10.05.2022 | Presseinfo Nr. 45

Mit neuen Technologien im traditionellen Handwerk

Digitalisierung der Arbeitswelt – ein spannendes. Der Prozess wurde in einigen Berufen durch die Corona-Pandemie noch beschleunigt. Doch wie sieht Digitalisierung in Betrieben konkret aus? Steve Neuber berichtet von seinen Erfahrungen.
 

Mit der Digitalisierung findet ein grundlegender Wandel der Arbeitswelt statt. Neue Technologien und Prozesse haben nicht nur Auswirkungen auf die Produktivität der Wirtschaft, sondern ändern auch Arbeitsweisen und – inhalte. Berufsbilder werden sich ändern, Tätigkeiten werden wegfallen, neue Jobs werden entstehen, neue flexible Arbeitsformen werden möglich.

"Dass eine Digitalisierung der Arbeitswelt stattfindet, das ist in allen Köpfen angekommen. Dennoch gibt es immer noch viele Menschen, die befürchten, dass die zunehmende Automatisierung von Arbeitsprozessen Jobs kosten könnte. Aber die technischen Neuerungen in der Arbeitswelt und die Entwicklungen im Bereich Home-Office oder die flexibleren Arbeitszeiten haben gezeigt: Digitalisiert arbeiten heißt oft nur eins, nämlich anders Arbeiten", betont sie.

Ein gutes Beispiel dafür bietet der Betrieb TechBau Neuber, ein Dachdeckerunternehmen aus Vlotho. Geschäftsführer Steve Neuber hält Digitalisierung vor allen Dingen für eine Erleichterung im Arbeitsalltag: "Wir haben ein Programm auf Tablets und Smartphones, mit dem wir inzwischen alle Bürokratie, die komplette Kunden- und Projektverwaltung managen. Unterschriften, Baustellendokumentation und so weiter, alles läuft digital ab. Bei so vielen Baustellen und Kunden kommt sonst gerne mal eine Zettelwirtschaft zustande, und dann geht auch gerne mal etwas verloren. Die digitalen Hilfsmittel ersparen uns diese Probleme." Steve Neuber hat seine eigene Dachdeckerausbildung im Jahr 2001 abgeschlossen, das eigene Unternehmen gründete er 2010.

Seit der Unternehmensgründung hat er viel Erfahrung gesammelt und gelernt, an welchen Stellen technische Möglichkeiten die Arbeit für seine Mitarbeiter erleichtern. "Vor vier Jahren haben wir uns das erste Mal mit der Drohnentechnik ausprobiert, seit zwei Jahren arbeiten wir sehr intensiv damit", erinnert er sich. Die modernen Drohnen nehmen Vorher-Nachher-Vergleiche der Dächer auf, helfen bei den Ausmessungen oder bei ersten Einschätzungen zu Dachschäden. "Die modernen Geräte lassen sich ohne Probleme bis zu einem Meter an das Dach heranfliegen und sehr gut steuern. Mit den Bildern können wir außerdem unseren Kunden die Ergebnisse unserer Arbeit besser zeigen."

Zusätzlich zu Drohnentechnik und dem digitalen Verwaltungssystem setzt der Betrieb auch ein Warenwirtschaftssystem ein. Alle Materialien, aber auch die genutzten Werkzeuge werden vor dem Verbrauch gescannt und einer Baustelle zugeordnet. "So wissen wir immer, was gerade bei welchem Projekt eingesetzt wird. So gehen auch Spezialwerkzeuge nicht so schnell verloren", erzählt Neuber.

Zu guter Letzt setzen er und sein 10-köpfiges Team auch Social Media Plattformen – über Instagram bis zu TikTok ist alles dabei – intensiv ein, damit potenzielle Kundinnen und Kunden sich nicht nur über die Dienstleistungen, sondern auch über "die Menschen, die da kommen", informieren können. Neuber: "Wir haben festgestellt, dass Sympathie einfach auch ein ganz wichtiger Faktor ist, und diese Nähe zum Kunden können wir über Social Media herstellen."

Für Agenturleiterin Frauke Schwietert zeigen Steve Neuber und sein Betrieb vor allem eins: "Digitalisierung soll den Arbeitsalltag verändern, im besten Fall erleichtern. In vielen Branchen kann ein Mensch nicht komplett von Maschinen ersetzt werden." Tatsächlich kann die Dachdecker-Tätigkeit laut Job-Futuromat des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung trotz aller Digitalisierungsmöglichkeiten zu 0% durch Maschinen ersetzt werden. „Trotz aller Hilfsmittel – die Kerntätigkeiten machen unsere Mitarbeiter nach wie vor selbst“, bestätigt auch Neuber. Zusätzlich ist die Vergütungsperspektive im Job gut: Seit 2012 ist das Median-Entgelt im Dachdeckerberuf um mehr als 22 Prozent gestiegen, eine Entwicklung, die über dem Median aller Berufe liegt (+19 Prozent seit 2012).

Frauke Schwietert kennt viele Betriebe wie den von Steve Neuber, die Digitalisierung für sich nutzen, um Arbeitsprozesse zu vereinfachen. Aber sie weiß auch: "Neue Arbeitsmittel erfordern erweiterte Fachkenntnisse zu deren Nutzung. Auch können manche Helferjobs tatsächlich durch neue Technologien ersetzt werden – einer von vielen Gründen, warum eine Ausbildung zur Fachkraft sich lohnt. Sowohl für eine Umschulung zur Fachkraft, als auch für kurze Seminare zum Erweitern der Arbeitskenntnisse bieten wir Fördermöglichkeiten an – denn Weiterbildung ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Automatisierung der Arbeitswelt, die allen zu Gute kommt."

Arbeitgeber, die an einer Weiterbildung oder Umschulung ihrer Mitarbeiter interessiert sind, können sich unter Herford.Arbeitgeber@arbeitsagentur.de oder 0800 4 5555 20 an den Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Herford wenden und sich individuell beraten lassen.