04.11.2019 | Presseinfo Nr. 120

Ausbildungsmarktbilanz 2018/2019

Ausbildungsmarkt in der Stadt Hamm steuert auf einen Bewerbermarkt zu.
Mehr Chancen für Jugendliche, für Arbeitgeber wird es schwieriger.
 

Hamm. Im gemeinsamen Pressegespräch zogen Thomas Helm, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hamm, und Detlef Schönberger, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe, Olesja Mouelhi-Ort, Geschäftsführerin der Handwerkskammer Dortmund, Michael Ifland, Geschäftsführer Berufliche Bildung der IHK Dortmund, Dr. Britta Obszerninks, Bildungsdezernentin der Stadt Hamm, Marie-Luise Roberg, Leiterin des Kommunalen Jobcenters Hamm, Jutta Reiter, Regionsgeschäftsführerin der DGB-Region Dortmund-Hellweg und Corina Mader, Referentin von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Hamm, die Bilanz zum Berufsberatungsjahr 2018/2019. Die Agentur für Arbeit Hamm hatte dafür die Ausbildungsmarktpartner zur Konferenz in die Albert-Schweitzer-Schule nach Hamm geladen, um das Engagement der Schule und die gute Zusammenarbeit im Rahmen von Berufsorientierung und Berufswahl herauszustellen. Schulleiterin Heike Verspohl informierte über die Aktivitäten und Erfahrungen im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Übergang der Schülerinnen und Schüler an der Schwelle zum Berufsleben.

Insgesamt meldeten die Betriebe und Ausbildungsträger in Hamm zwischen Oktober 2018 und September 2019 der Agentur für Arbeit Hamm 1.143 Berufsausbildungsstellen. Das sind 121 Ausbildungsstellen (+11,8 Prozent) mehr als vor einem Jahr. Der Großteil entfiel auf betriebliche Ausbildungsstellen. Mit 1.075 war es ein Plus von 102 (+10,5 Prozent). Dem gegenüber standen 1.597 gemeldete Bewerber für Berufsausbildungsstellen, 46 weniger als im Vorjahr (-2,8 Prozent).

Zum Ende des Berichtsjahres am 30. September waren 58 Ausbildungsstellen unbesetzt, zwei weniger als im Vorjahresvergleich. Dagegen waren 90 Jugendliche Ende September noch unversorgt und damit exakt so viele wie vor einem Jahr. Für sie wird gerade die jetzt laufende Nachvermittlungsaktion wichtig sein, die gezielt auf noch freie oder wieder frei gewordene Ausbildungsstellen hinweist.

Von den knapp 1600 Bewerbern sind 819 in Berufsausbildung eingemündet, 125 haben Arbeit aufgenommen, 253 gehen weiter zur Schule, 47 haben ein Studium aufgenommen, sieben ein Praktikum, 19 haben Wehr-, Zivil- oder Freiwilligendienste angetreten und 26 sind in Bildungsmaßnahmen gegangen. Weitere 211 haben keinen Verbleib mitgeteilt, aber auch keine aktive Hilfe bei der Ausbildungssuche mehr nachgefragt.

Im Laufe des Ausbildungsjahres standen in Hamm für jeden Bewerber statistisch 0,72 Stellen zur Verfügung. Dies ist ein deutliches Plus gegenüber der Relation von 0,62 aus dem letzten und 0,53 aus dem vorletzten Jahr. Im Landesvergleich rangiert die aktuelle Relation im Kreis allerdings weiterhin auf den unteren Plätzen.

Die Ausbildungsbeteiligung der Betriebe in Hamm ist im vergangenen Jahr nicht weiter gesunken. Wie schon im Jahr zuvor, lag der Anteil an ausbildenden Betrieben 2018 bei 25,7 Prozent. Auch die Ausbildungsquote in den Unternehmen, also der Anteil der Teilnehmer in Aus- und Weiterbildung an allen Beschäftigten, konnte auf dem Vorjahresniveau von 6,1 Prozent gehalten werden. Beide Werte liegen deutlich über dem Landes- und Bundesdurchschnitt (Ausbildungsquote NRW: 5,2 Prozent).

„Das Ungleichgleichgewicht auf dem Ausbildungsmarkt in Hamm ist im abgelaufenen Berufsberatungsjahr erneut kleiner geworden, was angesichts vieler vorheriger Jahre ohne positive Entwicklung eine sehr gute Nachricht ist“, zieht Thomas Helm, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hammer Arbeitsagentur, Bilanz. „Dies fußt zum einen auf weiter rückläufigen Bewerberzahlen, zum anderen auf erneut gestiegenem Ausbildungsstellenangebot.“

„Insbesondere für junge Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz haben Demografie und gestiegenes Engagement der Unternehmen zu einer Verbesserung der eigenen Chancen geführt“, so Thomas Helm. Es sei im vorigen und insbesondere in diesem Jahr einfacher geworden, Bewerbern eine Ausbildungsstelle anbieten zu können. Dies sei zum einen statistisch begründet, zum anderen qualitativ: „Viele Unternehmen in Hamm haben sich hinterfragt und darauf abgestellt, ihr Angebot an interessierte junge Menschen auszuweiten und besser darzustellen. Das ist positiv bei den Jugendlichen angekommen, was sich an der leicht rückläufigen Zahl nicht besetzter Stellen zeigt.“ Nicht ignorieren will Thomas Helm die Kehrseite der Entwicklung: „Hamm steuert immer mehr auf einen Bewerbermarkt zu. Was für Jugendliche erfreulich ist, birgt für Unternehmen Risiken, denn die Konkurrenz um die besten Köpfe verschärft sich und die Wahrscheinlichkeit, einen Azubi für die eigene Firma zu finden, sinkt.“ Dennoch steht für den Agenturleiter fest: „Es gibt keine Alternative zum Ausbilden. Und deswegen möchte ich mich bei den Unternehmen nicht nur für ihr Engagement bedanken, sondern gleichzeitig dafür werben, in den Bemühungen nicht nachzulassen. Ausbildung ist und bleibt die stärkste Säule der Fachkräftegewinnung.“ Würden während der Ausbildung Schwierigkeiten auftreten, sichert der Agenturleiter die Unterstützung der Arbeitsagentur zu: „Wenn Anlaufschwierigkeiten in der Ausbildung oder Zweifel bestehen, ob ein Bewerber die Berufsschule schafft, können ausbildungsbegleitenden Hilfen („abH“) und assistierte Ausbildung gute Rezepte gegen einen Ausbildungsabbruch sein.“

Obwohl sich in der Stadt Hamm die Zahlen von gemeldeten Bewerbern und Stellen kontinuierlich aufeinander zu bewegen, richtet Thomas Helm einen wichtigen Appell an junge Bewerber: „Es ist nie zu früh, in den Berufswahlprozess einzusteigen. Denn nach wie vor haben Jugendliche in der Regel keine freie Wahl der Lehrstelle. Sie müssen aus dem regionalen Angebot wählen. Umso wichtiger ist es daher, sich umfassend beraten zu lassen. Nur so lernen Jugendliche Nischenberufe kennen, loten Alternativen aus und vermeiden letztlich Enttäuschungen.“ Als zweite wichtige Voraussetzung benennt Thomas Helm die Mobilität: „Wer bereit ist, eine gewisse tägliche Pendelstrecke in Kauf zu nehmen oder gar die Möglichkeit eines Umzugs in Erwägung zieht, verbessert seine Chancen auf den Traumberuf natürlich maßgeblich.“ 

Abschließend ist Thomas Helm wichtig, das Angehen der Herausforderungen des Ausbildungsmarktes als gemeinsame Aufgabe verstanden zu wissen: „Nur dann, wenn Arbeitsagentur und Jobcenter im Schulterschluss mit Schulen, Kammern, Verbänden und Unternehmen weiter partnerschaftlich an lokalen Handlungsvereinbarungen arbeiten, können wir echte Erfolge bei der Fachkräftesicherung verzeichnen. Für einzelne Akteure allein ist diese wichtige Aufgabe nicht zu stemmen.“