06.11.2020 | Presseinfo Nr. 35

Jahresbilanz zum Ausbildungsjahr 2019/2020

- Knapp 2.000 Jugendliche nutzen die Berufsberatung
- Ausbildungsbetriebe bieten mehr als 1.800 Ausbildungsplätze an
- Corona-Effekt ist im Agenturbezirk erkennbar, aber nicht signifikant
- 56 Ausbildungsbetriebe beantragten finanzielle Unterstützung aus dem Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“
 

Die Jahresbilanz bezieht sich auf den Agenturbezirk Heide, der die beiden Landkreise Dithmarschen und Steinburg umfasst.

Ausbildungsplatzbewerber

In der Zeit vom 01.10.2019 bis zum 30.09.2020 beauftragten 1.889 Jugendliche und junge Erwachsene die Berufsberatung mit der Ausbildungsvermittlung. Dies waren 131 weniger als im Berichtsjahr 2018/2019 (-6,5 Prozent). Gut die Hälfte der Bewerber konnte erfolgreich in eine betriebliche Ausbildung integriert werden. 227 der Jugendlichen entschieden sich für den weiteren Schulbesuch (7,2 Prozent mehr als im Vorjahr), die Aufnahme eines Studiums oder eines Praktikums.

Weiterhin mündeten einige Bewerber in eine betriebsnahe Qualifikation, wie z.B. eine Einstiegsqualifizierung oder eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme ein oder starteten mit einem gemeinnützigen/sozialen Dienst.

190 Jugendliche und junge Erwachsene konnten keinen passenden Ausbildungsplatz finden. Dies sind 7,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Sie werden weiterhin von der Berufsberatung mit dem Ziel der schnellstmöglichen Integration unterstützt.

„Die Auswirkungen der Pandemie auf den Ausbildungsmarkt sind spürbar. Dennoch hatten wir zwischenzeitlich mit noch gravierenderen Effekten gerechnet. Bewerberinnen und Bewerber, die weiterhin einen Ausbildungsplatz suchen, stehen derzeit im Fokus der Arbeit der Berufsberatung. Ganz entscheidend dabei ist, dass sie den Kontakt zu ihrer Beraterin oder zu ihrem Berater halten und gerne auch überlegen, welche Berufe noch alternativ in Frage kommen könnten“, erläutert Ronald Geist, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Heide.

Fast drei Viertel (74 Prozent) der neuen Ausbildungsverträge wurden mit Bewerberinnen und Bewerbern geschlossen, die über einen Schulabschluss der Gemeinschaftsschule verfügen (Erster Allgemeinbildender Schulabschluss und Mittlerer Schulabschluss). Gut 18 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber sind im Besitz der (Fach-)Hochschulreife. Ein Großteil dieser Gruppe mit Hochschulzugangsberechtigung entscheidet sich letztendlich für die Aufnahme eines Studiums. Darüber hinaus konnten sogar rund 2 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber ohne Schulabschluss erfolgreich in Ausbildung integriert werden.

Ausbildungsstellen

Insgesamt teilten die Arbeitgeber in der Zeit vom 01.10.2019 bis zum 30.09.2020 dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Heide 1.832 offene Ausbildungsstellen mit. Aufgeteilt auf die beiden Landkreise waren es in Dithmarschen 976 angebotene Ausbildungsstellen und in Steinburg 856. Damit waren es gegenüber dem Vorjahr insgesamt 72 angebotene Ausbildungsstellen weniger. Dieses Minus resultierte ausschließlich aus dem Kreis Dithmarschen.

155 Ausbildungsstellen sind derzeit noch unbesetzt. Darunter befinden sich überwiegend Angebote aus dem Handel/Verkauf und im Bereich Hotel/Gastronomie (Fachkraft – Gastgewerbe, Koch/Köchin, Hotelfachmann/-frau).

Hinsichtlich der Besetzung noch unbesetzter Ausbildungsstellen stellt Thomas Bultjer, Leiter der IHK Geschäftsstelle Dithmarschen, Verzögerungseffekte fest. „Die ausgefallenen Berufsorientierungsaktivitäten haben dazu geführt, dass einige Bewerberinnen und Bewerber sich noch nicht für einen Beruf entscheiden konnten. Es ist Zurückhaltung und Skepsis seitens der Bewerberinnen und Bewerber vorhanden. Viele gehen weiterhin zur Schule. Die vollzeitschschulischen Maßnahmen an den Berufsschulen sind stark nachgefragt. Der demografische Trend und die Neigung zum Studium hat sich weiter fortgesetzt. Die Veränderungen zu den Vorjahren sind in den verschiedenen Branchen sehr unterschiedlich ausgeprägt. Viele Betriebe suchen noch Auszubildende. Eine Ausbildung kann aktuell noch begonnen werden.“

In diesem Zusammenhang berichtet Bultjer von der Gesamtzahl der neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse für den Kreis Dithmarschen. Dies waren 403 im zurückliegenden Jahr und damit 12,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Nach Auskunft der Handwerkskammer Flensburg (HWK) sind im Kreis Dithmarschen 394 neue Ausbildungsverträge geschlossen worden. Dies sind 13,2 Prozent weniger als im Berichtjahr 2018/2019.

Dabei zeigt sich Hans-Werner Frahm, Leiter der Abteilung Berufliche Bildung bei der Handwerkskammer Flensburg, alles in allem erleichtert bei der Betrachtung des gesamten Berichtsjahres und ermuntert ebenso junge Leute, die jetzt noch nach einem Ausbildungsplatz suchen, sich zu bewerben: „Die Ausbildungssituation im Bezirk der Handwerkskammer Flensburg zeigt sich im Vergleich zur ersten Jahreshälfte deutlich verbessert. Zum Stichtag 30. September war ein Rückgang bei der Zahl der neuen Ausbildungsverhältnisse im Vergleich zum Vorjahreswert in Höhe von 8,9 Prozent festzustellen. Dieser Wert ist in der Entwicklung insofern als positiv zu werten, da in der ersten Jahreshälfte der Rückgang noch deutlich höher ausfiel. Insbesondere in den letzten Wochen wurden noch viele neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Auch zum jetzigen Zeitpunkt ist noch ein Einstieg in eine betriebliche Ausbildung möglich, unversorgte Bewerberinnen und Bewerber sollten daher nicht zögern und nach offenen Ausbildungsplatzangeboten nachfragen.“

Insgesamt betrachtet wurden im Vergleich zum Vorjahr 3,8 Prozent weniger Berufsausbildungsstellen gemeldet als im Vorjahr. Dies ist auch auf das Pandemiegeschehen zurückzuführen. Um die Folgen der Covid-19-Pandemie auf den Ausbildungsmarkt zu mildern, hat die Bundesregierung das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ beschlossen.

„Seit dem 1. August 2020 bietet das Bundesprogramm "Ausbildungsplätze sichern" von der Coronapandemie betroffenen klein- und mittelständischen Ausbildungsbetrieben mit bis zu 249 Beschäftigten Fördermöglichkeiten an. So können Unternehmen, die infolge der Corona-Krise mit starken Umsatzeinbrüchen konfrontiert sind, jedoch die Zahl ihrer Ausbildungsplätze beibehalten oder sogar erweitern, mit bis zu 3000 Euro pro Ausbildungsplatz gefördert werden. Weiterhin sind Zuschüsse zur Ausbildungsvergütung zur Vermeidung von Kurzarbeit und die Beantragung einer Übernahmeprämie möglich. Bisher wurden im gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Heide bereits 56 Anträge eingereicht“, erklärt Geist weiter.

Vor diesem Hintergrund richtet er auch seinen Dank an die Unternehmen, dass sie trotz der Pandemie so zahlreich an der Ausbildungsbereitschaft festgehalten haben und hofft, dass es weiterhin so bleibt. "Wir alle sollten das Ziel haben, einen Corona-Jahrgang zu vermeiden. Langfristig wird der Fokus wieder stärker von der Pandemiesituation auf den steigenden Bedarf an Fachkräften gerichtet werden und da sollten wir uns bereits jetzt wappnen.“

Bei den Ausbildungswünschen der Jugendlichen liegen Berufe des Verkaufs- und Büromanagementbereichs weiterhin ganz vorne. Darüber hinaus sind Berufe im Bereich des Gesundheitssektors bei weiblichen Ausbildungsplatzsuchenden sehr beliebt und bei männlichen Ausbildungsplatzsuchenden Berufe im Bereich Kfz-Mechatronik und Fachinformatik.

Der Schwerpunkt, der bei der Agentur für Arbeit gemeldeten Stellen, lag im Verkauf und Handel sowie bei den Berufen Anlagenmechaniker/-in und Kfz-Mechatroniker/-in.