20.01.2021 | Presseinfo Nr. 5

Die Entwicklung des Arbeitsmarktes

Die Entwicklung des Arbeitsmarktes im Kreis Minden-Lübbecke im Jahr 2020

Der Arbeitsmarkt 2020
  • 22,0 Prozent mehr Arbeitslose im als im Jahresdurchschnitt 2019 – insbesondere durch einen starken Anstieg im Frühjahr begründet
  • Anzahl der neuen Stellenmeldungen in der Jahressumme stark rückläufig (- 24,2 Prozent) – aber ein großer Fachkräftemangel besteht weiter
Ausblick 2021
  • Die Pandemie wird auch im Jahr 2021 die Entwicklungen am Arbeitsmarkt beeinflussen.
  • Schwerpunkte für 2021: Die Agentur für Arbeit wird sich auch im kommenden Jahr auf die Weiterbildung und die Unterstützung der Stabilität am Arbeitsmarkt konzentrieren: Kurzarbeitergeld soll weiterhin Arbeitsplätze sichern, Qualifizierung von Arbeitslosen und Beschäftigten ist ein wichtiges Instrument.

Jahresrückblick 2020 – Ein Jahr geprägt von der Pandemie

Im Kreis Minden-Lübbecke nahm die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenzahl um 1.747 oder 22,0 Prozent auf 9.675 Personen zu. Die Arbeitslosenquote steig im Jahresdurchschnitt 2020 im Vergleich zu 2019 von 4,7 auf 5,7 Prozent.

Im Rechtskreis der Arbeitslosenversicherung (Sozialgesetzbuch III) waren im Schnitt 4.411 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosigkeit nahm hier binnen Jahresfrist um 1.038 oder 30,8 Prozent zu. Die Arbeitslosenquote stieg im Bereich SGB III um 0,6 Prozentpunkte von 2,0 Prozent auf 2,6 Prozent im Jahresdurchschnitt 2020.

Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Frauen und Männer in der Grundsicherung (Sozialgesetzbuch II) stieg gegenüber dem Vorjahr um 710 oder 15,6 Prozent auf 5.264 Personen. Die Arbeitslosenquote im Bereich SGB II stieg damit im Jahresschnitt von 2,7 Prozent auf 3,1 Prozent.

„Auch im Kreis Minden-Lübbecke war der Arbeitsmarkt – wie so vieles im Jahr 2020 – geprägt von der Pandemie. Die notwendigen Eindämmungsmaßnahmen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens führten zu einem  hohen Anstieg der durchschnittlichen Arbeitslosigkeit in diesem Jahr, der die Effekte einer bereits bestehenden schwächeren Konjunktur noch verstärkte. Dass es sich bei vielen dieser arbeitslosen Menschen um Personen handelt, die direkt aus der Erwerbstätigkeit kommen, wird dadurch unterstrichen, dass der Anstieg im Wesentlichen im Bereich des SGBIII – also bei den Personen mit Anspruch auf Arbeitslosengeld I – stattgefunden hat“, erläutert Frauke Schwietert, Leiterin der Herforder Arbeitsagentur.

Sie betont jedoch: „Ohne die zahlreichen Unterstützungen von Bund und Ländern, und nicht zuletzt auch ohne das von uns ausgezahlte Kurzarbeitergeld, wären die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt noch weitaus größer gewesen. Das Instrument der Kurzarbeit hat es den Unternehmen ermöglicht, möglichst viele Arbeitsstellen zu erhalten – und dies können wir auch 2021 weiterhin unterstützen. Denn nicht zuletzt hilft das Kurzarbeitergeld den Unternehmen auch dabei, nach der Krise möglichst schnell wieder durchstarten zu können.“

Im Jahr 2020 gab es – seit März – im Kreis insgesamt 4.051 Anzeigen über Kurzarbeit, in denen 61.741 Personen genannt wurden. „Wenn man diese Zahl mit der Zahl der Finanzkrise 2009 vergleicht, so sind die aktuellen Werte viel höher. Das gibt eine Perspektive auf das Ausmaß der Inanspruchnahme des Angebots Kurzarbeit. Allerdings sind die Anzeigen und die in Anzeigen genannten Personen nicht gleichzusetzen mit der dann tatsächlich realisierten Kurzarbeit. Vielmehr sind diese Zahlen ein Barometer zur Inanspruchnahme, denn sie enthalten gegebenenfalls Dopplungen bei den Betrieben und Personen, oder Anzeigen über Kurzarbeit, die am Ende gar nicht realisiert wurden. Einen abschließenden Überblick über die realisierte Kurzarbeit im Jahr 2020 können wir erst in etwa einem halben Jahr geben“, so Sebastian Placke, operativer Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Herford.

Die aktuellsten Zahlen zur tatsächlich realisierten Kurzarbeit auf Kreisebene liegen in Form von Hochrechnungen für den Monat Juli vor. Demnach waren im Juli 2020 1.143 Betriebe im Kreis von Kurzarbeit betroffen, es gab 12.979 Kurzarbeiter. Die höchste Zahl an Betrieben in Kurzarbeit in einem Monat gab es mit 2.177 Betrieben im Mai 2020, die höchste Zahl Kurzarbeitern im April 2020 mit 24.826 Kurzarbeitern. Dies war dann auch der Höhepunkt der Kurzarbeiterquote, die im Mai bei 19,0 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag.

Bei den jungen Arbeitnehmern unter 25 Jahren verzeichnete der Kreis Herford im Jahresdurchschnitt einen Anstieg um 261 Personen oder 28,3 Prozent auf 1.181 Jugendliche. Bei den Älteren über 50 Jahre waren es 421 oder 16,7 Prozent mehr Arbeitslose im Jahresdurchschnitt – insgesamt 2.946.

Der jahresdurchschnittliche Bestand an ausländischen Arbeitslosen ist um 533 oder 27,1 Prozent auf 2.501 Personen gestiegen.

Betriebe und Verwaltungen meldeten im Jahresverlauf 8.079 Arbeitsstellen, 2.583 oder 24,2 Prozent weniger als 2019. Im Bestand befanden sich im Jahresdurchschnitt 3.372 Arbeitsstellen und damit 1.000 oder 22,9 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Frauke Schwietert analysiert: „Die Zurückhaltung der Arbeitgeber aufgrund der Pandemie zeichnet sich auch am Stellenmarkt ab. Unternehmen konzentrieren sich aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen Lage eher darauf, das vorhandene Personal zu halten. Dennoch zeigen die vorhandenen Stellen im Bestand, dass es noch Chancen für arbeitslose Menschen gibt, die es zu nutzen gilt. Gemeinsam werden wir versuchen, Arbeitslose und Stellen zusammenzubringen“

Ausblick 2021 – Die Pandemie als Herausforderung, Qualifizierung als Chance

„Wenn man die aktuelle Situation betrachtet, wird deutlich, dass der Arbeitsmarkt auch im Jahr 2021 noch deutlich von der Pandemie geprägt sein wird“, erläutert Sebastian Placke. „Kurzarbeitergeld wird weiterhin ein wichtiges Instrument bleiben, um Arbeitsplätze zu sichern. Arbeitslosengeld I wird weiterhin vielen Menschen, die aufgrund der Pandemie ihren Arbeitsplatz verloren haben, zumindest etwas finanzielle Stabilität geben. Darüber hinaus stehen wir unseren Kundinnen und Kunden telefonisch, online oder bei Bedarf für persönliche Beratung zur Verfügung.“

Frauke Schwietert fügt hinzu: „Besonders wichtig ist es jetzt, die Zeiten des Arbeitsausfalls sinnvoll zu nutzen – für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Dabei können wir nicht nur die Qualifizierung von Arbeitslosen fördern, sondern im Rahmen des Qualifizierungschancengesetzes auch die Beschäftigten von Unternehmen – auch während der Kurzarbeit. Qualifizierung hilft Arbeitnehmern und Unternehmen, sich für Digitalisierung und die Veränderung der Arbeitswelt fit zu machen beziehungsweise zu halten. Wir hoffen, dass die Konjunktur und mit ihr der Arbeitsmarkt sich nach der Krise schnell wieder erholen können. Dann könnten die Unternehmen mit einer besser qualifizierten Mitarbeiterschaft wieder voll durchstarten.“