30.11.2021 | Presseinfo Nr. 19

Beschäftigung von Menschen mit Behinderung in Hamburg

Hamburger Unternehmen beschäftigen insgesamt zu wenig Menschen mit Behinderung in ihren Betrieben, das belegen statistische Auswertungen der Agentur für Arbeit Hamburg. Den gesetzlichen Vorgaben entsprechend, sind 5.132 Unternehmen in der Hansestadt mit 20 und mehr Arbeitsplätzen dazu verpflichtet, über 39.800 Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen zu besetzen.

Die Realität sieht allerdings anders aus: Fast 12.200 dieser Stellen sind frei geblieben, so dass die Beschäftigungsquote für Hamburg mit insgesamt 4,2 Prozent im Bundesländervergleich deutlich zu niedrig ausfällt. Ziemlich genau ein Drittel (1.711) der Betriebe kommen damit ihrer Integrationsverpflichtung nicht nach und zahlen dafür eine sogenannte Ausgleichsabgabe, die, so die Sozialbehörde, im Jahr 2020 für Einnahmen von über 32,6 Millionen Euro sorgten.

Gegenüber den öffentlichen Arbeitgebern (6,8 Prozent) erreicht die Beschäftigungsquote privater Hamburger Arbeitgeber mit 3,6 Prozent den letzten Platz im westdeutschen Bundesländervergleich, gleichauf mit Berlin.

„Nicht nur mit Blick auf den Fachkräftebedarf in Hamburg und die demografische Entwicklung fordere ich Personalentscheider auf, ihren Blick auch für diese Gruppe des Arbeitsmarktes zu schärfen und ihnen konkrete Jobs anzubieten. 

Im November 2021 waren in Hamburg 3.425 schwerbehinderte Hamburgerinnen und Hamburger arbeitslos gemeldet, denen ihre Behinderung in den wenigsten Fällen anzusehen ist. 1.600 dieser Arbeitssuchenden sind sehr gut ausgebildet und stehen als Fachkräfte, Spezialisten oder Experten jedem Personaler sofort für ein Vorstellungsgespräch zur Verfügung“, wirbt Sönke Fock, Vorsitzender der Geschäftsführung in der Agentur für Arbeit Hamburg für eine besonders motivierte Gruppe am Hamburger Arbeitsmarkt.

Er kennt aber auch die Vorbehalte und hartnäckigen Klischees, die leicht zu entkräften sind: „Rollstühle, besonderer Kündigungsschutz oder hohe Krankheitszeiten müssen raus aus den Köpfen und einer vorurteilfreien Einstellungspraxis weichen“, bekräftigt Fock.

Vom 01. bis 03. Dezember 2021 hat die Agentur für Arbeit eine spezielle Hotline für Arbeitgeber geschaltet, um Fragen zur Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen zu beantworten. Unter 040 2485 2577 ist der Arbeitgeber-Service Hamburg erreichbar und informiert entsprechend.

Hotline und Arbeitgeberkontakte:

In der Woche der Menschen mit Behinderung vom 29. November 2021 bis 03. Dezember 2021 können sich Unternehmen, die Menschen mit Behinderung einstellen möchten oder sich für Fördermöglichkeiten interessieren, an den Arbeitgeber-Service Hamburg wenden: Telefonisch unter 040 2485 2577 oder per E-Mail an Hamburg.Arbeitger-schwb@Arbeitsagentur.de.

In Hamburg sind über 3.400 Menschen mit Behinderung arbeitslos und suchen eine neue berufliche Herausforderung. Etwa 1.650 oder 45 Prozent verfügen über eine berufliche oder akademische Ausbildung. Unternehmen oder Institutionen können sich an die Arbeitsvermittlung (040 2485 1212 oder per E-Mai: Hamburg.Mitte-562-Vermittlung@arbeitsagentur.de) wenden, wenn sie sich für eine der Bewerberinnen oder Bewerber interessieren.

Die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH steht hier exemplarisch für Betriebe, die sich sichtbar für die gleichberechtigte Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben einsetzen und sehr gute Erfahrungen mit ihren neuen Mitarbeitenden gemacht haben.

Die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH (VHH) beschäftigt rund 2.240 Mitarbei-tende an insgesamt 13 Standorten. Mit über 160 Linien und fast 700 Fahrzeugen in der Metropolregion Hamburg ist die VHH Norddeutschlands zweitgrößtes Verkehrsunternehmen. Das Unternehmen hat es sich zum Ziel gesetzt, Weltoffenheit, verbunden mit Akzeptanz und gegenseitiger Wertschätzung zu fördern. Deshalb unterschrieb die VHH bereits 2010 die Charta der Vielfalt. Deren Umsetzung hat zum Ziel, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das frei von Vorurteilen ist. Alle Menschen sollen Wertschätzung erfahren – unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität.

Die VHH als Arbeitgeberin sieht zum Beispiel autistische Mitarbeitende als große Bereicherung. Dem Unternehmen ist es wichtig, Stellen anzubieten, die auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Das Unternehmen möchte individuelle Lösungen finden, um Personen im Autismus-Spektrum die Möglichkeit zu geben, ihr Potential auszuschöpfen und ihre Stärken für das Unternehmen einzusetzen. Auch als Auszubildende sind autistische Menschen bei der VHH willkommen. Während der Ausbildung wird darauf geachtet, dass sie ihre Interessen vertiefen können. In individuellen Absprachen werden gemeinsam die Aufgaben geplant.

VHH-Ausbilder Jan Fuhrman: „Die VHH macht seit 2015 sehr gute Erfahrungen mit Auszubildenden, die einen autistischen Hintergrund haben. Wir nehmen sie als sehr engagierte Mitarbeitende wahr, die über ein hohes Maß an Konzentrationsfähigkeit und ein hervorragendes Gedächtnis verfügen. Damit sie bei der VHH ihr ganzes Potential ausschöpfen können, bieten wir ihnen unter anderem eine spezielle Betreuung während der Ausbildung an. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Einrichtungen werden sie zum Beispiel sozialpädagogisch und psychologisch betreut.“ Inzwischen haben zwei Mitarbeitende mit autistischem Hintergrund ihre Ausbildung bei der VHH erfolgreich abgeschlossen. Sie sind heute in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis in dem Unternehmen tätig. Aktuell befinden sich vier Autisten in der Ausbildung des Unternehmens. Zwei von ihnen lernen den Beruf der Kaufleute für Verkehrsservice, einer absolviert die Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb und einer zum Mechatroniker.

Ergänzende Informationen im Überblick:

Zahlen & Daten für Hamburg:

(Werte aus dem Jahr 2019, erstellt März 2021)
5.132 private oder öffentliche Arbeitsgeber, mit mindestens 20 Beschäftigten, müssen nach dem Sozialgesetzbuch IX schwerbehinderte Menschen einstellen.

3.421 Unternehmen beschäftigen Menschen mit Behinderung, 1.711 oder 33,3 Prozent beschäftigen keine schwerbehinderten Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter.

39.854 Pflichtarbeitsplätze sind von 5.132 Arbeitgebern anzubieten, 34.854 sind, auch durch Mehrfachanrechnungen, besetzt.

11.197 Pflichtarbeitsplätze blieben im Jahr 2019 in Hamburg unbesetzt.

Mehrfachanrechnung:

Schwerbehinderte Menschen, deren Teilhabe am Arbeitsleben auf besondere Schwierigkeiten stößt, können durch die Agentur für Arbeit auf mehr als einen Pflichtarbeitsplatz angerechnet werden. Durch die Mehrfachanrechnung soll Arbeitgebern ein finanzieller Anreiz (Einsparung der Ausgleichsabgabe) zur Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen gegeben werden.

Ausgleichsabgabe:

Für jeden nicht besetzten Pflichtarbeitsplatz zahlen Unternehmen monatlich eine Ausgleichsabgabe von 140 bis 360 € (gültig ab dem Anzeigejahr 2021). Die Höhe ist davon abhängig, in welchem Umfang die Beschäftigungspflicht erfüllt wird. Pro unbesetztem Pflichtarbeitsplatz werden fällig

140 € bei einer Beschäftigungsquote von 3 Prozent bis weniger als 5 Prozent,

245 € bei einer Beschäftigungsquote von 2 Prozent bis weniger als 3 Prozent,

360 € bei einer Beschäftigungsquote von 0 Prozent bis weniger als 2 Prozent.

Presseteam der Agentur für Arbeit Hamburg

Frau Marina Marquardt