Seit Oktober 2019 haben uns die Bergedorfer Unternehmen 372 Ausbildungsstellen gemeldet, von denen im Mai noch 201 zu besetzen sind“, erklärt Ulf Fock. Er leitet seit über 15 Jahren die Bergedorfer Arbeitsagentur, kennt damit das regionale Ausbildungsgeschehen und die hiesigen Ausbildungspartner sehr genau.

„Es ist tatsächlich ein besonderer regionaler Ausbildungsmarkt, der gerade von jungen Leuten eine hohe berufliche und regionale Flexibilität verlangt, denn wir haben mit 813 gemeldeten Bewerbern einen deutlichen Überhang zu den angebotenen 372 Lehrstellen. Das ist gut für die Betriebe, sie agieren in der Regel besonders dicht an und mit den Ausbildungssuchenden. Ein lokal-sympathischer Vorteil“, ergänzt Fock.

Für Andreas Kröger, Präsident der Landwirtschaftskammer Hamburg, sind die Ausbildungsberufe aus dem Garten- und Landschaftsbau vor allen Dingen ein krisensicherer Berufseinstieg: „Der Gartenbau ist ein zukunftsorientierter Wirtschaftszweig. Steigendes Ernährungs- und Umweltbewusstsein, der Wunsch nach regionalen Produkten, aber auch grüner Dienstleistung sind Herausforderungen und Chancen in das Know-how der Gärtner. Gut ist, dass unsere 7 Fachrichtungen von dieser positiven Entwicklung profitieren. Aber, für eine dauerhafte zukunftsorientierte grüne Branche brauchen wir gut ausgebildete Fachkräfte im Gartenbau. So wie aus einem Samenkorn eine Pflanze heranwachsen kann, so kann sich ein Auszubildender zum Meister weiterbilden oder sogar Universitätsprofessor werden - die Grüne Branche bietet zahlreiche Aufstiegsmöglichkeiten“.

In Hamburg starteten im vergangenen Jahr 141 Auszubildende mit ihrer gärtnerischen Berufsausbildung. „Diese Zahl wollen wir auch in diesem Jahr erreichen“, wirbt Kröger für eine qualifizierte, kreative und schaffende Ausbildungszeit für seine grüne Branche.

Der Ausbildungsberuf Gärtnerin/Gärtner mit seinen sieben Fachrichtungen:

Zierpflanzengärtnerin/-gärtner

beschäftigt sich hauptsächlich mit Vermehrung, Anzucht und Verkauf von Zierpflanzen, arbeiten meist in Gewächshäusern, im Freiland, in Endverkaufsbetrieben wie zum Beispiel Gartencentern oder bei Unternehmen, die sich auf Raumbegrünung spezialisiert haben. Mit ihrer Arbeit liefern sie einen wichtigen Beitrag zur Attraktivität von geschlossenen Räumen und sorgen über das ganze Jahr für bunte Beete. Der Automatisierungsgrad ist sehr hoch und die eingesetzte Technik wie zum Beispiel Klima- oder Düngecomputer ist komplex. Der Einsatz von biologischem Pflanzenschutz wie zum Beispiel der Einsatz von Schlupfwespen gehört heute fest zum Berufsbild. Zierpflanzengärtnerinnen/-gärtner können den Schwerpunkt Beraten und Verkaufen wählen.

Friedhofsgärtnerin/-gärtner

beschäftigt sich hauptsächlich mit der Anlage, Gestaltung und Pflege von Grabstätten, aber auch mit der Vermehrung und Anzucht von Pflanzen zur Verwendung auf den Grabstätten sowie mit Schalenbepflanzung und dem Binden von Kränzen. Ihr Arbeitsort sind parkähnliche Gelände mit der vielleicht größten innerstädtischen Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren, die auch als Naherholungsziel dienen, in einer Oase der Ruhe, in der aber natürlich auch gelacht werden darf - dem Friedhof. Ein Auge für Details und sehr breitgefächerte Pflan-zenkenntnisse sind für diesen Beruf wichtig.

Staudengärtnerin/-gärtner

beschäftigt sich mit Vermehrung, Anzucht und Verkauf von mehrjährigen Pflanzen die den Winter zumeist unter der Erde verbringen mit Stauden. Der Großteil der Arbeit findet auf Anbauflächen im Freien statt aber auch in Topf- und Versandhallen. Stauden bieten mit ihrer enormen Vielfalt schier unendliche Möglichkeiten und stehen heute zum Beispiel im Fokus, wenn es darum geht Bienenweiden für fast das ganze Jahr zu erstellen. Staudengärtnerinnen/-gärtner können den Schwerpunkt Beraten und Verkaufen wählen.

Gemüsegärtnerin/-gärtner

beschäftigt sich mit Anbau, Pflege, Ernte und Verkauf von Gemüse. Ihr Arbeitsumfeld richtet sich nach den angebauten Kulturen und liegt zum Beispiel bei Tomaten und Gurken im Gewächshaus oder bei Gemüsearten wie Kohl im Freiland. Die Ansprüche an die Pflanzenkenntnisse sind groß, es gilt nicht nur zu wissen, welches Gemüse sich gut mit anderen Gemüsen als Nachbar verträgt, sondern auch die Fruchtfolge muss bedacht werden. Auch die Möglichkeiten des biologischen Pflanzenschutzes werden hier vielfältig genutzt zum Beispiel durch den Einsatz von Marienkäfern zur Blattlausbekämpfung. Die eingesetzte Technik ist vor allem bei Kulturen im Gewächshaus sehr komplex, da hier von der Temperatur über die Lichtintensität bis zur Wasser- und Düngegabe alles per Computer gesteuert wird. Gemüsegärtnerinnen/-gärtner leisten einen wichtigen Beitrag zur regionalen Versorgung der gesamten Bevölkerung.

Baumschulgärtnerin/-gärtner

beschäftigt sich mit Vermehrung, Anzucht und Pflege von allen verholzenden Pflanzen, von der Rose bis zur Eiche. Sie sind die Pädagogen unter den Gärtnern, da man davon spricht, dass sie die Gehölze erziehen. Sie sorgen mit ihrer Arbeit für gutes Klima in unseren Städten und sind heute auf der Suche nach Bäumen, welche mit den klimatischen Bedingungen von morgen zurechtkommen. Technik ist in ihrem Berufsalltag immer dabei, von der Topfmaschine bis zum Ladekran um Großbäume zu verladen. Baumschulgärtnerinnen/-gärtner können den Schwerpunkt Beraten und Verkaufen wählen.

Obstgärtnerin/-gärtner

beschäftigt sich mit der Auswahl, Anzucht und Pflege von Obstgehölzen und mit Ernte, Sortierung, Lagerung und Vermarktung von Obst. Sie arbeiten meist im Freiland, aber auch in Sortier- und Verpackungshallen oder auf dem Wochenmarkt. Vom Apfel bis zur Mini-Kiwi produzieren sie alles was süß ist und das in hervorragender Qualität, da die Früchte vollreif geerntet werden können und keine langen Transportwege haben. Obstgärtnerinnen/-gärtner leisten damit einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz. Handarbeit gehört ganz klar zum Beruf, aber auch moderne Technik wie die Unterstützung durch Drohnen zur Schädlingserkennung oder selbstfahrende Roboter zur Mulchung.

Landschaftsgärtnerin/-gärtner

beschäftigt sich mit der Planung, Neuanlage und Pflege von Gärten, Parks und begrünten Dächern. Sie arbeiten dabei zum allergrößten Teil draußen. Die Materialien mit denen sie arbeiten sind sehr vielfältig, von Holzdielen für Terrassen über Kleinpflaster für den Wegebau zu Plastikrohren für Drainagearbeiten und natürlich Pflanzen, hier ist alles dabei vom Samenkorn bis zum Großbaum. Bei allem was mit Pflanzung oder Ansaat zu tun hat greifen sie auf die Produkte ihrer Kolleginnen und Kollegen der anderen gärtnerischen Berufe zurück und können sich auf eine gute Qualität verlassen. Handarbeit ist hier stets gefragt, aber die Technik erleichtert den Berufsalltag immer mehr zum Beispiel durch Vakuum-Plattensauger oder Bau-Lasern zur Geländevermessung. Der Kontakt und Umgang mit Kunden ist fast täglich ein Teil der Arbeit.

Presseteam der Agentur für Arbeit Hamburg

Frau Marina Marquardt