05.02.2020 | Presseinfo Nr. 4

Arbeitsagentur zieht positive Bilanz

„Der Arbeitsmarkt hat sich im Jahr 2019 trotz der zeitweise schwächelnden Konjunktur gut entwickelt: die Zahl der arbeitslosen Menschen im Agenturbezirk Hildesheim ist im Jahresdurchschnitt gesunken, die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist gestiegen und die Nachfrage der Betriebe nach neuen Mitarbeitern ist auf einem guten Niveau. „Dabei hat der Arbeitsmarkt von einer stabilen und robusten Entwicklung profitiert.“, sagte Evelyne Beger, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hildesheim. „Erste Anzeichen einer Eintrübung der Konjunktur haben 2019 noch keine Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen.“

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung

Im Jahresdurchschnitt 2019 waren im Arbeitsagenturbezirk Hildesheim 11.722 Menschen arbeitslos gemeldet. Damit reduzierte sich die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 602 (-4,9%). Die Arbeitslosenquote lag mit einem jahresdurchschnittlichen Wert von 5,3% (Vorjahr: 5,6%) um 0,3 Prozentpunkte über dem niedersächsischen Landeswert. Die Unterbeschäftigung[1] betrug nach vorläufigen Angaben im Jahresschnitt 16.156 (Vorjahr: 16.328). Die Unterbeschäftigungsquote lag im Schnitt bei 7,2% (Vorjahr: 7,3%).

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigte hat im Jahr 2019 weiter zugenommen. Im Agenturbezirk waren zum Stichtag 30.06.2019 insgesamt 125.842 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das sind 1,4 % mehr als im Vorjahr.

Arbeitskräftenachfrage

Der Bestand gemeldeter Arbeitsstellen lag im Jahresdurchschnitt 2019 bei 2.755. Das waren 231 (-7,7%) weniger als im Vorjahr. Die meisten neu gemeldeten Stellenangebote richteten sich an Arbeitskräfte für die Bereiche Gesundheits- und Sozialwesen (1.264 neue Stellen), verarbeitendes Gewerbe (830 neue Stellen) sowie Handel (1.033 neue Stellen). Von Zeitarbeitsunternehmen wurden im vergangenem Jahr 1.027 neue Stellen gemeldet.

Die Stellenneumeldungen liegen mit 8.312 unter dem Vorjahreswert (-1.443 bzw. -14,8%), allerdings immer noch auf einem stabilen Niveau.

[1]Dazu gehören Personen in Arbeitsmarktmaßnahmen, beruflicher Weiterbildung, Arbeitsgelegenheiten, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Gründungszuschuss, Altersteilzeit etc. Aufgrund der Vorläufigkeit der Daten zur Maßnahmeteilnahme können sich hier in den kommenden Monaten noch Änderungen ergeben. Nicht enthalten sind Beschäftigte in Kurzarbeit, weil diese Daten erst mit mehrmonatiger zeitlicher Verzögerung erhoben werden können.

Nach wie vor kann nicht von einem flächendeckenden Fachkräftemangel gesprochen werden. Gleichwohl zeigen sich eine allgemeine Anspannung und Engpässe in einzelnen technischen Berufen, bei Bauberufen sowie in einigen Gesundheits- und Pflegeberufen.

Ausgaben

Die Arbeitsagentur Hildesheim zahlte im Jahr 2019 insgesamt rund 69,5 Millionen Euro (incl. Kranken- und Rentenversicherung) Arbeitslosengeld I aus. Rund vier Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen wurden rund 14 Millionen Euro ausgegeben.

Landkreis Hildesheim

Im Landkreis Hildesheim fiel der Rückgang der Arbeitslosenzahlen etwas geringer aus als im übrigen Agenturbezirk. Im Jahresschnitt waren 8.517 Personen arbeitslos gemeldet, 381 bzw. -4,3% gegenüber dem Vorjahr. Die Arbeitslosenquote im Landkreis lag bei 5,7% (Vorjahr: 6,0%).

Von den positiven Entwicklungen haben alle Personengruppen profitiert. Insbesondere profitierten davon die Langzeitarbeitslosen (-9,2 % auf 3.329 Personen) und die schwerbehinderten Menschen (-4,2 % auf 427 Personen) von den Geschehnissen am Arbeitsmarkt, „An dieser Stelle entfaltet das neue Teilhabechancengesetz bereits seine Wirkung“ so Beger.

Die Jugendarbeitslosigkeit hingegen ist 2019 geringer zurückgegangen. Im Landkreis Hildesheim waren durchschnittlich 808 junge Menschen unter 25 Jahre arbeitslos gemeldet, -38 bzw. -4,5 % gegenüber dem Vorjahr.

Im Rechtskreis SGB III (Agentur für Arbeit/Arbeitslosengeld I) lagen die Arbeitslosenzahlen über dem Vorjahreswert. Im Jahresschnitt sind die Arbeitslosenzahlen hier gegenüber dem Vorjahr mit 3,9 % (106 Personen) leicht auf 2.810 angestiegen.

Im Rechtskreis SGB II (Jobcenter/Arbeitslosengeld II) hingegen ist die Arbeitslosigkeit deutlich zurückgegangen. Im Schnitt waren beim Jobcenter Hildesheim 5.707 Arbeitslose im Jahr 2019 gemeldet. Das sind 487 Personen bzw. -7,9% weniger als im Vorjahr.

Der Arbeitskräftebedarf der Unternehmen lag im Jahr 2019 zwar unter dem Vorjahr, aber dennoch auf einem stabilen Niveau. Arbeitgeber aus dem Landkreis Hildesheim meldeten insgesamt 6.460 neue Stellen. Das waren 1.083 bzw. -14,4% weniger als im Vorjahr.

Landkreis Peine

Der Landkreis Peine verzeichnete die geringste Arbeitslosenquote im Hildesheimer Agenturbezirk. Diese lag mit 4,4% (Vorjahr: 4,8%) sogar deutlich unter dem niedersächsischen Landeswert (5,0%). Im Jahresschnitt sank die Zahl der Arbeitslosen um -212 bzw. -6,4% auf 3.205 Personen.

Von den positiven Entwicklungen haben alle Personengruppen profitiert. Insbesondere hat sich die Zahl der Langezeitarbeitslosen (-12,4 % auf 842 Personen) und der schwerbehinderten Menschen (-8,2% auf 158) gegenüber Vorjahr deutlich reduziert.

Im Zuständigkeitsbereich der Agentur für Arbeit Peine (Arbeitslosengeld I / Rechtskreis SGB III) war der Rückgang der Arbeitslosigkeit eher gering. Im Schnitt waren hier 1.153 Personen arbeitslos, -28 bzw. -2,3% weniger als im Vorjahr. Im Jobcenter Peine hingeben (optierende Kommune des Landkreis Peine / Arbeitslosengeld II) sank die Arbeitslosigkeit deutlich um 193 bzw. -8,6% auf 2.052 Personen.

Der Arbeitskräftebedarf der Unternehmen in Peine im Jahr 2019 lag unter dem Niveau des Vorjahres. Arbeitgeber meldeten 1.852 neue Stellen. Das waren -16,3% bzw. -360 weniger als im Jahr 2018 (ohne Daten der optierenden Kommune des Landkreises Peine).

Kurzarbeit

Bei der Kurzarbeit waren in 2019 leicht steigende Anfragen zu vermelden, jedoch in keiner besorgniserregenden Größenordnung. „Kurzarbeit heißt ja zunächst erstmal nur, dass die Betriebe an Ihren vorhanden Mitarbeiter festhalten“, relativiert Beger diesen Anstieg. „Unsicherheiten bei den Arbeitgebern entstehen insbesondere durch den Umbau in der Kfz-Branche auf die E-Mobilität im von Zulieferern geprägten Hildesheim.“

Ausblick

„Die aktuelle Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung fällt auch für das Jahr 2019 positiv aus: Neben einem weiteren Zuwachs im Bereich der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung wird ein anhaltender Abbau der Arbeitslosigkeit erwartet. Der Aufschwung bleibt, wird aber nicht mehr so stark ausgeprägt, sein, wie vor 2019“, erläutert Beger. „Allerdings wird es immer schwieriger, qualifizierte Fachkräfte zu finden. Daher setzen wir weiterhin verstärkt auf die berufliche Qualifizierung und den Ausbau der lebensbegleitenden Berufsberatung.“

Weitere Chancen bieten aus Sicht von Beger zum einen das Teilhabechancengesetz - es eröffnet denjenigen, die schon lange vergeblich nach Arbeit suchen, eine neue Perspektive und ebnet den Weg in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung für die Kunden der Jobcenter – und das Qualifizierungschancengesetz -  dieses bietet Beschäftigten die Möglichkeit der beruflichen Weiterbildung im Rahmen Ihrer Tätigkeit beim Arbeitgeber.

Die Arbeitsagenturen weiten mit Beginn des kommenden Schuljahres 2020/2021 die lebensbegleitende Berufsberatung aus. „Zu diesem Zeitpunkt bieten unsere Beratungsfachkräfte zusätzlich an den Berufsschulen diese neue Form der Beratung an. „Unsere Beratungsfachkräfte verstärken ihre Präsenz, um die jungen Menschen bei er Berufswahl zu begleiten und um präventiv tätig zu werden“, erklärt Alexandra Fuchs, Geschäftsführerin Operativ der Arbeitsagentur Hildesheim. 

Obgleich sich die konjunkturellen Aussichten für 2020 verbessert haben, gibt es laut Frau Beger und Frau Fuchs weiterhin einige Unsicherheiten für den Arbeitsmarkt. Immer häufiger würden Arbeitslose mit ihrer Qualifikation nicht zu den Bedarfen der Betriebe passen und der Fachkräftemangel in vielen Brachen wird zunehmend deutlich. Der demografische Wandel der Gesellschaft verschärft diese Situation. „Wir müssen daher neben den bisherigen Bemühungen, Mitarbeitende in den Betrieben

Qualifizierung zu ermöglichen, auch unsere Anstrengungen verstärken, mithilfe des neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetz mehr Fachkräfte nach Deutschland zu holen und ihnen hier eine Bleibeperspektive eröffnen“ betont Beger.

Das Gesetzt tritt am 01.03.2020 in Kraft.