04.03.2021 | Presseinfo Nr. 27

28.500 Hammer Frauen arbeiten versicherungspflichtig – in MINT Berufen aber nur selten vertreten

Hamm. Zum Weltfrauentag am 8. März wirft die Arbeitsagentur einen Blick auf die Situation von Frauen auf dem Hammer Arbeitsmarkt. Während sich die allgemeine Beschäftigungslage in den letzten Jahren bis zur Corona-Pandemie deutlich gebessert hat, bleiben dennoch viele Beschäftigungschancen in MINT Berufen ungenutzt.

Zum ersten Mal seit 2013 ist die Zahl der arbeitslosen Frauen im Stadtgebiet im vergangenen Jahr pandemiebedingt gestiegen. Durchschnittlich waren 3.790 Frauen als arbeitslos registriert. Gegenüber 2019 ergab sich damit ein Anstieg um knapp zehn Prozent, die durchschnittliche Arbeitslosenquote betrug 8,9 Prozent und damit 0,7 Prozentpunkte mehr als 2019. Auffällig ist, dass 60 Prozent der arbeitslosen Frauen in Hamm keine abgeschlossene Berufsausbildung haben und gut die Hälfte lediglich eine Helfertätigkeit sucht.

Positiver stellt sich die Entwicklung der Beschäftigung dar: So hat sich die Beschäftigungsquote der Frauen von 40,2 Prozent im Jahr 2010 bis Januar 2020 auf 50,1 Prozent kontinuierlich gesteigert. Mehr als die Hälfte von ihnen ist im Gesundheitswesen, Einzelhandel, in Heimen und im Sozialwesen sowie in der Verwaltung tätig.

Für Martina Leyer, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, eine Ausgangssituation, die Raum für Verbesserung lässt: „Die Branchen, in denen die meisten Frauen arbeiten, haben sich seit Jahren nicht verändert. Das unglaublich große Potenzial der MINT Berufe wird von vielen Frauen jedoch übersehen.“ Dabei lägen die Vorzüge auf der Hand: „Neben zukunftsorientierten Karrierepfaden im Zuge von Digitalisierung und Arbeitswelt 4.0 zeichnet sich die Branche vor allem durch eine hohe Vereinbarkeit von Beruf und Familie aus“, weiß Martina Leyer. Daneben würden Berufe in Naturwissenschaft und Technik oft von besseren Verdienstmöglichkeiten profitieren, was bei einem Blick auf das geschlechtsspezifische Lohngefälle nicht unbedeutend sei: „Im Vergleich zu Männern verdienen Frauen in Hamm schließlich rund 400 Euro weniger, was insbesondere an den Helfertätigkeiten und Branchen liegt, in denen sie arbeiten.“

Für Martina Leyer ist es wichtig, Frauen auf Jobsuche oder mit dem Wunsch zur Neuorientierung umfassend zu informieren und ihnen so zu einer durchdachten Karriereplanung zu verhelfen: „Ein Beruf muss Freude machen, das ist nicht verhandelbar. Aber genauso müssen die Rahmenbedingungen passen, seien es Gehalt oder Lage und Verteilung der Arbeitszeit.“ Die Arbeitsmarktexpertin ist überzeugt, dass Arbeitgeber einen Wettbewerbsvorteil bei der Fachkräftegewinnung haben, wenn sie Teilzeitarbeit ermöglichen: „Viele Frauen haben neben dem Beruf familiäre Verpflichtungen, meist eigene Kinder oder pflegebedürftige Angehörige. Nicht umsonst arbeiten über vier von zehn Frauen in Teilzeit, während es nur einer von zehn Männern tut. Arbeitgeber, die dieser Nachfrage mit flexibler Arbeitszeitgestaltung begegnen, können sich motivierte Fachkräfte sichern, die nach der Familienphase oft auf Vollzeit erhöhen.“
Martina Leyer berät interessierte Frauen in Hamm zu individuellen Jobchancen und Qualifizierungsmöglichkeiten: 02381/9102167 oder Hamm.BCA@arbeitsagentur.de.