Interview mit dem Profi Herr Remp

Michael Remp ist 44 Jahre alt und Berufskraftfahrer bei der Firma TTM GmbH.
 

Sie sind Berufskraftfahrer bzw. LKW-Fahrer – wie lange sitzen Sie schon auf dem Bock?
Ich habe 2005 mit dem alten Führerschein Kl. 3 angefangen 7,5 Tonner zu fahren und habe dann 2016 den Sattelzug Führerschein gemacht.

Hat sich viel verändert in den letzten Jahren und wenn ja, was zum Beispiel?
Auf jeden Fall einiges. Unter anderem wurden im Jahr 2009 die Berufskraftfahrer-Qualifikations-Module eingeführt. Das kommt uns alles zu Gute. Man ist thematisch einfach super auf den Job vorbereitet und erfährt in den kontinuierlichen Schulungen immer wieder etwas, was man für den Job mitnehmen kann. 

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job am besten?
Mir gefällt vor allem die Verantwortung, die man für so ein großes Fahrzeug völlig selbstständig übernimmt. Zudem hat man, trotz des großen Auftragsaufkommen, sein Zeitmanagement so ziemlich selbst in der Hand. Dazu gehören die Lenk- und Ruhezeiten, sowie teilweise die Reihenfolge der anzufahrenden Adressen. Da kann man auch oft seinen eigenen Teil dazu beitragen.

Was finden Sie an Ihrem Beruf nicht so gut?
Es ist teilweise wirklich erschreckend, dass trotz der Schulugen oft sehr viel Unwissen und Unmut bezüglich der gesetzlichen Vorgaben herrscht, da es doch sehr sehr viele Firmen gibt, die ihren Fahrern kein vernünftiges Material/Fahrzeuge zur Verfügung stellen und häufig mit Druck gearbeitet wird. Das führt oftmals zu Überforderung und das schlägt sich in der Stimmung und dem Fahrverhalten nieder.

Nehmen Sie uns doch einen Tag mal mit, wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Ich beginne morgens damit, meine Zugmaschine für die Fahrt vorzubereiten. Spiegel einstellen, Sitzposition, Fahrerkarte einlesen, Navi programmieren…

Danach wird der entsprechende Auflieger aufgenommen. Die Abfahrtskontrolle wird durchgeführt und das Ladungssicherungsmaterial auf Vollständigkeit geprüft. Die Bereifung muss in Ordnung sein, sowie die Beleuchtung. Erst wenn das alles sitzt, kann es losgehen…

Jetzt kann der Auflieger beladen werden. Das machen wir morgens oftmals selbstständig in Zusammenarbeit mit dem Lagerpersonal. Ist alles verstaut und gesichert, geht’s auf die Straße.

Mit der Disposition wird die Tour zunächst besprochen, zumindest grob, denn der Tag hält oft einige Überraschungen parat und der Plan muss umgestaltet werden.

Ich achte im Laufe des Tages darauf, dass meine gesetzlichen Ruhezeiten eingehalten werden. Wenn man das vernünftig mit der Disposition abstimmt, klappt der Plan auch meist.

Ein genauer Zeitpunkt für den Feierabend ist natürlich erst relativ spät am Tag abschätzbar. Mal ist es früh und mal wird es etwas später am Abend. Aber immer im Rahmen der gesetzlichen Arbeitszeiten. Darauf legt meine Firma großen Wert.

Ist die im Laufe des Tages abgeholte Ware im Lager entladen und der LKW wieder sauber, können wir in der Regel nach Hause gehen.

Wie gesagt – kein Tag ist gleich. Auftragslage, Verkehr und Änderungen bei unseren Kunden sind natürlich nicht wirklich vorhersehbar. Aber ich finde, dass macht den Job auch spannend und wenn man in einem fairen Unternehmen arbeitet, wird einem in jeder Lage geholfen.

Wie sind Ihre Arbeitszeiten? Haben Sie neben Ihrem Beruf auch Zeit für Familie und Freunde?
In der Regel beginne ich um 07:00 Uhr morgens. Manchmal gibt es natürlich frühere Ladetermine beim Kunden z.B. um 06:30 Uhr, aber der Hauptbetrieb läuft ab 07:00 Uhr.

Im Schnitt bin ich zwischen 16:30 Uhr bis 17:30 Uhr fertig. Je nach Auftragslage und Stärke der Besetzung. So ist das zumindest in unserem Unternehmen.

Da ich keinen Fernverkehr fahre, bin ich also jeden Abend zu einer vernünftigen Uhrzeit zuhause und habe somit auch ein ausgeglichenes Sozialleben.

Welche falschen Vorstellungen haben andere Menschen von Ihrem Beruf? Was sind die typischen Myhten oder Klischees?
Es gibt, wie bereits erwähnt, meiner Meinung nach noch viel zu viele Firmen, die Ihren Fahrern den kompletten Termindruck aufbürden. Da wird mit dem Verlust des Arbeitsplatzes gedroht und der Fahrer versucht mit allen möglichen Tricksereien, den Plan zu erfüllen.

Auch in Dokus im Fernsehen, wird der Beruf fast ausschließlich als „extrem stressig“ und „nur was für die ganz Harten“ dargestellt. Das ist, wie ich finde, ein völlig überzogenes Bild.

Jeder macht sich seinen Druck doch selbst, wenn er sich dazu nötigen lässt, die Fahrzeiten nicht einzuhalten, zu schnell zu fahren oder gar unsanft mit der Ware umzugehen. Die gesetzlichen Vorgaben sind doch eigentlich eine große Hilfe für uns. An die muss sich auch der Arbeitgeber halten.

Der Beruf ist echt genial… wenn man weiß welchen Wert man hat. 

Hat sich ihr Beruf durch die Pandemie verändert und wenn ja, was hat sich verändert?
Ein wenig schon. Man darf nur noch selten beim Kunden bei der Be- oder Entladung dabei sein, aufgrund der Vorsichtsmaßnahmen in den einzelnen Betrieben. Somit ist ein großer Teil der Ladungssicherung dann eben in der Hand des Verladers beispielsweise. Alles in allem bringt es meiner Ansicht nach aber wenig mehr Ruhe in den Tag… Aber das sieht jeder individuell.

Was war ihr bestes Erlebnis in Ihrem Job?
Der Erhalt meines Führerscheins für den Sattelzug und die damit verbundene „erste Fahrt“ alleine mit dem großen Fahrzeug. Im Nachtdienst, an eine mir bis dato noch nicht bekannte Adresse.

Was geben Sie allen mit auf den Weg, die sich für diesen Job interessieren?
Macht euch bitte kein Bild über den Job von irgendwelchen Dokus auf Sensations-Sendern. Informiert euch bei den Firmen direkt, zu welchen Bedingungen gearbeitet wird. Vorsicht vor zu hohen Gehaltsangeboten, da steckt oft nichts Gutes dahinter. Der Job birgt so viele Möglichkeiten, so viele nette Kontakte bei Kunden. Viel Eigenverantwortung. Interessante Einblicke in die verschiedenen Firmen und du bist den ganzen Tag draußen.

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