Jahresbilanz zum Ausbildungsmarkt 2022/2023

Über 1.400 Jugendliche nutzten die Berufsberatung

Ausbildungsbetriebe boten über 2.000 Ausbildungsplätze an

Frühzeitiger Kontakt zur Berufsberatung unterstützt wichtigen Berufswahlprozess

09.11.2023 | Presseinfo Nr. 66

Die Jahresbilanz bezieht sich auf den Agenturbezirk Heide, der die beiden Landkreise Dithmarschen und Steinburg umfasst.

Ausbildungsplatzbewerber

In der Zeit vom 01. Oktober 2022 bis zum 30. September 2023 beauftragten 1.438 Jugendliche und junge Erwachsene die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Heide mit der Vermittlung einer betrieblichen Ausbildungsstelle. Dies waren 132 weniger (-8,4 Prozent) als im Vergleichszeitraum 2021/2022. Gut die Hälfte der Bewerberinnen und Bewerber konnte erfolgreich in eine Ausbildung integriert werden. Diejenigen, die nicht in eine Ausbildungsstelle eingemündet sind, haben – zum Teil mit der Unterstützung der Berufsberatung – alternative Lösungen gefunden. Sie entschieden sich zum Beispiel für den weiteren Schulbesuch, die Aufnahme eines Studiums oder eines Praktikums. Ferner mündeten aus dieser Gruppe Bewerber in eine betriebsnahe Qualifikation, wie z.B. eine Einstiegsqualifizierung oder eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme ein oder sie nahmen einen gemeinnützigen/sozialen Dienst auf.

Bei den Berufswünschen der jungen Berufswählerinnen und Berufswähler hat es durchweg betrachtet wenig Bewegung gegeben. Die Top-10 Berufe insgesamt stammen zum größten Teil aus den Bereichen Industrie und Handel sowie des Handwerks und sind bis auf zwei Veränderungen dieselben geblieben. Der Beruf ‚Fachinformatik Anwendungsentwicklung‘ und das Maler- und Lackierer Handwerk sind neu. Die Top-10 verlassen haben die Berufe Zimmerer/Zimmerin und Friseur/-in.

Weibliche Ausbildungsplatzsuchende wünschten sich vorrangig Berufe im Gesundheitsbereich, im Verkauf und im Büro (zum Beispiel Kauffrau Büromanagement, Verwaltungsfachangestellte). Bei männlichen Bewerbern erfreute sich wie im Vorjahr der Beruf des Kfz-Mechatronikers großer Beliebtheit. Dem folgten die Berufe Verkäufer und Fachinformatiker, der bei den männlichen Bewerbern mit zwei Schwerpunkten vertreten ist (Fachinformatiker Systemintegration und – neu – Fachinformatiker Anwendungsentwicklung).

Knapp 75 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber verfügten über einen Abschluss der Sekundarstufe I (Erster allgemeinbildender Schulabschluss und Mittlerer Schulabschluss), 18 Prozent über einen Sekundarstufen II-Abschluss (Fachhochschulreife, Allgemeine Hochschulreife) und ca. 7 Prozent hatten keinen Schulabschluss oder keine Angabe zum Abschluss gemacht.

103 Jugendliche und junge Erwachsene konnten keinen passenden Ausbildungsplatz finden. Dies sind knapp über 7 Prozent weniger als im Vorjahr. Sie werden weiterhin von der Berufsberatung mit dem Ziel einer schnellen Integration unterstützt.

„Alle Jugendlichen, die jetzt noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, sollten unbedingt den Kontakt zu den Beraterinnen und Beratern der Berufsberatung halten. Auf dem Ausbildungsmarkt ist auch jetzt noch viel Bewegung“, sagt Ronald Geist, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Heide. „Und auch für den Fall, dass es dieses Jahr doch nicht mehr mit einem Ausbildungsplatz klappt, haben die Expertinnen und Experten der Berufsberatung gute und wertvolle Unterstützungs- und Überbrückungsmöglichkeiten, die sie individuell einsetzen können.“

Auch wenn jetzt noch was möglich ist - grundsätzlich ordnet Geist den früh- und rechtzeitigen Beginn und die fachkundige Begleitung des Berufswahlprozesses als sehr wichtig ein: „Aus mehrerlei Hinsicht ist es sehr wertvoll, wenn Schülerinnen und Schüler schon früh Kontakt zu dem Thema ‚Berufsorientierung‘ aufnehmen. Die Erarbeitung von individuellen Fähigkeiten und Kompetenzen und das Aufzeigen von Entwicklungsmöglichkeiten kann nicht nur den erfolgreichen Abschluss der Schule unterstützen, sondern auch darin, eine nachhaltige Berufswahl zu treffen – und je früher die Orientierung beginnt, desto besser. Langfristig unterstützt ‚Berufliche Orientierung‘ und ‚Berufsberatung‘ damit auch die Sicherung des Fachkräftepotentials.“

 

Ausbildungsstellen

Die Arbeitgeber der Kreise Dithmarschen und Steinburg teilten dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Agentur Heide in der Zeit vom 01. Oktober 2022 bis zum 30. September 2023 2.010 Ausbildungsstellen zur Besetzung mit. Aufgeteilt auf die beiden Landkreise macht dies eine Anzahl von 1.064 Ausbildungsstellen für Dithmarschen und 964 Ausbildungsstellen für Steinburg aus.

Im Vergleich zum Berichtsjahr 2021/2022 entstand somit über beide Kreise hinweg ein Rückgang von 102 Stellen (-4,8 Prozent).

Das Verhältnis von bei der Agentur Heide gemeldeter Ausbildungsplatzbewerberin oder Ausbildungsplatzbewerber je gemeldeter Stelle liegt rein rechnerisch betrachtet bei 0,7 – ein ähnlicher Wert wie im Vorjahr.

Der überwiegende Teil der Ausbildungsplatzangebote kam aus den Bereichen des Handels und Verkaufs, des kaufmännisch-verwaltenden Bereichs sowie des (Bau-) Handwerks.

Zum Stichtag 30. September 2023 waren 233 der bei der Agentur gemeldeten Ausbildungsstellen noch unbesetzt. Dies waren 39 mehr als noch 2022. Damit ist die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen mehr als doppelt so groß, wie die Zahl der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber.

Unter den unbesetzten Ausbildungsstellen befanden sich überwiegend Angebote aus den Bereichen des Handels und Verkaufs, der medizinischen Gesundheitsberufe sowie des (Bau-) Handwerks.

Die Situation, dass die Anzahl der Ausbildungsstellen höher als die Anzahl der Bewerber ist, stellt sich nicht nur für die Agentur so dar. Ein ähnliches Bild ergibt sich auch aus Sicht der Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Handwerkskammer (HWK).

Thomas Bultjer, Leiter der IHK Geschäftsstelle Dithmarschen, beschreibt die Lage aus Sicht der Kammer so: „Insgesamt verzeichnen wir eine positive Entwicklung bei den neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen. Aktuell sehen wir die Zahlen leicht über denen des Vorjahres. Das Angebot an Ausbildungsstellen liegt weiter über der Nachfrage. Das bedeutet, dass viele Betriebe ihre Ausbildungsstellen nicht besetzen. Für die Ausbildungsinteressierten bietet das Chancen. Die Gastronomie bleibt hinter diesem Trend und ist aktuell rückläufig. In den technisch/gewerblichen Berufen gibt es deutlich höhere Eintragungen von Ausbildungsverträgen gegenüber dem Vorjahr. In diesem Bereich war der Trend vor Corona rückläufig.“

Carmen Carstensen, Ausbildungsberaterin bei der Handwerkskammer Flensburg, berichtet: „Die Ausbildungssituation im Handwerk im Kreis Dithmarschen zeigt sich stabil im Vergleich zum Vorjahr. Die Gesamtzahl von 404 neuen Ausbildungsverträgen entsprach zum Stichtag 30. September exakt dem Vorjahreswert. Allerdings stellen auch wir fest, dass es deutlich mehr Ausbildungsangebote als Bewerberinnen und Bewerber gibt. Ein Blick in unsere Ausbildungsbörse lohnt sich! Viele der vorhandenen Angebote eröffnen auch noch Chancen in diesem Jahr. Und eine Ausbildung im Handwerk zahlt sich immer aus!“

 

Perspektive für das Ausbildungsjahr 2023/2024

Eine der auffälligsten Entwicklungen, hat ihren Trend im zurückliegenden Beratungsjahr (Oktober 2022 bis September 2023) fortgesetzt. Der Ausbildungsmarkt ist nochmals deutlicher zu einem Bewerbermarkt geworden. Für Geist ist klar, dass die Passungsprobleme zwischen den ausgeschriebenen Ausbildungsplatzangeboten und der Nachfrage durch Ausbildungsinteressierte reduziert werden müssen und sieht im eigenen Haus zwei Hebel: „Es steht nicht in unserer Macht, auf die Summe derer, die dem Ausbildungsmarkt zur Verfügung stehen könnten, Einfluss zu nehmen. Aber es ist wichtig, dass die Berufsberaterinnen und Berufsberater diejenigen, die sich auf dem Weg zum Schulabschluss befinden, kontinuierlich begleiten und mit den Möglichkeiten und Anforderungen des Ausbildungs- und Arbeitsmarkts vertraut machen. Dies ist für die jungen Menschen als auch im Sinne der Fachkräftesicherung wesentlich. Und in diesem Zusammenhang spielt auch die enge Kooperation mit den Schulen eine große Rolle. Zweitens ist die Beratung der Arbeitgeber wichtig. Inhaltlich geht es hier u.a. um die Information über eine sich verändernde, vielfältige Arbeitswelt, ein modernes Ausbildungsmanagement und über Chancen frischer Recruiting-Ideen und Auswahlstrategien.“

Darüber hinaus ist es für die jungen Menschen als auch für die Betriebe von zentraler Bedeutung, dass bestehende Ausbildungsverhältnisse erfolgreich beendet werden. Für den Fall, dass der erfolgreiche Ausbildungsabschluss in Frage stehen sollte, bietet die Agentur passende Unterstützungsmöglichkeiten an. „Mit der ‚Assistierten Ausbildung‘ haben wir ein Unterstützungsangebot von dem beide Seiten profitieren können. Die ‚Assistierte Ausbildung‘ hilft jungen Berufswählern, eine Ausbildung zu finden und abzuschließen – beispielsweise durch gezielte Nachhilfe. Und für die Betriebe ist die ‚Assistierte Ausbildung‘ bei Bedarf hilfreiche Entlastung. So kann durch ihren Einsatz im praktischen Ausbildungsgeschehen zum Beispiel bei der Erstellung eines Qualifizierungsplans und mit Informationen zu zielgruppengerechten Ausbildungsmethoden unterstützt werden“, erklärt Geist.

Arbeitgeber-Service für Ausbildungsbetriebe: 0800 – 4 5555 20 (kostenfrei)

Termine mit der Berufsberatung: 0800 – 4 5555 00 (kostenfrei)

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