20.01.2021 | Presseinfo Nr. 4

Die Entwicklung des Arbeitsmarktes

Die Entwicklung des Arbeitsmarktes im Kreis Herford im Jahr 2020

Der Arbeitsmarkt 2020

• 16,7 Prozent mehr Arbeitslose als im Jahresdurchschnitt 2019 -  insbesondere durch einen starken Anstieg im Frühjahr begründet

 • Anzahl der neuen Stellenmeldungen in der Jahressumme rückläufig (-18,6 Prozent) –aber ein großer Fachkräftemangel besteht weiter

Ausblick 2021

• Die Pandemie wird auch im Jahr 2021 die Entwicklungen am Arbeitsmarkt beeinflussen

• Schwerpunkte für 2021: Die Agentur für Arbeit wird sich im kommenden Jahr auf die Weiterbildung und die Unterstützung der Stabilität am Arbeitsmarkt konzentrieren: Kurzarbeitergeld soll weiterhin Arbeitsplätze sichern, Qualifizierung von Arbeitslosen und auch von Beschäftigten ist ein wichtiges Instrument.

Jahresrückblick 2020 – Ein Jahr geprägt von der Pandemie

Im Kreis Herford nahm die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenzahl um 1.178 oder 16,7 Prozent auf 8.222 Personen zu. Die Arbeitslosenquote stieg damit im Jahresdurchschnitt 2020 von 5,1 auf 5,9 Prozent.

Im Rechtskreis der Arbeitslosenversicherung (Sozialgesetzbuch III) waren im Schnitt 3.520 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosigkeit nahm hier binnen Jahresfrist um 827 oder 30,7 Prozent zu. Die Arbeitslosenquote stieg im Bereich SGB III von 2,0 auf 2,5 Prozent.

Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Frauen und Männer in der Grundsicherung (Sozialgesetzbuch II) stieg gegenüber dem Vorjahr um 352 oder 8,1 Prozent auf 4.702 Personen. Die Arbeitslosenquote im Bereich SGB II stieg damit im Jahresschnitt von 3,2 Prozent auf 3,4 Prozent.

„Durch die Pandemie und ihre Folgen hat – wie im ganzen Land – auch der Arbeitsmarkt im Kreis Herford im Jahr 2020 eine negative Entwicklung durchgemacht. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit vor allem im Bereich des SGBIII – also im Bereich derer, die Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben – zeigt, dass es sich hier in großen Teilen um Menschen handelt, die bisher berufstätig waren“, stellt Frauke Schwietert, Leiterin der Herforder Arbeitsagentur, fest.
Man müsse die Entwicklung aber auch im Verhältnis sehen, sagt die Expertin: „Trotz aller negativer Einflüsse hat der Arbeitsmarkt keinen so stark befürchteten Einbruch erfahren. Ein Grund dafür war die gute wirtschaftliche Ausganssituation, in der uns die Pandemie erreicht hat. Aber natürlich sind es auch die vielen staatlichen Hilfen, insbesondere auch das Kurz-arbeitergeld, welches wir auszahlen. Ohne diese Hilfen hätte die Krise noch weitaus größere Folgen für Konjunktur und Arbeitsmarkt gehabt. Und mit diesen Hilfen wollen wir auch 2021 sicherstellen, dass möglichst wenig Arbeitsplätze im Kreis verloren gehen, Fachkräfte erhalten bleiben und die Konjunktur, sobald die Pandemie dies zulässt, schnell wieder durchstarten kann.“

Im Jahr 2020 gab es – seit März – im Kreis insgesamt 3.575 Anzeigen über Kurzarbeit, in denen 53.964 Personen genannt wurden. „Das sind weitaus mehr Anzeigen und Personen als in der Finanzkrise 2009. Dazu muss man aber auch sagen: Diese Zahlen spiegeln nicht die tatsächlich realisierte Kurzarbeit wieder, sondern nur die Anzahl an Anzeigen und genannten Personen in diesen Anzeigen. Hier kann ein einziger Betrieb auch zwei Mal auftauchen, oder aber es gibt einige Personen oder Betriebe, die dann trotz Meldung doch keine Kurzarbeit machen mussten. Aktuelle Zahlen zur realisierten Kurzarbeit haben wir nur zeitversetzt, sodass wir dazu erst in einigen Monaten ein komplettes Bild für das Jahr 2020 dar-stellen können. Die Zahlen, die uns bereits vorliegen, zeigen jedoch: Die Inanspruchnahme war und ist enorm“, weiß Sebastian Placke, operativer Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Herford.

Die aktuellsten Zahlen zur tatsächlich realisierten Kurzarbeit auf Kreisebene liegen in Form von Hochrechnungen für den Monat Juli vor. Demnach waren im Juli 2020 993 Betriebe im Kreis von Kurzarbeit betroffen, es gab 9.771 Kurzarbeiter. Die höchste Zahl an Betrieben in Kurzarbeit sowie Kurzarbeitern in einem Monat gab es im April 2020 mit 1.935 Betrieben und 21.040 Kurzarbeitern. Dies war dann auch der Höhepunkt der Kurzarbeiterquote, die im April bei 21,9 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag.

Bei den jungen Arbeitnehmern unter 25 Jahren verzeichnete der Kreis Herford im Jahresdurchschnitt einen Anstieg um 148 Personen oder 21,9 Prozent auf 824 Jugendliche. Bei den Älteren über 50 Jahre waren es 354 oder 13,8 Prozent mehr Arbeitslose im Jahres-durchschnitt – insgesamt 2.924.

Der jahresdurchschnittliche Bestand an ausländischen Arbeitslosen stieg ebenfalls um 374 Personen oder 20,6 Prozent auf 2.191 Personen.

Betriebe und Verwaltungen meldeten im Jahresverlauf 7.690 Arbeitsstellen, 1.760 oder 18,6 Prozent weniger als 2019. Im Bestand befanden sich im Jahresdurchschnitt 2.885 Arbeitsstellen und damit 459 oder 13,7 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Frauke Schwietert analysiert die Zahlen wie folgt: „Die Auswirkungen der Pandemie auf dem Arbeitsmarkt zeigen sich auch auf dem Stellenmarkt. Hier wird die Zurückhaltung der Arbeitgeber, ausgelöst durch die instabile Situation, deutlich: Sie melden wesentlich weniger Arbeitsstellen, konzentrieren sich eher darauf, vorhandenes Personal zu halten. Doch Chan-cen gibt es für Arbeitslose weiterhin: Die fast 3.000 offenen Stellen, die sich durchschnittlich im Bestand befanden, beweisen, dass es durchaus noch Optionen am Markt gibt und Arbeitskräfte weiterhin gesucht werden. Gemeinsam werden wir versuchen, Arbeitslose und diese Stellen zusammenzubringen.“

Ausblick 2021 – Die Pandemie als Herausforderung, Qualifizierung als Chance

„Wenn man die aktuelle Situation betrachtet, wird deutlich, dass auch der Arbeitsmarkt im Jahr 2021 weiterhin von der Pandemie und ihren Folgen geprägt sein wird“, so Sebastian Placke. „Auch 2021 werden wir wieder alles daransetzen, Menschen mithilfe von Kurzarbeitergeld und Arbeitslosengeld I vorübergehend etwas finanzielle Sicherheit in dieser schwie-rigen Zeit zu geben. Darüber hinaus stehen wir unseren Kundinnen und Kunden telefonisch, online oder bei Bedarf für persönliche Beratung zur Verfügung.“

Frauke Schwietert fügt hinzu: „Besonders wichtig für Arbeitgeber und auch Arbeitnehmer ist es aber auch, diese Zeit sinnvoll zu nutzen, um das Unternehmen beziehungsweise sich selbst für die Digitalisierung und die Veränderung der Arbeitswelt fit zu halten oder zu machen. Qualifizierungen können dabei helfen. Diese sind dabei nicht nur den arbeitslosen Menschen vorbehalten: Dank des Qualifizierungschancengesetzes können wir auch die Qualifizierung von Beschäftigten fördern – auch während des Bezugs von Kurzarbeitergeld. Das ist eine gute Chance für Arbeitnehmer und Unternehmer, die Zeit des Arbeitsausfalls sinnvoll zu nutzen. Wir hoffen, dass die Konjunktur und mit ihr der Arbeitsmarkt sich nach der Krise schnell wieder erholen können. Dann könnten die Unternehmen mit einer besser qualifizierten Mitarbeiterschaft wieder voll durchstarten.“